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| 19:44 Uhr

Kohlegegner diskutieren zu Ausstieg

Gute Stimmung im Lausitzcamp: Rund 30 Teilnehmer haben ihre erste Nacht im Zeltlager bereits hinter sich.
Gute Stimmung im Lausitzcamp: Rund 30 Teilnehmer haben ihre erste Nacht im Zeltlager bereits hinter sich. FOTO: S. Halpick
Groß Gastrose. Das 5. Lausitzer Klima- und Energiecamp in Groß Gastrose nahe Guben ist eröffnet. Kohlekritiker wollen bis Sonntag über den Strukturwandel in der Lausitz diskutieren. Geplant sind Vorträge und Workshops. Höhepunkt ist eine Protestaktion vor dem Kraftwerk Jänschwalde. Silke Halpick

Die ersten zehn Zelte stehen bereits am Mittwochmorgen auf dem umzäunten Areal des Sportplatzes in Groß Gastrose. Auf dem Frühstückstisch stehen noch Sojamilch-Tüten und benutztes Geschirr. Das Organisationsteam diskutiert darüber, wer sich um den Müll kümmert und wo Raucher-Ecken eingerichtet werden. Am späten Nachmittag kommen die nächsten Campteilnehmer am drei Kilometer entfernten Bahnhof in Kerkwitz an.

Mit insgesamt 200 Übernachtungsgästen rechnet Camp-Pressesprecher Marvin Kracheel in den kommenden Tagen. Der Industriedesigner aus Halle (Sachsen-Anhalt) bezeichnet sich selbst als "unorganisiert", weil er weder ein Parteibuch trägt, noch sich vor den Karren eines Umweltverbandes spannen lassen will. Zum Lausitzcamp stieß er vor einigen Jahren, als er sich mit CCS als mögliche Technologie zur Kohlendioxid-Abscheidung und -speicherung beschäftigte. "CCS dient den Kohlekraftwerken nur, um weiterzuarbeiten", sagt er heute.

Der Kampf gegen neue Braunkohletagebaue ist das Grundanliegen des Lausitzer Klima- und Energiecamps, das nunmehr bereits seine fünfte Auflage erlebt. Im Fokus des Treffens steht diesmal der Strukturwandel in der Lausitz. "Wir wissen, dass es den Ausstieg aus der Braunkohle nicht von heute auf morgen gibt. Doch wir müssen ihn planen", so Kracheel.

Als "inhaltlichen Schwerpunkt" sieht er deshalb auch die Podiumsdiskussion am Freitagabend. Daran beteiligen sich Katharina Heinbach vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und Mitverfasserin der Studie "Vattenfalls Chance. Eine Zukunft für die Lausitz ohne Braunkohle", Dr. Tadzio Müller vom Institut für Gesellschaftsanalyse, die polnische Kohlekritikerin Anna Dziadek und Andreas Stahlberg von der Gemeinde Schenkendöbern. Moderatorin ist die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky (Grüne). Der Vattenfall-Betriebsrat hat seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.

"Schade" sagt dazu Andreas Stahlberg, der bei der Gemeinde Schenkendöbern für tagebaubedingte Sonderaufgaben zuständig ist. Er hätte sich eine "sachliche Diskussion" über die Grenzen der Interessenverbände hinweg gewünscht. "So bleiben die Kohlekritiker wieder einmal unter sich", begründet er.

Die Gemeinde Schenkendöbern freut sich seinen Angaben zufolge, schon zum zweiten Mal Schauplatz des Klimacamps zu sein. "Dadurch werden auch unsere Probleme bekannter", so Stahlberg. Die Gemeinde ist von den Plänen für den Tagebau Jänschwalde-Nord bedroht. Sollte dieser kommen, müssten Kerkwitz, Atterwasch und Grabko mit rund 800 Bewohnern umgesiedelt werden. Den Groß Gastrosern stünde ein Leben unmittelbar am Tagebaurand bevor.

Unter dem Motto "Coal kills" (Kohle tötet) steht auch die Protestaktion vor dem Kraftwerk Jänschwalde am Samstag. Die Teilnehmer werden ein Bild in Form eines Totenkopfes bilden, der die Gesundheitsgefahr und Klimaschädlichkeit der Braunkohle symbolisiert. Erwartet werden Vertreter der Klinger Runde, Greenpeace-Aktivisten sowie Teilnehmer der Tour de Natur, die bereits zwei Wochen quer durch Deutschland radeln.

www.lausitzcamp.info

Zum Thema:
Donnerstag11 Uhr Bericht zur aktuellen Situation in der Lausitz14.30 Uhr zwei Workshops: Fracking und CCS in Europa oder Billige Kohle für Deutschland18.30 Uhr Traditionelles Fußball-FreundschaftsspielFreitag14.30 Uhr zwei Workshops: Reden über Klimawandel oder "Ende Gelände!" und der Rheinische Kohlewiderstand18 Uhr Begrüßung der Tour de Natur20 Uhr Podiumsdiskussion "Strukturwandel in der Lausitz"Samstag11.30 bis 16 Uhr Protestaktion vor dem Kraftwerk Jänschwalde20 Uhr Aufführung des Dokumentarfilms "Auf der Kippe"Sonntag10.30 Uhr deutsch-polnischer Gottesdienst