ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:37 Uhr

Gesellschaft
Kirchenchor auf großer Fahrt

Kantor Hansjürgen Vorrath bereitet die Teilnehmer der Konzerttournee bei gestaffelten Probentagen zumindest gesangstechnisch auf die bevorstehende Herausforderung vor.
Kantor Hansjürgen Vorrath bereitet die Teilnehmer der Konzerttournee bei gestaffelten Probentagen zumindest gesangstechnisch auf die bevorstehende Herausforderung vor. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Das Ensemble der Gubener Klosterkirche geht mit seinem Programm am Samstag auf Tournee. Von Silke Halpick

Der Anblick ist ungewohnt: Dosensuppen-Großpackungen und  Massenvorräte an Mineralwasser und Limo stapeln sich in der Gubener Klosterkirche. Die Vorbereitungen auf die diesjährige Chorreise laufen auf Hochtouren. Samstag früh um fünf Uhr geht es für die insgesamt 80 Sänger und Instrumentalisten auf große Fahrt. Neun Konzerte in acht Tagen und drei Ländern stehen bei der 48. Auflage auf dem Programm.

Sorge bereitet dem Kantor Hansjürgen Vorrath der Blick aufs Thermometer. „Auch in der nächsten Woche soll es weiter so heiß bleiben“, gibt er zu bedenken. Der Reisebus sei zwar klimatisiert, doch die Massenunterkünfte, in denen traditionell übernachtet wird, nicht. Ob beispielsweise in Quartieren direkt unter dem Dachboden an Schlaf zu denken ist, bezweifelt Vorrath ein bisschen.

Auf ein „Mindestmaß“ will er zumindest die Stellproben vor Ort herunterfahren. Abstriche beim Programm, zu dem ganz neu eine achtstimmige Mendelssohn-Motette sowie eine Motette im Jazzstil gehören, seien ebenfalls nicht undenkbar. Im Notfall will Vorrath auf das Standardrepertoire des Ensembles zurückgreifen, das sakrale Gesänge Alter Meister sowie Arrangements christlicher Popularmusik umfasst.

Bereits seit 1990 ist das Gubener Klosterkirchen-Ensemble in wechselnder Besetzung jährlich auf Konzerttournee. Gastspiele gab es schon in Lettland, Litauen, Russland, Ungarn, Italien, Frankreich, Spanien, Schweden, Norwegen und in der Schweiz. Diesmal führt die Tournee durch Deutschland, Tschechien und Österreich.

Das Auftaktkonzert gibt es bereits am Samstagabend in der St. Johanniskirche in Plauen (Sachsen). Auf den Auftritt in der Mazocha-Höhle bei Brno (Brünn/Tschechien) freut sich Vorrath ganz besonders. „Dort herrschen nur acht Grad Celsius“, begründet er. Tradition ist auch das Abschlusskonzert in der Gubener Klosterkirche.

Ältester Tour-Teilnehmer ist der 78-jährige Hartmut Schütze, der bisher „bei fast allen Fahrten“ mit dabei war, wie er gut gelaunt erzählt. Der Arbeit wegen habe er 1994 seiner Heimatstadt Guben den Rücken gekehrt, fühle sich ihr aber immer noch „verbunden“. Das heiße Wetter schreckt den Rentner nicht ab. Sorgen macht er sich vielmehr um die eigene Text- und Gesangssicherheit. Dem Auswärtigen fehlen die regelmäßigen Proben.

Den straffen Tourzeitplan sieht hingegen Elisabeth Engwicht als Herausforderung. Sechs Uhr ist Wecken angesagt, Nachtruhe oft erst 23 Uhr. Die Forsterin leitet den Kinderchor der evangelischen Gemeinde in der Nachbarstadt und nimmt erstmals mit 13 Kindern im Alter von acht bis elf Jahren teil. Dass Chor und Orchester gemeinsam auf Tournee gehen, kenne sie so nicht. „Das hat mich  gereizt“, gibt sie zu.

Zu den  erfahrenen Tourneeteilnehmern gehört die 18-jährige Victoria Beck. An Barcelona erinnert sie  sich beispielsweie immer wieder gern, wie sie sagt. Solche Weltmetropolen mit den eigenen Augen zu sehen, sei schon toll. Allerdings gefällt der Abiturientin am besten das gemeinsame Miteinander auf den Chorreisen. Wohin es geht, sei deshalb eigentlich zweitrangig.