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Kohlegegner fordern Tagebaustopp

Auch der Ortsvorsteher von Taubendorf Jürgen Handreck (vorn rechts) war beim zehnten Sternmarsch mit dabei. Den Dorfbewohnern steht ein Leben unmittelbar an der Kohlegrube bevor.
Auch der Ortsvorsteher von Taubendorf Jürgen Handreck (vorn rechts) war beim zehnten Sternmarsch mit dabei. Den Dorfbewohnern steht ein Leben unmittelbar an der Kohlegrube bevor. FOTO: Ute Richter/utr1
Grabko. Gegen die drohende Abbaggerung ihrer Dörfer haben am Sonntag wieder zahlreiche Menschen in der Gemeinde Schenkendöbern mit einem Sternmarsch protestiert. Die 800 Teilnehmer fordern von der Landesregierung, dass keine weiteren Tagebaue in der Lausitz mehr genehmigt werden. Ute Richter / utr1 mit dpa

Trotz eisiger Temperaturen zogen mehrere Hundert Braunkohlegegner aus den Dörfern Atterwasch, Grabko und Kerkwitz zusammen mit Unterstützern aus drei Richtungen zum gemeinsamen Treffpunkt auf einer Wiese am "Alten Schafstall". Moderator und Mitorganisator Steffen Krautz aus Kerkwitz erinnerte in seiner Rede an die Anfänge des Marsches mit zunächst nur 250 Teilnehmern. Zur zehnten Auflage waren es mehr als 800 Menschen gekommen.

Zu Wort meldeten sich in diesem Jahr vor allem Redner aus der Region. Der ehemalige Gemeindepfarrer Mathias Berndt freute sich über die vielen Unterstützer aus nah und fern. "Eigentlich wollten wir nach zehn Jahren schon eine Siegesparty hier feiern", sagte er. Doch noch immer ist nicht klar, ob der Tagebau Jänschwalde-Nord kommt. In diesem Fall müssten rund 900 Menschen aus den Dörfern Atterwasch, Kerkwitz und Grabko umgesiedelt werden. Den Einwohnern von Groß Gastrose und Taubendorf steht ein Leben unmittelbar an Rand der Kohlegrube bevor. Der neue Tagebaubetreiber Leag hatte angekündigt, noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen zu wollen.

Auf ihren Transparenten wandten sich die Sternmarsch-Teilnehmer gegen die Haltung der rot-roten Landesregierung unter Regierungschef Dietmar Woidke (SPD), die ein festes Ausstiegsdatum ablehnt. "Die Lausitz kann mehr als Kohle, Herr Woidke" steht beispielsweise auf den Transparenten. Woidke hatte zuletzt betont, er halte die Braunkohle für notwendig, solange es keine zuverlässige Alternative gebe. Andernfalls führe ein Ausstieg nur zu Stromimporten aus ausländischen Kohle- oder Atomkraftwerken, wenn die Sonne nicht scheine und der Wind eine Flaute habe.

"Wir erwarten von der Landesregierung, dass kein neuer Tagebau Jänschwalde-Nord bei der Überarbeitung der Energiestrategie mehr angestrebt wird", fordert der Kreistagsabgeordnete Andreas Stahlberg aus der Gemeinde Schenkendöbern. Ein neues Kohlekraftwerk Jänschwalde werde nicht mehr kommen, damit habe sich auch der neue Tagebau erledigt. "Auch haben die massiven Steuerrückforderungen des Bergbauunternehmens im vergangenen Jahr gezeigt, dass mit der Braunkohle keine Gewinne mehr zu machen sind", ergänzt er.

Auf einen "Ausstieg nach Plan", hofft Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Bündnisgrünen. "Die Diskussionsbereitschaft hat sich verändert", sagte er. Er setze darauf, dass die Grünen mit der Bundestagswahl an der Regierung beteiligt würden und es dann ein klares Ausstiegsszenario gebe. "Die Weltgemeinschaft hat sich auf der Klimakonferenz in Paris zum Ende von Kohle, Öl und Gas bekannt. Das gilt auch für Brandenburg", sagte Grünen-Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock.

Der Gubener Pfarrer Dschin-u Oh machte auch aufs Reformationsjahr aufmerksam. "Die Energiewende ist die Reformation heute", sagte er. Anna Dziadek, Vorsitzende der polnischen Bürgerinitiative gegen neue Tagebaue, bedankte sich für die große Unterstützung von deutscher Seite. Die zuständige polnische Behörde hatte im August 2016 das Genehmigungsverfahren für den geplanten Tagebau Gubin-Brody ausgesetzt, weil noch notwendige Unterlagen vom Betreiber ausstehen. Bei vielen Kohlegegnern sorgte das für großen Jubel. "Das haben wir nur mit eurer Hilfe geschafft", betonte Dziadek.

Zum Thema:
Der Sternmarsch von den bedrohten Braunkohleorten Kerkwitz, Atterwasch und Grabko hin zum "Alten Schafstall" findet bereits zum 1zehnten Mal statt. 2007 erfuhren die Bewohner der betroffenen Orte, dass die Landesregierung und Vattenfall ihre Abbaggerung planen - entgegen früheren Versprechen der Politik. Noch immer herrscht Ungewissheit über die künftigen Pläne, auch wenn es bereits einen neuen Eigentümer gibt.