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Guben
Ironischer Blick auf Europa

Besucherinnen betrachten die Karikatur „Tour de EU“ mit Martin Schulz auf dem Fahrrad.
Besucherinnen betrachten die Karikatur „Tour de EU“ mit Martin Schulz auf dem Fahrrad. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. 60 Karikaturen sind bis zum 22. Dezember im Stadt- und Industriemuseum in Guben zu sehen. Von Silke Halpick

Frech, komisch, ironisch: So sind die 60 Bilder der Sonderausstellung „Europa-Caricade“, die derzeit im Gubener Stadt- und Industriemuseum zu sehen sind. Die Schau will wieder Lust auf Europa machen, wie Museumschefin Heike Rochlitz im Rahmen der Vernissage betont. Für den amtierenden Bürgermeister Fred Mahro gibt es ohnehin „keine Alternative“ zu Europa.

Auf dem Fahrrad strampeln sich Martin Schulz und Jean-Claude Junker, Präsident der Europäischen Kommission, ab. Genau in die entgegengesetzte Richtung will die Rechtspopulistin Marine Le Pen. „Tour de EU“ heißt die Karikatur. Le Pens Partei Front National hatte mit dem Slogan „Nein zu Brüssel, Ja zu Frankreich“ die Mehrheit bei den Europawahlen 2014 in Frankreich geholt.

„Karikaturen brauchen eigentlich gar keine Farbe“, sagt Sigrid Noack. Die Gubener Künstlerin steht nun vor einem Bild, das mit Edvard Munchs berühmtem Gemälde „Der Schrei“ spielt. Allerdings sind hier Angela Merkel, David Cameron und Mark Rutte mit vor Schmerz verzerrten Gesichtern zu sehen. Der Grund: 52 Prozent der Briten stimmten 2016 für den Brexit und damit den Austritt aus der Europäischen Union. Die Karikatur gehört zu den wenigen in Farbe.

Vor sechs Jahrzehnten wurden die römischen Verträge unterzeichnet, die die Grundlage für das heutige vereinte Europa darstellen. Aus diesem Anlass tourt die Ausstellung „Europa-Caricade“, die von der Helmut Schmidt Medien GmbH produziert wurde, durch Deutschland. Zu den bisherigen Stationen gehören unter anderem Frankfurt/Main, Saarbrücken und Leipzig. Bis zum 22. Dezember sind die Zeichnungen nun auch an der Neiße zu sehen.

Zu den bekennenden Verfechtern des europäischen Gedankens gehört Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro. Die Doppelstadt liegt „mitten in Europa“, wie er an diesem Abend betont. Eine Alternative zu Europa sehe er ohnehin nicht. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran. Schon seit Jahren arbeiten die Stadtchefs von Guben und Gubin eng zusammen. Auch die Stadtverordneten besprechen relevante Themen bei den Sitzungen der gemeinsamen Kommission. Selbst der Neujahrsempfang wird zusammen gefeiert.

Auch finanziell konnte die Region von der EU profitieren. Mehr als 112 Millionen Euro allein an Interreg-Fördermitteln sind seit den 1990er-Jahren in den deutschen Teil der Euroregion Spree-Neiße-Bober geflossen. Interreg ist eine Initiative des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Gefördert wird die Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedstaaten.

Allerdings steht die EU auch für Brüsseler Bürokratismus. Verordnungen, die beispielsweise den Krümmungsgrad von Salatgurken oder die Dicke von Bananen festlegen, sorgen bei vielen Bürgern für Unverständnis. „Sie müssen jetzt ganz, ganz tapfer sein. Ihr Kind entspricht nicht der EU-Norm“, sagt der Arzt einer jungen Mutter im Krankenhaus. Im Hintergrund wird das schreiende Baby hinausgeschafft. So brutal sehen das Karikaturisten.

Zu jedem ausgestellten Werk gibt es Hintergrundinformationen, die den geschichtlichen Kontext erläutern. Das ist durchaus hilfreich, beispielsweise wenn man Margarete Thatcher halbnackt beim Pokerspiel mit Helmut Schmidt oder Konrad Adenauer an die Brust von Charles de Gaulle gedrückt betrachtet. Noch gut in Erinnerung dürfte hingegen vielen Helmut Kohl beim Niederreißen der Berliner Mauer sein. Zu Donald Trumps Wahlsieg in den USA fallen Asterix und Oberlix nur „Die spinnen, die Amis“ ein.