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Keine Abstriche bei Jugendarbeit

Lisa Marie Pfeiffer (l.) und Schwer Sarah Michelle werden in der Holzwerkstatt des Kinder-, Jugend- und Freizeitzentrums (KJFZ) von Cornelia Lieske angeleitet. Das KJFZ ist einer von insgesamt drei Jugendklubs in Guben.
Lisa Marie Pfeiffer (l.) und Schwer Sarah Michelle werden in der Holzwerkstatt des Kinder-, Jugend- und Freizeitzentrums (KJFZ) von Cornelia Lieske angeleitet. Das KJFZ ist einer von insgesamt drei Jugendklubs in Guben. FOTO: S. Halpick
Guben. Überraschende Kehrtwende: Die Stadt Guben hält an der Jugendarbeit im bisherigen Umfang im Comet fest. Die dafür nötigen Mehrkosten in Höhe von 8000 Euro jährlich sollen aus dem Haushalt finanziert werden. Silke Halpick

Aufgestockt wird ab 2018 aber auch wie geplant die Schulsozialarbeit.

"Die Sozialarbeit ist in allen Bereichen wichtig", sagt Berit Kreisig ("Wir Gubener Bürger"/WGB) auf der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend. Die Leiterin der Europaschule begrüßt die vorgesehene Aufwertung der Schulsozialarbeit, verurteilt gleichzeitig aber die Kürzungen beim Jugendklub Comet. Auch WGB-Fraktionschef Frank Kramer warnt davor, von einer guten und gesunden Jugendsozialarbeit "Abstriche zu machen".

Von der Neuausrichtung der Sozialarbeit im Landkreis Spree-Neiße sind gleich drei Jugendklubs in Guben betroffen: der Comet, das Zippel sowie das KJFZ. Ab 2018 sollen hier aus Sicht des Landkreises insgesamt zwei Vollzeitstellen wegfallen, weil die Jugendsozialarbeit dem demografischen Wandel angepasst wird. Das heißt: weniger Jugendliche, weniger Sozialarbeiter.

"Zumutbare Kürzungen" für alle Vereine, wie es der amtierende Bürgermeister Fred Mahro ausdrückt, sieht deshalb ein von der Stadt vorgelegter Entwurf vor. Verteidigt wird dieser auch von den Stadtverordneten Monika Birkholz (FDP) und Christiane Fritzschka (CDU), weil jeder einen "kleinen Beitrag" leiste und damit der aktuellen Situation entsprochen werde.

Gegen die Kürzung im Jugendclub Comet wehrt sich aber der Förderverein für alternative Jugendarbeit und Jugendkultur als Träger. In einem Brief an die Abgeordneten lehnt der Verein die vorgeschlagene Reduzierung der zwei Vollzeit- auf zwei 0,9-Kräfte in seiner Einrichtung ab und bittet die Abgeordneten um Hilfe.

"Alles auf dem Niveau wie bisher zu lassen" und als Stadt das auszugleichen, was der Kreis kürzt, schlägt Frank Kramer vor. Prompt folgt das Veto des Kämmerers Björn Konetzke, der die Mehrkosten auf 8000 Euro jährlich beziffert und gleichzeitig auf den defizitären Haushalt verweist. Trotzdem findet der Antrag bei der Mehrheit der Stadtverordneten Zustimmung. Damit reduziert sich die Zahl der vom Landkreis finanzierten Sozialarbeiterstellen von insgesamt 8,1 auf 7,5 in Guben, gleichzeitig steigt der Anteil der von der Stadt getragenen Stellen von 0,5 auf 1,1.

Auch die Städte Forst und Spremberg sind von der Neuregelung betroffen. "Wir haben alle Verträge gekündigt", sagt Verwaltungsvorstand Sven Zuber in Forst. Ziel der Neuordnung im Bereich Sozialarbeit sei es, dass "alle Säulen erhalten bleiben", das gelte auch für die Streetworkarbeit. Für Zuber sind "alle Optionen offen". Er zeigt sich aber optimistisch, eine gemeinsame Lösung zu finden. Über den aktuellen Stand will die Verwaltung bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung informieren.

In Spremberg hatte es nach Vorlage der ersten Jugendhilfeplanung einen Aufschrei bei betroffenen Vereinen gegeben. Doch die Verwaltung habe ein Konzept, das weder die Trägervielfalt noch die Angebote einschränke, betont Fachbereichsleiter Frank Kulik. Seinen Angaben zufolge steigt die Zahl der vom Landkreis finanzierten Stellen in Spremberg von sieben auf 9,5 und die der Stadt von zehn auf elf.

Zum Thema:
Der Landkreis Spree-Neiße setzt bei der Förderung der Sozialarbeit neue Schwerpunkte. Ab 2018 sollen für Jugend- und Schulsozialarbeit gleich viele Stellen zur Verfügung stehen. Dafür werden im gesamten Landkreis zehn zusätzliche Stellen bei der Schulsozialarbeit geschaffen und 5,5 Stellen bei Jugendarbeit eingespart. Als Grund wird der demografische Wandel genannt. Im Jahr 2020 gab es noch 17 304 Kinder und Jugendliche in Spree-Neiße, 2015 waren es 7175.