| 02:36 Uhr

Kaum Hoffnung für Holperpisten

Tiefe Löcher und Risse sind in der Zufahrtsstraße nach Deulowitz. Der Ortsbürgermeister Gerd Richter kämpft für eine grundlegende Sanierung.
Tiefe Löcher und Risse sind in der Zufahrtsstraße nach Deulowitz. Der Ortsbürgermeister Gerd Richter kämpft für eine grundlegende Sanierung. FOTO: Silke Halpick
Guben. Die Deulowitzer sind sauer: Sie fühlen sich infrastrukturell abgehängt. Tiefe Risse und Löcher klaffen in der Zufahrtsstraße zur ehemaligen B 320, die nach Guben führt. Silke Halpick

Auch die Fahrt entlang der unbefestigten Birkenallee ist ein stetes Ärgernis. Für eine grundlegende Sanierung hat die Stadt Guben aktuell kein Geld.

Wie sehr dieses Thema die rund 200 Deulowitzer bewegt, hat die jüngste Einwohnerversammlung gezeigt. "Wir sind auch Gubener, die Steuern zahlen" wurde dem amtierenden Bürgermeister Fred Mahro entgegengehalten. Besonders verärgert sind die Anwohner auch, weil ihnen die Sanierung der Straße bereits vor mehr als zehn Jahren versprochen wurde, wie sie sagen.

"Der grundhafte Ausbau der Straße ist als Projekt der Stadt Guben im Leader-Programm zur Förderung des ländlichen Raumes veranlagt", betont Sven Rogosky, Baufachbereichsleiter im Gubener Rathaus. Die Stadt rechnet mit 800 000 Euro für die knapp drei Kilometer lange Strecke und hat den Angaben zufolge den dafür nötigen Eigenanteil im Haushaltsjahr 2019 eingeplant. Eine Fördermittelzusage gibt es allerdings noch nicht. Das Programm sei "massiv überzeichnet", wie Rogosky einräumt.

Allein mit eigenen Mitteln kann die Stadt die Straßensanierung jedoch nicht finanzieren. "Für Investitionen stehen uns jährlich zwei Millionen Euro zur Verfügung", begründet der amtierende Bürgermeister Fred Mahro. Ziel sei deshalb, jeden eingesetzten Euro mit Fördermitteln "zu vergolden". Das gelingt der Stadt mitunter schon sehr gut - beispielsweise bei den Sanierungsprojekten rund um den Bahnhofvorplatz sowie entlang der Berliner und der Bahnhofsstraße. Aus 755 000 Euro Eigenmitteln werden durch unterschiedliche Förderprogramme vier Millionen Euro Investitionssumme.

Ein kleines Trostpflaster hat Rogosky dennoch. "Im Rahmen der Straßeninstandsetzung werden wir auch weiterhin im Abschnitt zwischen Gewerbestraße und Ortsteileingang an der Straße tätig werden", verspricht er. Verkehrssichere Straßen und Wege vorzuhalten, sei auch Aufgabe der Stadt. Allerdings stehen auch hierfür nur begrenzte Finanzmittel zur Verfügung: 305 000 Euro für insgesamt 129 Kilometer Straße pro Jahr. Der Bedarf ist weitaus höher als die Mittel, betont Fachbereichsleiter Sven Rogosky.

Ortsvorsteher Gert Richter zeigt zwar grundsätzlich Verständnis für die finanziellen Zwänge der Stadt, übt aber auch Kritik: "Die Bundesrepublik ist ein so reiches Land, doch Geld für die Infrastruktur, für Schulen oder die Polizei gibt es offenbar nicht im ausreichenden Maße", sagt er.

Der Zustand der Zufahrtsstraße sei einfach "katastophal". Mehrere Zentimeter tief sind bereits die Risse und Löcher in den Betonplatten. Diese wiederum neigen sich in ganz unterschiedliche Richtungen. Für Autofahrer ist die Straße eine reine Holperpiste.

Nicht viel besser ist auch der Zustand der Birkenallee, die als Verlängerung der Sprucker Straße von vielen Deulowitzern und auch den Schulkindern als schneller Weg nach Guben genutzt wird. Der unbefestigte Weg werde jährlich instand gesetzt, betont Rogosky. Allerdings nehme der Durchgangsverkehr nach Abschluss der Arbeiten regelmäßig zu, was die "Dauerhaftigkeit der Maßnahmen" einschränke. "Ein grundhafter Ausbau der Birkenallee ist nicht vorgesehen", sagt er.

Die Befestigung der 1280 Meter langen Strecke mit Asphalt steht in einem Bauantrag aus dem Jahr 2007, wie ein Blick in die Unterlagen des Ortsvorstehers zeigt. Damals sollte der Ausbau des Weges, der Bestandteil der mittelalterlichen Salzstraße Leipzig - Posen - Danzig war, die Verbindung zu touristischen Zielen in Guben wie das Heimatmuseum, den Stadtpark, die Altstadt mit Theaterinsel verbessern. Daraus geworden ist nichts. "Auch schon damals war das Geld knapp", bedauert Richter.

Zum Thema:
"Was ländliche Entwicklung in Brandenburg betrifft, sind wir auf einem guten Weg", sagt Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Das zeige die Analyse der Zahlen der Antrags- und Bewilligungsverfahren von Leader-Projekten. Bis zum 30. Juni sind den Angaben zufolge insgesamt 621 Vorhaben in Brandenburg und Berlin bewilligt worden. Das Gesamtinvestitionsvolumen liege bei 157 Millionen Euro, bei einer Fördersumme von 100 Millionen Euro. 228 Anträge werden derzeit bearbeitet.