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Kleiner Ort feiert großes Jubiläum

Mit der neuen Fahne des Ortes zeigten sich die Staakower zum Ortsjubiläum.
Mit der neuen Fahne des Ortes zeigten sich die Staakower zum Ortsjubiläum. FOTO: Ute Richter/utr1
Staakow. Denn eigentlich sollte es Staakow schon lange nicht mehr geben. 1943 sollte der Ort dem SS-Truppenübungsplatz Lieberose weichen. Ute Richter / utr1

Das Dorf blieb, der Truppenübungsplatz, jahrzehntelang von der Roten Armee genutzt, prägte das Leben in dem noch 47 Einwohner zählenden Dorf lange weiter: Umliegende Wälder und Heide waren Sperrgebiet.

Eine Episode in der 500-jährigen Geschichte von Staakow. Das Örtchen war schon wesentlich größer: 1840 lebten in 19 Häusern 120 Menschen, 1895 hatte der Ort noch 18 Häuser und 113 Einwohner - und eine Fläche von 943,4 Hektar. Heute sind es noch 47 Einwohner. Aber die hatten sich auf das große Jubiläum bestens vorbereitet: Der kleine Ort wurde zu einer Feierhochburg mit vielen Angeboten für die ganze Familie. Alles war frisch gemäht worden, große Schilder wiesen auf den Geburtstag des Ortes hin und das ganze Dorf war am Samstag auf den Beinen. Alte Landwirtschaftstechnik sowie nostalgische Motorräder und Autos aus DDR-Zeiten hatten die Dorfbewohner zu einer kleinen Ausstellung aufgestellt. Feuerwehr und Kleintierzuchtverein Jamlitz präsentierten sich, regionale Händler waren gekommen und die Versorgung wurde komplett von Staakower oder angrenzenden Unternehmen übernommen. Bullenreiten, Traktorpulling, Bogenschießen, ein Nostalgiekarussell und eine Hüpfburg waren zusätzliche Angebote, vor allem für Familien. Die Gruppe "Nanunanas" aus Guben machte Stimmung am Nachmittag. Ein Höhepunkt war am Abend zweifelsohne der Festtanz mit der Liveband "Na Und", die das Festzelt zum Kochen brachten. Am Sonntagvormittag endeten die Feierlichkeiten mit einem zünftigen Frühschoppen.

Extra für das Jubiläum hatte Klaus Weland eine Fahne entworfen und anfertigen lassen. "Ich freue mich sehr, dass heute so viele Besucher gekommen sind, um mit uns zu feiern", sagte Weland, der dem dieses Jahr gegründeten Verein "Staakower Läuchen" angehört. Dessen 18 Mitglieder haben sich dem Naturschutz am Rande des Naturparks Schlaubetal verschrieben. Denn nach dem Abzug der Roten Armee in 1990er-Jahren prägen Ruhe und Natur das Leben zwischen Lieberoser und Staakower Heide. Das war Jahrzehntelang anders, erinnert sich Gerhard und Otto Schneider. Unheimlich sei es gewesen, wenn man in den Wäldern Schüsse vom Schießtraining hörte. Nur hin und wieder habe sich ein Soldat in den Konsum verirrt. Als junge Erwachsene sollten Gerhard und Otto Schneider oft für die Soldaten Schnaps kaufen und rauchten auch mal heimlich mit ihnen eine Zigarette. Beide haben als junge Männer Staakow verlassen, kommen aber gern in ihren Heimatort zurück. So ein Fest sei eine gute Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen. "Das ist ja heute auf den Dörfern alles anders als früher. Einst gab es einen Konsum und eine Gaststätte, da traf man sich, da pulsierte das Dorfleben", erinnern sie sich. "Die Zeiten sind in vielen Dörfern und auch hier leider vorbei."