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Flüchtlinge
Keine Hortbetreuung für Havnd

Horst Wetzel (4.v.l.) mit der Familie Al Ali. Der Gubener kämpft dafür, dass der zehnjährige Havnd (Mitte) in den Hort darf.
Horst Wetzel (4.v.l.) mit der Familie Al Ali. Der Gubener kämpft dafür, dass der zehnjährige Havnd (Mitte) in den Hort darf. FOTO: Halpick
Guben. Familie Al Ali will sich schnell in Deutschland integrieren, aber sie stößt auf Hindernisse. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Der Gubener Horst Wetzel ist Pate für eine syrische Flüchtlingsfamilie. Im Sozial-, Gesundheits- und Gleichstellungsausschuss im Kreishaus will er heute für seinen „Ersatz­enkel“ Havnd Al Ali kämpfen. Der Zehnjährige besucht die Friedensschule in Guben, hat aber noch Probleme mit der deutschen Sprache. „Daher ist es wichtig, dass er in den Hort geht und dort Deutsch spricht“, erklärt Horst Wetzel. Der Antrag auf Aufnahme in den Hort wurde allerdings abgelehnt. „Dabei haben Kinder der fünften und sechsten Schuljahrgangsstufe einen Rechtsanspruch auf den Hort, wenn ihre familiäre Situation oder ein besonderer Erziehungsbedarf die Tagesbetreuung erforderlich macht“, so der Flüchtlingspate.  Dies sei bei der Familie Al Ali der Fall.

„Würden beide Elternteile arbeiten, wäre der Hortbesuch kein Problem“, weiß Horst Wetzel. Aber während Vater Hamza Al Ali täglich zur Uni nach Potsdam fährt, damit seine Qualifikation als Lehrer anerkannt wird, ist die Mutter von Havnd zu Hause. „Sie ist Hausfrau, hat ihren ersten Deutschkurs absolviert und würde gerne weiter unsere Sprache lernen“, sagt Host Wetzel. „Außerdem schaut sie sich gerade nach einem Praktikum um.“ Allerdings kann sie keinen weiteren Deutschkurs besuchen oder in einen Beruf reinschnuppern, solange ihr Sohn nicht im Hort betreut wird.“

Die Familie Al Ali wolle sich in Deutschland integrieren. „Aber es wird ihr schwer gemacht“, findet Horst Wetzel.

Vater Hamza Al Ali ist bewusst, wie wichtig die Sprache für seine Kinder ist. „Zum Erlernen einer Sprache gehört auch ein intensives Sprachtraining, und zu Hause würde mein jüngster Sohn nur kurdisch reden“, legt Hamza Al Ali die Situation dar. „Durch den Besuch des Hortes kann aber eine gute Entwicklung im Sprachstand gefördert und weiter begleitet werden.“ Horst Wetzel will daher den Fall im Sozialausschuss vorbringen und hofft auf die Unterstützung der Integrationsbeauftragen Regina Bellack.  

Die Aufnahme von Havnd in den Hort ist aber nicht der einzige Kampf, den Horst Wetzel für seine siebenköpfige Patenfamilie aktuell ausfechtet. Vor über einem Jahr bemerkte der Gubener außerdem, dass das Jobcenter die Kosten für das Essen im Hort während der Ferienzeiten nicht übernimmt. „Damals waren davon auch noch die älteren Kinder der Al Alis betroffen,“ erklärt Horst Wetzel. Heute wäre von dieser Regelung nur noch Havnd betroffen, sofern dieser bald im Hort angenommen wird.

„Normalerweise werden die Kosten für die Essensversorgung im Hort bis auf einen Euro übernommen“, sagt Horst Wetzel. Die restlichen 2,80 Euro trage das Jobcenter. Es ist ihm unverständlich, warum das Jobcenter während der Ferienzeit keine Kosten übernimmt. „Mit Aufenthaltstitel unterliegen auch die Flüchtlingskinder der Schulpflicht, und zur Schulzeit gehören auch Schulferien“, so der Ehrenamtliche. Doch nicht nur Flüchtlingskinder seien betroffen. „Sondern alle SGB2-Kinder unterliegen dieser Diskriminierung durch die Verantwortlichen“, betont Horst Wetzel.

Beim Jobcenter Spree-Neiße konnte er bisher nichts bewirken. Dem sind die Hände gebunden, da die Voraussetzungen für die Übernahme von Mehraufwendungen bei der Mittagsverpflegung im Sozialgesetzbuch geregelt sind. Demnach erfolgt die Bedarfsbemessung anhand der durchschnittlichen Anzahl der Tage, an denen Schüler an einer Schule  die Leistung in Anspruch nehmen können. Dabei werden nur die „beweglichen Ferientage“ bei der Ermittlung des monatlichen Bedarfs positiv benannt. „Reguläre Ferienzeiten sind damit nicht berücksichtigungsfähig“, erklärt Pressesprecherin Silvia Friese. „Dies bedeutet gleichzeitig, dass in den Ferien die Kosten nicht übernommen werden können.“

Trotzdem will Horst Wetzel nicht aufgeben: „Es kann doch nicht sein, dass in einem solchen Fall nur Dienst nach Vorschrift gemacht wird“, empört er sich.