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| 15:24 Uhr

Nur Eigentümer kann Klage einreichen
Kein Wasser mehr im Grenzlauch

Manfred Quaal neben dem ehemaligen Steg vom Grenzlauch in Taubendorf. Hier hat er früher geangelt, heute sind alle drei Seen im Ort verlandet.
Manfred Quaal neben dem ehemaligen Steg vom Grenzlauch in Taubendorf. Hier hat er früher geangelt, heute sind alle drei Seen im Ort verlandet. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Taubendorf. Taubendorfer sieht den nahen Bergbau als Ursache für die Verlandung der drei Teiche im Ort. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Für eine kurze Abkühlung bei sommerlichen Temperaturen wie in dieser Woche hatte es Manfred Quaal aus Taubendorf früher nicht weit. „Der Grenzlauch war unser kleines Naherholungsgebiet“, erzählt der 62-Jährige. „Ich habe abends gerne dem Froschkonzert gelauscht oder eine Runde geangelt.“ Das Wasser sei bis Anfang der 90-er Jahre gut 2,5 Meter tief gewesen. „Die Arten- und Pflanzenvielfalt war prächtig“, erinnert sich der Taubendorfer. „Im Grenzlauch gab es damals Karpfen, Hechte und Schleien und der See war sogar als DAV Angelgewässer ausgewiesen.“ An das Schild mit diesem Hinweis kann sich der Taubendorfer noch gut erinnern. „Im Winter sind die Dorfbewohner auf dem See Schlittschuh gelaufen“, so Quaal weiter. Und der Grenzlauch war nicht der einige See in Taubendorf: „Im Wald gab es noch zwei weitere Teiche.“

Heute sind die Bilder aus den Erinnerungen von Manfred Quaal nur noch schwer vorstellbar. Vom Grenzlauch nicht mehr viel übrig. Lediglich ein Steg zeigt an, dass hier früher einmal ein See gewesen sein muss. „Seit Mitte der 90er-Jahre ist das Wasser komplett weg“, sagt Manfred Quaal. „Der Grenzlauch ist mit Beginn des Bergbaus verlandet.“ Wo einst Fische ihre Runden zogen, ragen heute Bäume meterhoch in den Himmel.

„Bisher hat sich keiner um diesen Verlust gekümmert. Nach der Wende hatte jeder andere Probleme und Sorgen“, sagt Manfred Quaal. Diesen Zustand bedauert der engagierte Bürger. Er sieht den Tagebau als klaren Verursacher, schließlich liege der Ort nur 1,5 Kilometer vom Rand des Braunkohletagebaus Jänschwalde entfernt. Im Mai hatte die Leag erstmalig am Pinnower See, Klein-, Groß- und Deulowitzer See einen Bergschaden eingestanden hat, vorher hatte der Bergbaubetreiber eine Mitverantwortung immer zurückgewiesen. Nun muss die Leag neue Brunnen für die ärgsten Lausitzer Sorgen-Seen bauen. Ab dem Frühjahr 2019 soll dann Wasser in die betroffenen Seen fließen. Das Ziel ist es, innerhalb von zwei Jahren in allen Seen die Pegelstände von 2010 zu erreichen.

Aufgrund dieser fast schon historischen Kehrtwende hofft Manfred Quaal nun auf Bewegung – auch in Taubendorf. „Ich möchte in Erinnerung bringen, dass wir hier am meisten vom Tagebau betroffen sind“, sagt Quaal.  Der Einfluss sei nicht von der Hand zu weisen: „Unser Grundwasser ist weg und jedes Jahr verschwindet ein weiteres Stück unserer Heimat.“

Auch Peter Jeschke, der Bürgermeister von Schenkendöbern, kann sich noch lebhaft an einen Grenzlauch voller Wasser erinnern. „Ich bin in Kerkwitz zur Schule gegangen und wir haben uns im Sommer im Grenzlauch öfters abgekühlt“, erzählt Jeschke. Die Gemeinde Schenkendöbern könne allerdings in diesem Fall nichts unternehmen. „Wir sind nicht Eigentümer der Flächen. Mögliche Bergschadensanträge können nur die Eigentümer stellen“, erklärt der Bürgermeister. Er bittet um Verständnis, dass er aus Gründen des Datenschutzes keine Angaben zu den Eigentumsverhältnissen machen kann.

„Es steht auf jeden Fall fest, dass Taubendorf im bergbaulichen Einflussgebiet liegt“, so Peter Jeschke. „Diesen Einfluss müssten die Eigentümer aufzeigen und wie Jens Gebke vor Gericht ziehen.“ Der Taubendorfer hatte von der Leag Ersatz für 19 Obstbäume verlangt, weil die Pflanzen durch das Absenken des Grundwassers abgestorben waren. Das Oberlandesgericht Brandenburg gab Jens Gebke im vergangenen Mai Recht, denn das Bergbauunternehmen hatte in einer Einwohnerversammlung in Taubendorf im August 2008 erklärt, sie würden auch dann den Betroffenen entgegenkommen, wenn unklar sei, worauf mögliche Schäden zurückzuführen sind. Die genaue Hohe der Schadenersatzzahlung ist noch nicht festgelegt. Damit muss sich das Landgericht in Cottbus erneut befassen.

Auch Jürgen Handreck, der Ortsvorsteher von Bärenklau, bedauert es, aktuell nichts für die ehemaligen Seen tun zu können.  „Solange sich keiner darüber aufregt, wird da auch niemand etwas unternehmen“, befürchtet Jürgen Handreck. „Nur die Eigentümer können einen Antrag auf Bergbauschaden stellen und was dabei herauskommt, kann ich nicht sagen.“ Er erinnert sich aber daran, dass Einwohner dieses Problem einmal gegenüber Vattenfall angeführt hätten. Damals sei der Abfall des Wasserstandes in den Taubendorfer Teichen auf den Torf-Stich geschoben wurden.