Wenn die Ensemble der Gubener Klosterkirche in diesem Sommer zur traditionellen Chorreise aufbrechen, dann könnte dies gleich im doppelten Sinne eine denkwürdige Tour werden. Zum einen, weil es die inzwischen 50. Chorreise ist. Zum anderen, weil es, zumindest in dieser Form, die letzte sein könnte.

„Wir werden die Tour wohl nicht mehr in diesem Umfang durchführen können. Wir werden ihr ein neues Profil geben müssen“, sagt Gubens Kirchenmusikdirektor Hansjürgen Vorrath. Der Grund: Die Organisation der Reise wird zunehmend schwieriger, es gibt gleich mehrere Probleme.

Kein Busunternehmen für Bulgarien gefunden

Da wäre zum einen die Frage, wer überhaupt in die Reisebusse einsteigt. Speziell beim Chor-Nachwuchs sieht die Lage angespannt aus. Während es jahrzehntelang zwei Kindergruppen gab, die gemeinsamen Chorgesang übten, ist es in diesem Jahr nur noch eine Gruppe mit etwas mehr als zehn Mädchen und Jungen. „Wir haben in dieser Hinsicht eine Kooperation mit der Friedensschule, aber in diesem Schuljahr haben sich zumeist andere Kinder für die Arbeit im Chor entschieden, als im vorigen Jahr. Das sorgt dafür, dass man in der Probenarbeit nahezu wieder von vorn anfängt, keine Kontinuität hineinbekommt“, so Vorrath. Und so werden an der Chorreise auch keine Kinder aus Guben teilnehmen, sondern Mädchen und Jungen aus dem benachbarten Forst.

Problem Nummer 2 ist die eigentliche Organisation. Wie schwierig sich die gestalten kann, zeigen die Vorbereitungen der aktuellen Tour. „Eigentlich sollte es dieses Mal nach Bulgarien gehen. Das wäre das 20. europäische Land geworden, das wir bereisen wollten. Im Herbst war schon alles klar mit Auftrittsorten und Übernachtungen. Aber dann haben wir kein Busunternehmen bekommen“, erzählt Vorrath. Der Grund seien in erster Linie rechtliche Fragen gewesen.

70 bis 80 Sänger und Instrumentalisten auf Reise

Und so musste der Kirchenmusikdirektor die Bulgarien-Pläne auf Eis legen. Die diesjährige Tour wird stattdessen durch Deutschland führen. Los geht es am 25. Juli. Über Forst und Schirgiswalde, südlich von Bautzen, führt der Weg der zwei Reisebusse bis nach Aalen in Baden-Württemberg. Den Kontakt dorthin hat die ehemalige Gubener Pfarrerin Elisabeth Rosenfeld hergestellt. Nach der Rückkehr wird es dann am 2. August das traditionelle Abschlusskonzert in der heimischen Klosterkirche geben.

Hansjürgen Vorrath geht davon aus, dass etwa 70 bis 80 Sänger und Instrumentalisten im Sommer die Reise antreten. Aktuell suche er noch nach Orchestermusikern.

32 kirchenmusikalische Veranstaltungen

Neben diesem Höhepunkt bereiten die Ensemble der Klosterkirche aber auch weitere Veranstaltungen vor. So wird für die musikalische Ausgestaltung zu Karfreitag und Pfingsten geprobt, wie auch schon das Programm für Konzerte zum Abschluss des Jahres. Ein Höhepunkt soll am 14. November die Musik zum Kirchenjahresabschluss werden. Chor und Orchester werden an diesem Tag die Uraufführung eines chorsinfonischen Werkes mit dem Titel „Gedankliche Berührungen mit dem Tod“ gestalten. Komponiert hat das rund 35 Minuten lange Werk Hansjürgen Vorrath selbst.

Insgesamt sind für dieses Jahr 32 kirchenmusikalische Veranstaltungen in den Gotteshäusern der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben vorgesehen – also in den Kirchen von Bomsdorf bis Kerkwitz. Ein Höhepunkt soll der 18. April werden. Dann wird in der Klosterkirche die diesjährige Reihe „Musikschulen öffnen Kirchen“ mit einem Konzert der Jungen Philharmonie Brandenburg eröffnet. Und am 14. Juni ist die Neißestadt Gastgeber für die Brandenburger Sommerkonzerte.

Die Ensembles der Gubener Klosterkirche


Zu den Ensembles der Gubener Klosterkirche gehören der Chor der Klosterkirche mit 35 bis 40 Mitgliedern, eine Kindergruppe mit zehn bis 13 Mitgliedern und ein Projektchor, der nur bei bestimmten Veranstaltungen zum Einsatz kommt. Ihm gehören etwa 15 Sänger an, bei denen es sich unter anderem um ehemalige Mitglieder des Klosterkirchenchores handelt. Zudem kommen bei verschiedenen Aufführungen auch die vielfältigen Instrumentalisten eines Orchesters zum Einsatz. Die Ensembles proben seit Januar die Programme für die Aufführungen des Jahres 2020. Wer Lust hat, mitzumachen, kann Hansjürgen Vorrath unter Telefon 0162 5675102 erreichen.