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| 02:37 Uhr

Kehraus am Gubener Bauhof

Die Kehrmaschine wird auch weiterhin über Gubens Straßen fahren – ab morgen aber nicht mehr im Auftrag des Bauhofs.
Die Kehrmaschine wird auch weiterhin über Gubens Straßen fahren – ab morgen aber nicht mehr im Auftrag des Bauhofs. FOTO: rww1
Guben. Nach jahrelanger Defizitwirtschaft geht nun die Ära Bauhof zu Ende. Trotzdem werden die meisten Mitarbeiter des Eigenbetriebes weiter für die Stadt arbeiten. Die neue Struktur soll deutlich Kosten sparen. Daniel Schauff

Letzter Arbeitstag am städtischen Bauhof - ab morgen wird die Neißestadt ohne Bauhof zurecht kommen müssen. Die Bilanzzahlen des Eigenbetriebs sind so rot, dass die Stadt die Notbremse zieht. Und das, obwohl das vergangene Geschäftsjahr das erfolgreichste seit Langem war. Grund dafür waren die eingeleiteten Konsolidierungsmaßnahmen, sagt Fred Mahro, kaufmännischer Werkleiter des Bauhofs. Die konkreten Zahlen kann er erst nach der Wirtschaftsprüfung vorlegen. "Es ist uns im vergangenen Jahr gelungen, die vorhandenen Kapazitäten nahezu optimal mit Arbeitsaufträgen über das gesamte Kalenderjahr hinweg abzudecken", sagt Mahro. Das Minus am Ende des Jahres gibt es trotzdem - auch wenn es 2015 nicht mehr ganz die 90 000 Euro aus dem Jahr zuvor erreichen wird.

Profitabel war der Eigenbetrieb außer in seinen ersten Jahren nie. Damals, vor rund 15 Jahren, gab es 40 Beschäftigten und ein Umsatzvolumen von 15 Millionen Euro. Mit heute gerade einmal elf Mitarbeitern stünden aber die vom Auftragsvolumen unabhängigen Ausgaben wie Abschlüsse, Buchhaltung oder Auftragsvergabe in keinem Verhältnis mehr. 37 000 Euro kostet laut Gutachten zur Entwicklung des Betriebes allein die Verwaltung.

Ein Batzen Geld, der auf den ersten Blick die Stadtkasse nicht mehr belasten wird, die bisher das Defizit regelmäßig ausgleichen musste. Hinzu kommen vier Arbeitsplätze - Kosten: je 46 000 Euro pro Jahr, die ab sofort wegfallen. Sieben der elf Kollegen werden in die Stadtverwaltung integriert. Ihre Verträge sind unbefristet. Für sie ändert sich nur der Fachbereich, dem sie angehören. Die vier Mitarbeiter, deren Verträge mit dem heutigen Tage auslaufen, werden nicht übernommen. "Um die tut es mir wirklich leid", sagt der technische Leiter des Bauhofs, Manfred Stolp. Drei der vier Kollegen seien über ein Jahr dabeigewesen und hätten großen Einsatzwillen gezeigt, der vierte mit befristetem Vertrag sei im August dazugestoßen. Auch die Position des kaufmännischen Werkleiters fällt weg. Das Sparpotenzial ist für die Stadtverwaltung also immer noch groß genug, um den Haushalt langfristig zu entlasten.

Bleibt die Frage, was mit den Arbeiten geschieht, die derzeit von Bauhofmitarbeitern ausgeführt werden - unter anderem Winterdienst, Grünflächenpflege oder Abfallbeseitigung. Zuständig werden auch weiterhin die Mitarbeiter sein, die heute noch zum Bauhof-Personal zählen. Dann allerdings erledigen sie die Arbeiten für den Fachbereich V der Stadtverwaltung, zuständig fürs Instandhaltungsmanagement und für die städtischen Grundstücke.

Arbeiten, die bislang besonders unwirtschaftlich für den Eigenbetrieb waren - darunter Winterdienst und Grünflächenpflege - sollen an Dritte vergeben werden. Dafür bedarf es einer öffentlichen Ausschreibung. Auch die Übertragung von Bauhof-Aufgaben an die Städtischen Werke (SWG) oder die Servicetochter der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) ist möglich.

Die Idee, sämtliche Bauhof-Aufgaben von anderen Unternehmen erledigen zu lassen, lehnen viele Stadtverordnete ab. Auch Fred Mahro will eine "schnelle Eingreiftruppe" unter dem Dach der Stadtverwaltung, die dringende Arbeiten wie Sicherung von Fahrbahnabsackungen und Gehwegabbrüchen oder auch das Entfernen von Hindernissen auf Straßen ohne Vergaberegularien übernehmen kann. Betont hat Mahro, dass die Gubener das Ende des Bauhofs nicht spüren würden. Das einzige, was sich verändere, sei die Struktur. Die bisherige hat sich angesichts der Zahlen in den vergangenen 15 Jahren nicht bewährt.

Zum Thema:
Der Beschluss, den städtischen Bauhof aufzulösen, haben die Gubener Stadtverordneten im November 2015 mit knappem Abstimmungsergebnis gefasst. Dass der Bauhof nicht zum Ende des vergangenen Jahres, sondern erst zum Ende des ersten Quartals 2016 aufgelöst wird, liegt laut Fred Mahro vor allem an den befristeten Verträgen mit Enddatum 31. März sowie dem notwendigen Winterdienst, den der Bauhof noch leisten sollte.