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| 18:14 Uhr

Kerkwitz/Taubendorf
Kohlegegner marschieren weiter

Mehr Unterstützung für den Strukturwandel in der Lausitz und den Verzicht auf neue Tagebaue fordern die rund 250 Kohlekritiker auf ihrer Protestwanderung von Kerkwitz nach Taubendorf.
Mehr Unterstützung für den Strukturwandel in der Lausitz und den Verzicht auf neue Tagebaue fordern die rund 250 Kohlekritiker auf ihrer Protestwanderung von Kerkwitz nach Taubendorf. FOTO: Silke Halpick / LR
Kerkwitz/Taubendorf. Rund 250 Menschen beteiligen sich an Protestwanderung von Kerkwitz nach Taubendorf. Von Silke Halpick

Rund 250 Kohlekritiker haben mit einer Protestwanderung von Kerkwitz nach Taubendorf  am Sonntag auf die durch die Braunkohle verursachten Schäden vor Ort aufmerksam gemacht. Gefordert wurden unter anderem ein größerer Abstand zwischen dem Tagebau Jänschwalde und Taubendorf, eine Schiedsstelle für Bergbauschäden sowie eine stärkere Unterstützung des Bundes beim Strukturwandel in der Lausitz.

„Allein gelassen“ fühlt sich Taubendorfs Ortsvorsteher Jürgen Handreck, wie er auf der Kundgebung betont.  Bereits seit mehr als zehn Jahren liegt sein Dorf am Rand des Tagebaus Jänschwalde. Der Rückgang des Grundwassers, Lärm und Staub, aber auch Risse in Häusern und Straßen gehören bereits heute zum Alltag der Menschen, die hier leben. Doch die Kohlegrube rückt noch dichter ans Dorf. Lediglich 150 Meter soll der Abstand betragen, wenn der Tagebau seine bislang geplanten Ausmaße beibehält.

„Selbst bei Windrädern gilt ein 1000-Meter-Abstand“, sagt Mathias Berndt. Der Pfarrer in Ruhestand gehört zu den Organisatoren der Protestwanderung. Diese soll künftig die Tradition der Sternmärsche in der Gemeinde Schenkendöbern fortführen. „Das Ziel der Sternmärsche, den Tagebau Jän­schwalde-Nord zu verhindern, haben wir ja erreicht“, betont er.

An das denkwürdige Datum erinnert auch Schenkendöberns Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) in seiner Rede. Die Vorstellung des neuen Revierkonzeptes der Leag inklusive der Verzichtserklärung auf den Tagebau Jänschwalde-Nord am 30. März 2017 hatte in der Gemeinde „riesengroße Freude hervorgerufen“, wie er sagt. „Allerdings haben wir den Tagebau Jänschwalde direkt vor der Tür“, so Jeschke.

Vor allem das Thema Grundwasser beschäftigt die Menschen vor Ort. Viele der Seen in der Region haben in den vergangenen Jahren Wasser eingebüßt. „Dass der Pinnower See zwei Meter an Höhe verloren hat, ist eine Katastrophe“, sagt Jeschke. Nach Einschätzung von Umweltministerium und Landesamt für Umwelt soll dafür auch die Grundwasserabsenkung im Tagebau Jänschwalde verantwortlich sein. Die Leag als Tagebaubetreiber weist diese Vorwürfe allerdings nach wie vor zurück.

„Der Tagebau Jänschwalde wurde auf Grundlage falscher Annahmen und Versprechen genehmigt“, sagt René Schuster von der Umweltgruppe Grüne Liga. Er kritisiert in Taubendorf, dass „zu keinem Zeitpunkt“ eine Umweltverträglichkeitsprüfung zur Grundwasserabsenkung durchgeführt wurde und kündigt rechtliche Schritte gegen den Tagebau an.

Als einen „unerträglichen Zustand“ bezeichnet die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky (Grüne) aus Jänschwalde, dass in Brandenburg die Menschen bei der Auseinandersetzung um bergbaubedingte Schäden noch immer „völlig allein“ gelassen werden. Sie fordert, endlich eine entsprechende Schiedsstelle einzurichten, wie es sie in Nordrhein-Westfalen bereits seit vielen Jahren gebe.

Eine stärkere Unterstützung des Bundes beim Strukturwandel in der Lausitz und beim sozial-verträglichen Kohleausstieg fordert die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (Grüne). Es brauche aber auch „solche Geschichten wie diese hier in Taubendorf“, sagt sie, um den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen.

Mit der Resonanz bei der ersten Protestwanderung ist Mathias Berndt sehr zufrieden, auch wenn die Teilnehmerzahl weit unter der der traditionellen Sternmärsche mit 500 bis 800 Menschen lag, „Gerechnet hatten wir mit rund 200 Teilnehmern“, sagt er. Angereist waren auch viele Proschimer, die noch immer auf die Entscheidung zum Erweiterungsfeld Welzow-Süd warten, aber auch Kohlegegner aus Cottbus und Berlin.