Erst Anfang der Woche hatte es interne Gespräche zwischen vier Gubener Fraktionen über einen möglichen gemeinsamen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl gegeben. Gestern folgte nun die formelle Presseerklärung, dass es dazu nicht kommen wird. "Voraussetzung wäre die Parteiunabhängigkeit und ein tragfähiges Programm des Kandidaten, welches mit den Wahlprogrammen der Partei beziehungsweise der Wählergruppen in Übereinstimmung steht", betont Frank Kramer, Fraktionschef bei "Wir Gubener Wähler". Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebe es jedoch nicht genügend Übereinstimmungspunkte, betont er. Im Gespräch war ein Kandidat aus Berlin, der aber offenbar von den drei Gubener Fraktionen als zu SPD-nah eingeschätzt wird. Ob er jetzt ausschließlich für die Sozialdemokraten ins Rennen geht, ist derzeit noch offen.

Fest steht hingegen, dass Kerstin Nedoma zur Bürgermeisterwahl am 26. Juli in Guben antreten wird. Auf der gestrigen Nominierungsveranstaltung im Begegnungszentrum der Volkssolidarität stimmten 21 von 23 anwesenden, wahlberechtigten Parteimitgliedern für die 53-jährige Studiendirektorin und Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung. Zwei enthielten sich der Stimme. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

"Guben hat viel zu bieten. Manchmal mehr, als wir selbst im täglichen Leben erkennen", betont Kerstin Nedoma. Die langjährige Fraktionsvorsitzende der Linken will eine Bürgermeisterin für alle Einwohner der Neiße-Stadt sein, wie sie sagt. "Es kommt darauf an, eine weitsichtige Politik für unsere Stadt zu gestalten. Über die Parteigrenzen hinaus", begründet sie. Zu den Schwerpunkten ihres Wahlprogrammes, das sie an diesem Abend erstmals vorstellte, gehört eine "mittelstandsorientierte Wirtschaftspolitik", um Investitionen zu ermöglichen und ansiedlungsinteressierte Unternehmen zu unterstützen.

Nedoma setzt auf einen ausgeglichenen Haushalt, ohne soziale Verwerfungen und ohne die Stadtentwicklung abzuwürgen. "Die Einführung eines Bürgerhaushaltes wird ein erster Schritt sein", kündigt sie an. Die Sozial- und Bildungsstruktur soll gestärkt, die Kultur- und Tourismuspotenziale sollen ausgebaut werden. Auch gegenüber dem Land will sie Gubens Interessen durchsetzen. Im Fokus stehe hier vor allem die öffentliche Sicherheit in der Grenzstadt.

Die Gubener wählen am 26. Juni 2016 ihren neuen Bürgermeister. Die außerplanmäßige Wahl ist notwendig, weil der ehemalige Stadtchef Klaus-Dieter Hübner (FDP) wegen Untreue und Bestechung verurteilt wurde. Sein Stellvertreter Fred Mahro (CDU), führt seit knapp fünf Jahren die Geschäfte, will aber nicht kandidieren, wie er sagt.