ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:39 Uhr

Künstlerische Freiheit in Skizzen, Stichen und Fresken

Archivar Winfried Töpler zeigte Zeichungen und Stiche vom Kloster Neuzelle von 1650 bis vor dem großen Brand im Jahr 1892. Seine Aufzeichnungen können in den Neuzeller Studien nachgelesen werden.
Archivar Winfried Töpler zeigte Zeichungen und Stiche vom Kloster Neuzelle von 1650 bis vor dem großen Brand im Jahr 1892. Seine Aufzeichnungen können in den Neuzeller Studien nachgelesen werden. FOTO: zar1
Neuzelle. Das Kloster Neuzelle veränderte sich in den Jahrhunderten vor dem Großbrand im Jahr 1892 immer wieder. Der Brand hatte viele Gebäude der Anlage zerstört. Zahlreiche Maler und Kupferstecher hatten das Neuzeller Kloster bis dahin festgehalten. Über "Ansichten von Neuzelle vor dem Brand von 1892" referierte Archivar Winfried Töpler im Strohhaus. Jana Pozar / zar1

Archivar Winfried Töpler trägt seit vielen Jahren Zeichnungen, Gemälde, Stiche, Skizzen und andere unterschiedliche Darstellungen des Areals und vom Innern des Klosters Neuzelle zusammen. "Ich habe diese in Kirchen, Archivaren und auch in Privatbesitz verschiedener Leute gefunden", erklärte Töpler.

Deckenfresko in Marienthal

Eine der ältesten Ansichten des Klosters Neuzelle stammt aus dem Jahr 1650. "Sie ist ein Deckenfresko in der Klosteranlage in Marienthal", erklärt der Fachmann. St. Marienthal ist ein Zisterzienserinnenkloster in der sächsischen Oberlausitz

Er sagt weiter: "Das Kloster dort hatte nachweislich eine enge Beziehung zu Neuzelle. Warum allerdings das Kloster in Zusammenhang mit der Grablegung Christi dargestellt wurde, bleibt offen", so Töpler. Möglich sei, dass sich die Zisterziensermönche nach dem Wechsel der Landesherrschaft zu den protestantischen Wettinern nach dem Dreißigjährigen Krieg selbst fühlten, wie ins Grab gelegt. Die Darstellung zeige zudem den Heiligen Bernhard sowie einen Turm am Kloster - "damit kann nur das Kloster Neuzelle gemeint gewesen sein", erklärt der Fachmann.

Weitere Darstellungen des Neuzeller Kloster gab es im Jahr 1724 nach der Barockisierung. "Darauf sind die schmalen gotischen Fenster geteilt", weiß Töpler. Schon damals wurde Neuzeller als Ort dargestellt, von dem aus man in den Himmel kommt. Die gezeichnete Leiter vom Kloster aus ins himmlische Jerusalem ist auch in einem Gebetsbuch aus dem Jahr 1752 wiederzufinden. "Das Kloster wurde damit idealisiert", erklärt Winfried Töpler.

Zuvor, im Jahr 1740, wurde bereits ein Kupferstich von Andreas Strasser gefertigt. "Er war eigentlich Kupferschmied, wurde kurzfristig und auf die Schnelle für die Anfertigung des Kupferstiches beauftragt, weil wohl ein repräsentatives Geschenk für die Gäste des Kloster gebraucht wurden", so Töpler. Wohl wegen der schnellen Fertigung wurden Details einfach weggelassen, die auf späteren Stichen wiederzufinden sind, wie in einer Ansicht aus dem Jahr 1775. Die original Kupferplatte hat Töpler in Hamburg gefunden, in Familienbesitz der Nachfahren von Strasser. Die einzige barocke Innenansicht des Neuzeller Klosters hat Johann Georg Seyfried im Jahr 1752 auf einer Druckplatte festgehalten.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Neuzeller Atlas gedruckt. Ansichten von West, Süd, Nord und Ost waren daran enthalten. "Details wurden festgehalten. Allerdings dürfte es in Neuzelle nicht so viele Häuser in dieser Zeit gegeben haben", versichert Winfried Töpler. Das sei aber auch der künstlerischen Freiheit der Maler zuzuschreiben. "Viele Details wurden verändert oder ganz weggelassen."

Viele Jahre bilderlos

Lange Jahre lang gab es keine Bilder vom Neuzeller Kloster. "Erst im Jahr 1828 tauchte es in einer Lithografie und auf Zeichnungen von Friedrich-August Schmidt (1840) wieder auf. "Darauf sind noch die alten Kirchtürme zu sehen, die erst nach 1860 saniert wurden", erklärt Töpler.

Die letzte Darstellung des Kloster Neuzelle vor dem Brand 1892 stammt aus dem Jahr 1869 von Adolf von Menzel. Er fertigte ausschließlich Skizzen vom Kloster und Neuzelle.

"In all den Jahren des Bestehens des Klosters Neuzelle wurden vor allem Wirtschaftsgebäude immer wieder massiv verändert, was auch in den Darstellungen zu sehen ist." Trotzdem: Die Richtigkeit der Zeichnungen und Drucke aus den früheren Jahrhunderten könne bis heute nicht bestätigt werden, bekennt Archivar Töpler.