| 19:30 Uhr

Kultur auf solideren Standbeinen

Die Fabrik strauchelt zwischen Kulturangebot und finanziellen Nöten. Das soll sich bald ändern.
Die Fabrik strauchelt zwischen Kulturangebot und finanziellen Nöten. Das soll sich bald ändern. FOTO: LR
Guben. Die Stadt sucht einen neuen Betreiber für die Fabrik. Was sich nach dem Ende des betreibenden Vereins anhört, könnte auch ein Neustart werden. Daniel Schauff

"Ich würde keine Veranstaltungen bis Ende 2018 planen, wenn ich nicht sicher wäre, dass wir dann noch hier sind", sagt Karsten Geilich. Gerade erst habe der Fabrik-Chef einen Vertrag für den November nächsten Jahres unterschrieben - wer dann in der Mittelstraße 18 auf der Bühne stehen wird, verrät Geilich noch nicht. Dass aber sein Vertragspartner im heutigen "Werk eins" die Besucher unterhalten wird, hält er für mehr als wahrscheinlich.

Dass der Fabrik-Chef überhaupt erst über die Zukunft des Fabrikvereins in der Mittelstraße sprechen muss, liegt nicht nur an der schon Jahre andauernden Diskussion über die Kosten und den städtischen Zuschuss für das Jugend- und Begegnungszentrum im Gubener Zentrum. In der nächsten Stadtverordnetenversammlung soll ein "Interessenbekundungsverfahren" auf den Weg gebracht werden - gesucht wird damit ein Anbieter, der ab dem 1. Januar 2018 die drei Teilbereiche übernimmt, die derzeit der Fabrik-Verein bewirtschaftet: Jugendarbeit, Gastronomie und Kulturangebot. Die Mittelstraße 18 gibt es nur im Paket, das stellt die zuständige Fachbereichsleiterin Mandy Große im Haushaltsausschuss klar. Das heißt auch: Der neue Betreiber muss ein Träger der Jugendhilfe sein, gleichzeitig für ein kulturelles und kulinarisches Angebot sorgen.

Diesen Anforderungen entspricht bislang der Fabrik-Verein, allerdings fehlt es an ausreichend finanziellen Mitteln vor allem für die Kultursparte des Vereins. Rund 47 000 Euro gibt es aktuell jährlich von der Stadt dafür, 75 000 Euro waren es hingegen noch 2013. Ende vergangenen Jahres meldete der Fabrik-Chef ein Defizit von stolzen 14 000 Euro. Der aktuelle Zuschuss reiche für anspruchsvolle Kulturveranstaltungen nicht, so Geilich.

Das jährliche Feilschen um den Zuschuss soll mit dem Verfahren nun ad acta gelegt werden, sagt der amtierende Bürgermeister Fred Mahro. Zudem solle das Interessenbekundungsverfahren dazu führen, die Finanzierung des Kulturangebots in der Stadt "auf solide Füße zu stellen".

Geilich sieht dem Verfahren positiv entgegen und bezeichnet den Fabrik-Verein in diesem Zusammenhang als "Partner" der Verwaltung. Die solle und will sich laut Mahro mit den Stadtverordneten im Zuge des Interessenbekundungsverfahrens auch klar werden, was sich Guben für ein Kulturangebot leisten könne und wolle.

Klar könne es sein, dass der Fabrik-Verein ab 2018 nicht mehr "Fabrik-Verein" heiße, sagt Geilich. Dann nämlich, wenn sich ein anderer Anbieter im Zuge des Verfahrens meldet und mit einem konkreten Angebot alle drei jetzigen Fabrik-Sparten ab dem kommenden Jahr übernimmt. Er aber gehe davon aus, dass das mittlerweile nur noch fünfköpfige Fabrik-Team weiterhin an der aktuellen Wirkungsstätte zuständig für die Kultur- und Jugendarbeit sein wird, möglicherweise allerdings unter neuer Flagge. Dazu aber stellt Geilich klar: "Der Fabrik-Verein hängt nicht an sich selbst, sondern an dem, was wir machen." Und das sei eine Menge - nicht selten verirrten sich große Künstler in die "Provinz". Über die Jahre hätten sich enge Kontakte zu Managements, Musikern und anderen Unterhaltungskünstlern entwickelt, die Guben vor allem mit dem Fabrik-Verein verbänden und immer wieder kämen - auch für kleines Geld. Allein das sei durch andere Mitarbeiter kaum zu ersetzen - geschweige denn das über Jahre gesammelte Inventar. Sicher gebe es immer Luft nach oben, aber für noch größere Konzerte, Open-Air-Events oder Beteiligungen an Stadtfest oder Weihnachtsmarkt fehle vor allem Personal. Auch das könne sich mit einem neuen Betreiber ändern, so Geilich.

Interesse an der Mittelstraße 18 werde der Fabrik-Verein im Zuge des Verfahrens auf jeden Fall bekunden. Nur wenn sich kein Interessent melde, sehe es für einen großen Teil der Kultur in Guben schwarz aus, so der Fabrik-Chef.