| 02:36 Uhr

Kaltenborn schmeißt die Apfelpresse an

Die historische Apfelpresse in Kaltenborn wird zum Apfelweinfest am kommenden Sonntag wieder frischen Apfelmost pressen.
Die historische Apfelpresse in Kaltenborn wird zum Apfelweinfest am kommenden Sonntag wieder frischen Apfelmost pressen. FOTO: W. Soyke
Kaltenborn. Am kommenden Sonntag findet in Kaltenborn das Apfelweinfest statt. Traditioneller Höhepunkt ist dabei das Schaupressen mit der historischen Apfelpresse auf dem Hof der Familie Balzer. Michèle-Cathrin Zeidler

Doch fast wäre dieses Spektakel in Gefahr gewesen, denn die Kaltenborner haben ein Problem: "Die Apfelernte ist in diesem Jahr sehr schlecht ausgefallen", sagt Werner Soyke, der Vorsitzende des Bürgervereins Kaltenborn. "So einen Einbruch habe ich noch nie erlebt."

Zur Blütezeit der Obstbäume zwischen Ende April und Anfang Mai herrschten in Deutschland frostige Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts. "Dadurch sind die Blüten zum großen Teil erfroren", weiß Werner Soyke. "Nur geschützt stehende Bäume tragen in dieser Saison Äpfel."

Somit fällt die Apfelernte in Kaltenborn deutlich geringer aus als sonst. "Unser Apfelpresser hatte bisher kaum zu tun, weil einfach keine Äpfel abgegeben wurden", schildert Werner Soyke die Lage. Für das Schaupressen auf dem Fest benötigen die Kaltenborner einen Zentner Äpfel, doch zum Glück kennt der Bürgerverein viele Kleingärtner und hat Beziehungen in die Region. "Wir bekommen genug Äpfel zusammen, damit es für das Schaupressen reicht", versichert Werner Soyke. Aus einem Zentner kann die über 100 Jahre alte Apfelpresse 30 bis 35 Liter Most herstellen. "Das kommt ganz auf den Reifegrad der Äpfel an", erklärt der gebürtige Kaltenborner, der sich auch schon auf dem Apfelwein am Wochenende freut.

Nicht nur in Kaltenborn hat die Apfelernte unter dem Wetter im Frühjahr gelitten. "In ganz Deutschland gibt es in diesem Jahr eine Missernte bei den Obstbäumen", weiß Irmgard Schneider vom Umweltverein Pro Guben. "Guben und Umgebung bilden da keine Ausnahme." Der Umweltverein sammelt jeden Freitag von 9 bis 17 Uhr in der Kupferhammer Straße 59 bis 60 Äpfel für die Spreewald-Mosterei in Burg und hat daher einen guten Überblick über die Ernte. Die Einwohner bringen die Früchte aus ihren Gärten zur Sammelstelle und bekommen dafür im Gegenzug Apfelsäfte oder Apfelwein. "In den vergangenen Jahren haben wir dabei jeden Freitag 65 Kisten mit jeweils 250 Kilogramm zusammenbekommen", erzählt die Vereinsvorsitzende. Doch in diesem Jahr seien es nur drei Kisten. "Ich mache das jetzt schon seit 20 Jahren und so schlecht war die Ernte noch nie", betont Irmgard Schneider. "Alle haben hoher Verluste." Sie rechnet mit einem Engpass beim frischen Apfelsaft.

Auch die Pomologische Gesellschaft zu Guben bestätigt die schlechte Apfelernte. "In unserem Schaugarten hängen kaum Äpfel an den Bäumen", sagt Günter Lohse. Das Frühjahr habe viele Blüten zerstört. "Aber es gibt wohl auch Ecken in Guben, wo die Kleingärtner mehr Glück hatten", merkt Günter Lohse an. Der Verein hat in seinem Schaugarten zwölf verschiedene alte Apfelsorten und hofft auf eine bessere Ernte in der nächsten Saison. "Schließlich wollen wir die alten Sorten gerne erhalten", so er Apfelexperte.

Zum Thema:
Am kommenden Sonntag, 17. September, findet ab 10 Uhr in Kaltenborn das traditionelle Apfelweinfest statt. Los geht es mit Frühshoppen mit der Blasmusik um Rainer Hering. Mittagsversorgung aus der Gulaschkanone gibt es ab 11 Uhr. Ab 13 Uhr startet schließlich das Programm mit Kutschfahrten, Kinderschminken, Hüpfburg und Quiz. Kaffe und Kuchen gibt es ab 14 Uhr und um 16 Uhr findet das Schaupressen auf dem Hof der Familie Balzer statt. Gegen 17 Uhr ist Anpfiff zum traditionellen Fußballspiel - Alt gegen Jung- und Torwandschießen.