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| 01:23 Uhr

Kino "Friedensgrenze" bleibt vorerst Party-Zone

Carsten Geilich bei einer Stippvisite im einstigen Kino. Der “Fabrik„-Chef ist enttäuscht über die Entwicklung des Hauses.
Carsten Geilich bei einer Stippvisite im einstigen Kino. Der “Fabrik„-Chef ist enttäuscht über die Entwicklung des Hauses. FOTO: ten1
Guben. Die Zukunft des ehemaligen Filmtheaters „Friedensgrenze“ ist ungewisser denn je. Fest steht nur, dass im Haus an der Karl-Marx-Straße in diesem Jahr drei Diskos veranstaltet werden sollen, die erste am Ostersamstag. Längerfristige Pläne gibt es offiziell nicht. Von Thomas Engelhardt

Für Lutz Bulda gibt es derzeit viel zu tun. Schließlich sind es nur noch drei Tage, ehe am Samstag im einstigen Kino die nächste Disko unter dem Motto "Einfach nur feiern!" steigen soll. Seit Montag hat Bulda, der Veranstalter der Party, grünes Licht von der unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises, die bei einer Begehung die Sicherheit im Haus unter die Lupe nahm. "Die Veranstaltung ist genehmigt, aber Herr Bulda hat mehrere Auflagen zu erfüllen", sagt Silvia Friese, Pressesprecherin der Kreisverwaltung.

Unter anderem müssten genügend Feuerlöscher und für die Sicherheitsbeleuchtung ein Batteriebetrieb zur Verfügung stehen. Für die Kennzeichnung der Fluchtwege müssten zusätzliche Schilder angebracht und die Notausgänge freigehalten werden. Die Genehmigung gilt nur für diese eine Veranstaltung. Bulda plant für dieses Jahr aber drei. "Es soll noch eine im September und eine im Dezember geben", blickt er voraus. Wie es danach weiter geht, sei noch offen.

Und das gilt offenbar auch für das Haus selbst. Noch im März vorigen Jahres hatte Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) im Wirtschaftsausschuss über einen möglichen Kauf und die Wiederbelebung des Hauses gesprochen, um kurz darauf zurückzurudern: Es habe sich nur um einen "ersten Hinweis" gehandelt, ein Kauf der Immobilie, die nach wie vor dem Filmunternehmen Ufa gehört, sei noch in weiter Ferne. Offiziell hat sich an dieser Situation seitdem nichts geändert. "In Sachen Kino gibt's nichts Neues", sagte Stadtsprecherin Susann Winter am Dienstag auf Nachfrage.

Carsten Geilich und Jan Kuberski von der "Fabrik" sind über diese Entwicklung enttäuscht. Aus ihrer Sicht hätte sich das Kino ideal für Veranstaltungen mit bis zu 500 Gästen angeboten - eine Zahl, die von Künstlern und ihren Agenturen oft gefordert werde. "Der Zug ist abgefahren", schätzt Kuberski bei einer Stippvisite ein. Und Geilich ergänzt: "Solche Diskos haben durchaus einen zerstörerischen Charakter." Beide wissen bezüglich eines neuen Betreibers aber auch: "So ein Objekt würde jeden Tag Geld kosten. Der Unterhalt ist das Problem."

"In der Tat sah es hier vor einem Jahr noch besser aus, die Situation ist dramatischer geworden", schätzt Hans-Joachim Hapke ein, der sich im Auftrag der Ufa um die Außenanlagen kümmert und auch die Schlüssel für das Haus besitzt.

Lutz Bulda kontert die Kritik: "Wir haben die Toiletten neu gemacht, Rohre und Fußböden neu verlegt." Doch selbst er schätzt ein: "Auf Dauer tun solche Veranstaltungen dem Haus sicher nicht gut."