Von Ute Richter

Freitagabend Klosterkirche Guben – der Altarraum ist in blau-rotes Licht getaucht. Sinfoniker spielen ein Stück aus „Die Csardasfürstin“. Doch wer denkt, es handelt sich um ein klassisches Konzert, der irrt. Der einstige Six-Frontmann Stefan Krähe und seine Band machten in Guben Station unter dem Motto „Rock meets Classic“. Und das kam an.

Obwohl sich auf den Plakaten der Stadt, die auf dieses Konzert hinwiesen, gleich zwei Fehler hinsichtlich des Termins eingeschlichen hatten, kamen die echten Krähe-Fans nicht nur aus Guben, sondern aus allen Teilen des Spree-Neiße-Kreises, aus Frankfurt/Oder, aus Weißwasser, aus Berlin, ja sogar aus dem ­Erzgebirge. Davon zeugten die Nummerschilder auf dem Parkplatz. Für Frontsänger Stefan Krähe ist das keine Überraschung, reisen doch viele seiner oftmals weiblichen Fans immer mit der Band mit.

Das „Rock meets Classic“-Projekt ist eine Herzensangelegenheit von Krähe, wie ihn seine Fans liebevoll nennen. „Es gab mal ein Konzert der Leipziger Sinfoniker mit Six. Weil ihnen meine Musik gefiel, kam es dazu, dass sich ein Streichquintett gefunden hat, mit dem wir gerne unsere ,Klassik trifft Rock’-Konzerte zusammen gestalten“, erzählt der Musiker.

Es gebe viele Möglichkeiten, seine Musik vorzustellen und jede sei für sich genommen  spannend. „Egal ob Kneipenkonzert, auf der Festmeile am Brandenburger Tor vor 500 000 Menschen, beim Stadtfest, unplugged oder mit einem klassischen Orchester – Musik muss bewegen, ansonsten ist es für mich Fahrstuhlmusik“, so Stefan Krähe. „Mit einem klassischen Orchester kann man die Musik noch wesentlich emotionaler rüberbringen.“

Doch nicht nur die Art und Weise der Musik, auch der Veranstaltungsort in Gotteshäusern ist für die Musiker speziell. Die erhabene Atmosphäre beispielsweise in der Gubener Klosterkirche, gepaart mit einem Mix aus Rock- und klassischer Musik, macht diese Konzertreihe so besonders. „Es ist für uns sehr angenehm, in den Kirchen zu spielen, zumal wir viel Wert auf unsere Texte und den Inhalt legen“, so Krähe. Die Aufmerksamkeit sei bei seinem Publikum sehr hoch. Und das kommt nicht von ungefähr. Der Musiker schreibt seine Songs selbst, macht Lieder über das, was ihn bewegt.

Eigens für diese Konzertreihe wurden Stücke ausgewählt, die sie nur mit einem Orchester spielen. Songs aus dem Six-Repertoire wie „Keine Wunder“ oder „Wärst du noch hier“, aber auch vom neuen Krähe-Album „Offene Wunden“ den Song „Bis zum nächsten Mal“. Geprobt hat die Band mit dem Streichquintett der Leipziger Sinfoniker viel. „Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Band noch ziemlich neu ist und wir ziemlich viele und unterschiedliche Konzerte spielen“, erzählt  Krähe von den Vorbereitungen zur Tour.

Dass die Proben sich auf jeden Fall gelohnt haben, bewies das Konzert in der Klosterkirche am Freitagabend. Vom ersten Ton an sangen die echten Fans die Lieder mit. Dabei wurde die Klosterkirche ein bisschen zum Konzertsaal – da wurde gesungen, getanzt, geklatscht und am Ende lang anhaltend applaudiert und gepfiffen vor Anerkennung.  Vor allem die ruhigen Lieder, die oftmals einen sehr persönlichen Bezug zum Sänger haben, kamen an. Lieder für seinen Sohn, seine Mutter oder für einen Freund, die sehr melancholisch und tiefgründig sind, getaucht in ein besonderes Lichtkonzept – diese Konzert-Momente gingen ans Herz.  „Ich mache Musik, um die Menschen zum Nachdenken anzuregen und ein bisschen auch, um die Welt zu verändern“, sagt Stefan Krähe. Und natürlich auch, um selbst Erlebtes zu verarbeiten. Die Geburt seines Sohnes hat ihn verändert, sagt er selbst.

Für Lisa, Juliane und Marie aus Cottbus hat sich die Reise an die Neiße auf jeden Fall gelohnt. Sie sangen und tanzten das ganze Konzert über mit. Und auch der gefühlt komplette Fanclub in der ersten Reihe war jederzeit textsicher.

Die Musiker bedankten sich bei Kirchenmusikdirektor Hansjürgen Vorrath für die Öffnung des Gubener Gotteshauses für dieses Konzert. „Die Akustik in der Klosterkirche ist einfach toll. Das ist nicht überall so“, sagte Stefan Krähe.