Noch herrscht Stille in der Arena in Potsdam. Doch das wird sich schnell ändern. Musikschulleiter Andreas Zach und Gàbor Miklós, als Hausmeister bei der Stadt Guben beschäftigt, schieben Wagen mit Instrumenten in die riesige Mehrzweck-Sporthalle im Sportpark Luftschiffhafen in Potsdam.

Am frühen Morgen hatten sie alles vor Schloss Boitzenburg in den Lkw verladen, denn dort trafen sich alle Bläserklassen des Landes Brandenburg für vier Tage zu einem gemeinsamen Probenlager. Zum  Abschluss wird das große Konzert in Potsdam gegeben. Der Gubener Musikschulleiter weiß aus Erfahrung, dass rechtzeitiges Kommen immer gute Plätze für die Kinder bedeutet, denn die Gubener sind alte Hasen im Projekt „Klasse: Musik für Brandenburg“.

Insgesamt haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 12 000 Kinder vom Programm „Klasse: Musik“ partizipiert. Die Mädchen und Jungen der Bläserklassen besuchen Schulen im Land, die an dem Programm teilnehmen, und lernen über zwei Jahre ein Blasinstrument im regulären Musikunterricht. Jeweils eine Lehrkraft der Schule und der Musikschule leiten im Tandem diesen erweiterten Musikunterricht.

Im September 2011 hatte die Musikschule Guben mit einer Klasse an der Corona-SchröterGrundschule begonnen. Das Unterrichtstandem bildeten Regine Wächtler-Richter als Musiklehrerin der Grundschule und bis zu diesem Jahr Rainer Pfundstein als Fachlehrer der Musikschule. 2012 startete die zweite Klasse. Zwei Klassen laufen seitdem versetzt über zwei Jahre. 2013 wurden die bereits bestehenden Gitarrenklassen der Friedensschule ebenfalls in zwei Bläserklassen umgewandelt, so dass aktuell vier Klassen mit je knapp 30 Kindern an beiden Grundschulen der Stadt bestehen. Die anfängliche Skepsis der Kinder wandelte sich von Jahr zu Jahr mehr in Begeisterung um, nicht zuletzt wegen des Probenlagers in Boitzenburg samt Abschlusskonzert in Potsdam.

Gegen 10.30 Uhr trudelten die Busse mit den jungen Musikern in Potsdam ein. 420 Mädchen und Jungen aus 17 Schulen in ganz Brandenburg beziehen mit großer Disziplin ihren zugewiesenen Platz in einer der zahlreichen Turnhallen in der Arena. Für die Organisation ist der Verband Musik- und Kunstschulen Brandenburg zuständig und Sophie Müller und ihr Team haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Denn noch nie waren es so viele Kinder wie in diesem Jahr.

Koffer und Instrumente werden abgelegt und die Mädchen und Jungen betreten das erste Mal die Arena, in der sie am Nachmittag vor ihren Eltern und hochrangigen Gästen spielen sollen. Seit Wochen ist das Konzert mit weit über 2000 Besuchern ausverkauft. Viele der Kinder können gar nicht glauben, dass sie bald hier spielen werden.

Stuhlreihen mit der Kennzeichnung der Instrumente stehen für die 420 Kids bereit. Regine Wächtler-Richter instruiert ihre Schützlinge zum Einrichten ihrer Plätze. Kurzes Durchschnaufen. Dann heißt es: Generalprobe. Von Anfang bis Ende wird das Konzert durchgespielt. Alles kennen sie schon von den Proben aus Boitzenburg. Doch dort proben sie aufgrund der Platzkapazität in kleineren Gruppen. Erst am Konzertmorgen fügt sich alles zusammen. Alles klappt prima. Schon hier merkt man: Der künstlerische Leiter Gary Hirche hat die Kinder gut im Griff. Auf beiden Seiten ist pure Freude zu spüren.

Dann geht es los. In der Arena gibt es keinen freien Platz. Die Kinder stellen sich in ihren neuen T-Shirts mit ihren Instrumenten in den Fluren auf. 15 Uhr. Die ersten Töne erklingen. Die kommen in diesem Jahr von den „Young: Oldies“, einem Ehemaligenorchester unter der Leitung von Michael Dittrich, pädagogischer Koordinator der brandenburgischen Bläserklassen und stellvertretender Direktor des Konservatoriums Cottbus. Noch vor wenigen Jahren hatten dessen Mitglieder selbst in den Reihen der Bläserschüler gesessen. Unter großem Applaus nehmen die Mädchen und Jungen ihre Plätze ein und spielen unter der Leitung von Gary Hirche ein grandioses, modernes und kurzweiliges Konzert.

Landesvater Dietmar Woidke (SPD) lässt es sich nicht nehmen ließ, zum Zehnjährigen persönlich zu gratulieren, er würdigt die Erfolgsgeschichte und lobt den Einsatz der Lehrer und Musikschullehrer für die musikalische Erziehung der Kinder. Und bei Titeln wie „YMCA“, „Let´s Rock“ und der Titelmusik von Fluch der Karibik kann auch der Ministerpräsident die Füße nicht mehr stillhalten.