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Kerkwitz ist jetzt steinreich

Zahlreiche Besucher schauten sich am Gedenkstein noch einmal den Film von Peter Benedix an.
Zahlreiche Besucher schauten sich am Gedenkstein noch einmal den Film von Peter Benedix an. FOTO: utr1
Kerkwitz. Am Montag vor genau zehn Jahren kam für Atterwasch, Kerkwitz und Grabko die erschreckende Nachricht: Die drei Dörfer sollen der Kohle weichen. Es folgten Jahre der Ungewissheit, an die seit Montagabend ein Gedenkstein auf dem Dorfplatz in Kerkwitz erinnert. utr1

In der Region hatte sich ein besonders heftiger Widerstand gegen die Tagebaupläne organisiert. Seit Jahren gab es immer wieder im Januar einen Sternenmarsch mit Teilnehmern aus den bedrohten Dörfern dieses Feldes, aber auch Einwohnern aus den anderen Tagebaugebieten. Daran erinnerte auch Mathias Berndt, der als Pfarrer zehn Jahre lang die Einwohner begleitet hatte. Er erinnerte an ihren Kampf, an die breite Unterstützung anderer kohlegeplagter Regionen, an schlaflose Nächte, aber auch an die erlösende Nachricht am 30. März diesen Jahres. "Dieser Gedenkstein erinnert an fast zehn Jahre Leben in Dörfern, für die es keine Zukunft mehr geben sollte - an die geplante Zerstörung durch den Tagebau Jänschwalde-Nord", erklärt Werner Weiche, einer der Initiatoren des Gedenksteines, das Anliegen. Der riesige Findling trägt die Aufschrift "…und niemand soll ihn mehr bewegen".

"Kerkwitz ist jetzt steinreich", so Mathias Berndt. Denn mit dem neuen Gedenkstein findet man mittlerweile ein zweites Mahnmal, das mit der Braunkohle zusammenhängt. An der Kirche in Kerkwitz liegt bereits ein Eckstein der Hornoer Kirche. "Wir sind reich an Erfahrung und deshalb soll dieser neue Stein Touristen und Einwohner gleichermaßen an die ungewisse Zeit, die wir jetzt hinter uns haben, erinnern", so Berndt. "Dieser Stein möge die Politiker daran erinnern, dass sie ihre Versprechen nicht brechen sollen. Und für die Menschen hier soll er Erinnerung sein, dass wir Verantwortung für diese Erde haben."

Unter großem Applaus zitierte Bürgermeister Peter Jeschke aus dem offiziellen Schreiben der Leag, in dem schwarz auf weiß geschrieben steht, dass die drei Dörfer Kerkwitz, Atterwasch und Grabko stehen bleiben. Im Anschluss schauten die zahlreichen Teilnehmer sich noch einmal den Film von Peter Benedix an, der den Weg der vergangenen zehn Jahre dokumentiert hat.