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| 02:39 Uhr

Kohlegegner campieren demnächst in Gastrose

Rund 7500 Menschen hatten beim vorigen Klimacamp mit einer acht Kilometer langen Menschenkette von Kerkwitz ins polnische Grabice am 24. August gegen die Erschließung neuer Braunkohlentagebaue protestiert. Auch in diesem August ist eine große Aktion geplant.
Rund 7500 Menschen hatten beim vorigen Klimacamp mit einer acht Kilometer langen Menschenkette von Kerkwitz ins polnische Grabice am 24. August gegen die Erschließung neuer Braunkohlentagebaue protestiert. Auch in diesem August ist eine große Aktion geplant. FOTO: dpa
Groß Gastrose wird in zwei Wochen zur Hochburg der Umweltaktivisten und Tagebaugegner: Vom 5. bis 9. August findet das 5. Lausitzer Klima- und Energiecamp statt. Die LAUSITZER RUNDSCHAU sprach vorab mit Mitorganisator Marvin Kracheel über das Programm, Gäste aus zahlreichen Nationen und eine geplante Protestaktion am Kraftwerk Jänschwalde.

Herr Kracheel, wie sieht das Programm bei der 5. Auflage des Camps konkret aus?
Das Programm wird wieder vielfältig, unterhaltsam und informativ werden. Es wird Workshops über Kohleimporte, den Klimawandel, die CCS-Technologie und Fracking geben. Verschiedene Aktionen finden unter anderem in Cottbus vor der Vattenfall-Zentrale und der IG BCE statt. Wir werden den neuen Dokumentarfilm "Auf der Kippe" zeigen. Interessant dürfte aber auch die Podiumsdiskussion über den Strukturwandel werden, zu der unter anderem der Gesamtbetriebsrat von Vattenfall eingeladen wurde.

Beim letzten Camp in Kerkwitz gab es eine internationale Menschenkette mit knapp 8000 Leuten - gibt es auch diesmal einen ähnlichen Höhepunkt?
Am Samstag, dem 8. August, wird es eine große Protestaktion vor dem Kraftwerk Jänschwalde geben. Die Aktion steht unter dem Motto "Coal kills" (Kohle tötet) und wird gemeinsam mit Greenpeace und der Tour de Natur organisiert. Alle Teilnehmer werden ein Menschenbild in Form eines Totenkopfes formen, der als Symbol für die Gesundheitsgefahren und Schädlichkeit der Kohleverstromung für das globale Klima steht.. . sicher auch das Hauptanliegen der Camp-Organisatoren?
Wir fordern, kein Land mehr für Kohle. Das heißt, es darf keine neuen Tagebaue beziehungsweise Erweiterungen mehr geben. Braunkohle ist eine Vergangenheits-Technologie. Der Abbau und die Verstromung von Kohle vernichtet die lokale Umwelt, vertreibt Menschen, ist gesundheitsschädlich und zerstört das globale Klima. Insbesondere Brandenburg trägt hier Verantwortung und muss endlich handeln.

Aber hinter vorgehaltener Hand bezweifeln Experten, dass Jänschwalde-Nord überhaupt noch kommt und Kerkwitz, Grabko und Atterwasch folglich nicht abgebaggert werden.
Zurücklehnen können wir uns dennoch nicht. Die Kohlelobby wehrt sich mit allen Kräften gegen einen Kurswechsel in der deutschen Energie- und Klimapolitik.

Die brandenburgische und sächsische Landesregierung setzen sich weiterhin für neue Tagebaue ein, anstatt endlich den Strukturwandel anzupacken. Energiewende und Kohleausstieg kommen nicht von allein, darum machen wir weiterhin Druck.

Welche Forderungen leiten sich aus der aktuellen Schwebe-Situation in der Lausitz für das Klimacamp ab?
Alle wissen, dass es den Ausstieg aus der Kohle geben wird. Nicht umsonst will Vattenfall seine Kohlensparte möglichst schnell verkaufen. Dieser Ausstieg und der damit einhergehende Strukturwandel in der Lausitz müssen aber langfristig geplant werden. Hier sehen wir die Politik in der Verantwortung, endlich zu handeln. Außerdem soll sich Vattenfall durch den Verkauf nicht aus der Verantwortung stehlen. Mit der Ausbeutung der Lausitz wurde viel Geld verdient, die Folgekosten aber sollen auf uns Steuerzahler abgewälzt werden.

Und was sagen die Einwohner zum Camp?
Obwohl die Lausitz bei der Kohlefrage oft tief gespalten scheint, sind unsere Erfahrungen mit den Einwohnern durchweg positiv. Wir werden bei der Camp-Vorbereitung tatkräftig unterstützt und als offene Plattform zum Meinungsaustausch und vernetzen genutzt. Das Camp gibt ihnen Zuversicht, die Lausitz als eine lebenswerte Region für die nächsten Generationen zu erhalten. Sie erkennen, dass sie nicht alleine dastehen und dass Braunkohle nicht nur ein regionales Thema ist, sondern auch national und international relevant ist.

Zuletzt untersagte das Amt Peitz das Plakatieren für das Klimacamp - wo ist noch mit Gegenwind zu rechnen?
Mit fragwürdigen Methoden wie beim Amt Peitz oder zerstörten Plakaten muss immer gerechnet werden. Wir sind aber friedliche Bürger mit einem engagierten Anliegen und werden unser Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit weiterhin wahrnehmen. Natürlich gehen wir davon aus, dass wir auch dieses Jahr wieder unter der permanenten Beobachtung des Vattenfall Sicherheitsdienstes stehen werden. Wir lassen uns jedoch nicht einschüchtern. Wie viele internationale Gäste werden nach Groß Gastrose kommen?
Wo genau die mehrere Tausend Gäste herkommen werden, kann man kaum vorhersagen. Bei der Menschenkette im vergangenen Jahr waren auf dem Lausitzcamp mehr als 26 Nationen vertreten. Auf jeden Fall werden die polnischen Aktivisten kommen, die sich gegen die Planung riesiger Tagebaue östlich der Neiße zur Wehr setzen. Wir sind gespannt, wie viele Nationen wir in diesem Jahr begrüßen dürfen.

Was muss in den kommenden zwei Wochen noch alles organisiert werden?
Die Planung für das Camp läuft ja schon seit Anfang des Jahres, daher sind die wichtigsten Dinge schon geklärt.

Die nächsten Wochen werden wir vor allem zur Mobilisierung nutzen. Jetzt heißt es Plakate hängen, Flyer verteilen und Öffentlichkeitsarbeit leisten, um die Menschen auf das 5. Lausitzcamp aufmerksam zu machen. Wenn dann noch viele Interessierte aufs Camp kommen, sind wir zufrieden.

Mit Marvin Kracheel

sprach Bernhard Schulz.

www.lausitzcamp.info