Der Entwurf über eine Landesverordnung, die das Krayner Teichgebiet vom Landschafts- zum Naturschutzgebiet machen soll, wird in der Region kontrovers diskutiert. Die Peitzer Edelfischer beklagen damit einher gehende höhere Naturschutzauflagen. Zudem breite sich der Biber aus und sorge für deutlich höhere Bewirtschaftungskosten (die RUNDSCHAU berichtete). Die geschützte Tierart hat auch die Angler am Wilschwitzer See verärgert. Naturfreund Werner Fuchs sagt dagegen, das Naturschutzgebiet Krayner Teiche/Lutzketal (NSG) sei zu befürworten. So laute auch die Stellungnahme der Gubener Ortsgruppe im Landesverband des Bundes für Natur und Umwelt Deutschland. „In der Vergangenheit wurden Dinge getan, die das Umfeld geschädigt haben“, stellt Werner Fuchs fest. Beispielsweise sei im Frühjahr das Teichwasser abgelassen und damit der Amphibienlaich vernichtet worden. Seltene Erd- und Knoblauchkröten seien auf dem Areal heimisch. Die Absperranlagen der Teiche seien teilweise defekt und würden nicht instandgesetzt. Die oberen Teiche hätten kaum noch Wasser. Und es gebe keinerlei Anstrengungen, das Nass zu halten. „Der Biber ist nur dort, wo Wasser ist“, stellt Werner Fuchs fest. Bei einer effektiven Wasserhaltung kämen Teichwirtschaft und der Biber gut miteinander aus, das Tier sei nicht zu verteufeln, sagt er.

Die angestrebte Verordnung für das Krayner Teichgebiet enthalte viele Kompromisse, „und es ist höchste Zeit, hier Klarheit zu schaffen“, erklärt der Gubener Naturschützer. „Im gesamten Spree-Neiße-Kreis gibt es zwischen 100 und 120 Biberpaare. Bei den hier lebenden Tieren handelt es sich um den Europäischen Biber, der vor zwei Jahrzehnten aus Polen und die Elbe hoch kam und sich wieder in Deutschland angesiedelt hat“, erklärt Waldemar Koslowski. Ein Dutzend Naturfreunde hat er an diesem Samstagmorgen zur Biberwanderung am Wilsch witzer See um sich versammelt. Während der ehrenamtliche Naturschützer eine vom Biber verstopfte Röhre öffnet, die ursprünglich durch seinen Damm gelegt worden war, um den Abfluss des Wassers zu garantieren, berichtet er: „Zuerst steckt der Biber allein mit der Kraft seines Maules Äste in die Erde und holt dann kleineres Laubwerk und Dreck, um alles auszustopfen. Wenn er damit fertig ist, kommt da kein Tropfen Wasser mehr durch.“

Dass den Anglern am Wilsch witzer See durch das hoch gestaute Wasser die Fische abhanden kommen, hält Waldemar Koslowski für unwahrscheinlich. „Mit Ausnahme des Aals können keine größeren Fische aus dem See entkommen, dafür staut der Biber nicht hoch genug an.“ Ein Konkurrent für die Angler sei der tierische Baumeister ohnhin nicht, da er sich rein vegetarisch ernähre. „Ich habe in meiner ganzen Zeit als Naturschützer noch nie gehört oder gelesen, dass ein Biber Fische frisst. Dafür käme höchstens der Fischotter in Frage“, erklärt er.

Dass die Dämme der Nager oft für überflutete Wiesen und Ackerflächen sorgten und damit zu einem ernsthaften Problem für die Landwirtschaft würden, sei ihm bewusst. Trotzdem gibt der Rentner, der sich seit nunmehr 30 Jahren für den Naturschutz einsetzt, zu bedenken: „Der Biber steht unter strengem Artenschutz. Zerstört werden dürfen die Dämme des Bibers nicht, ein Rückbau ist bei entsprechender Genehmigung durch die Naturschutzbehörde jedoch möglich. Wenn der Damm dann am nächsten Tag vom Biber wieder aufgebaut ist, hat der Eigentümer des Gewässers Pech gehabt.“ Wenn die Eingriffe des Bibers überhand nähmen, gebe es immerhin die Möglichkeit einer Umsiedlung, führt Waldemar Koslowski an. „Stört er zuviel, wird er bei entsprechender Anweisung durch die Behörde weggefangen und nach Polen oder Rumänien geschafft. Inzwischen haben die Niederlande einen Antrag an Deutschland gestellt. Sie wollen die bei sich ausgerotteten Biber wieder ansiedeln.“ Eine andere Option, das nachtaktive und scheue Tier loszuwerden, gebe es nicht, so der Naturschützer. Denn natürliche Feinde habe der Biber keine, abgesehen vom Seeadler, der Jungtiere forttragen könne.

Irene Nitschke (67) und Angelika Melzer (62) zeigen sich begeistert von der fachkundigen Führung Waldemar Koslowskis, die einmal mehr dazu beigetragen habe, dass sie nun mit anderen Augen auf die Natur schauten. „Wir sind Naturfreunde, fahren viel Rad und beobachten oft Vögel und andere Tiere“, erklären die Rentnerinnen ihr Interesse an der Wanderung. „Wir finden, dass der Biber ein faszinierendes Tier ist.“ kho