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| 18:52 Uhr

Interview
Junge Ärzte nach Guben locken

Fred Mahro hat am 1. August offiziell das Amt als Gubener Bürgermeister angetreten.
Fred Mahro hat am 1. August offiziell das Amt als Gubener Bürgermeister angetreten. FOTO: FOTO-WERNER
Nach sieben Jahren im Amt ist Fred Mahro nun seit Anfang des Monats auch der gewählte Bürgermeister der Stadt Guben. Im Interview mit der RUNDSCHAU verrät er seine Pläne. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Wie ist es, nach so langer Zeit endlich der gewählte Bürgermeister zu sein?

Mahro Persönlich macht es mich stolz, diese Wahl gewonnen zu haben. Ich freue mich darauf, jetzt mit Mandat tätig zu sein. Sicherlich werde ich einiges ändern.

Was wollen Sie ändern?

Mahro Das ist natürlich ein großer Strauß. Ich werde der Stadtverordnetenversammlung im September einige Strukturveränderungen vorschlagen.  Das ist aber kein Erdbeben. Die wichtigste Veränderung ist die Zusammenführung der Stadtplanung und des Strategiebereichs der Stadtverwaltung mit der Wirtschaftsförderung. Wir hatten das bisher in einem extra Fachbereich organisiert, und die Wirtschaftsförderung war in einer GmbH weit weg von der Verwaltung und der Stadtverordnetenversammlung. Das führe ich jetzt zusammen zu einer gesonderten Organisationseinheit, die direkt an meinem Tisch sitzt. Dadurch erfahre ich alles aus erster Hand, und die Entscheidungswege sind kürzer.

Gibt es darüber hinaus noch Strukturänderungen im Rathaus?

Mahro Wir werden den Fachbereich Ordnung und Sicherheit mit dem Service-Center  organisatorisch zusammenlegen. Die Räumlichkeiten werden sich nicht verändern. Es gibt zwischen beiden Bereichen viele Schnittstellen, die Absprachen nötig machen. Daher liegt dieser Schritt nahe. Für beide Änderungen bedarf es allerdings noch eines Beschlusses der Stadtverordneten. Ohne ihre Zustimmung konnte ich hingegen Veränderungen im Büro des Bürgermeisters vornehmen. Krzysztof Zdobylak wird mein neuer Büroleiter.

Welche Themen haben Sie sich besonders auf die Fahne geschrieben?

Mahro Zum einen die Wirtschaft und das Thema Arbeitsplätze. 2000 Gubener pendeln täglich zur Arbeit aus der Stadt, und genauso viele Menschen pendeln nach Guben rein. Da möchte ich ansetzten, auf die Einpendler zugehen und mit ähnlichen Instrumenten wie der Rückkehrer-Initiative für die Stadt werben.  Auch das Thema Sicherheit bleibt wichtig. Zwar haben wir einige Erfolge zu verzeichnen, aber die Kriminalität muss weiter zurückgedrängt werden. Schwerpunkt bleibt der Außendienst, aber ich möchte die ganze Sache mit einer verstärkten Sozialarbeit flankieren. Dafür möchte ich spätestens mit dem Stellenplan 2019/2020 wieder einen Streetworker installieren. Generell möchte ich mich, so wie ich es bisher im Bereich der Spielplätze getan habe, stärker für die Interessen der Jugendlichen einsetzen. Es gilt, die Freizeitmöglichkeiten zu verbessern.

Auch die ärztliche Versorgung ist ein Dauerthema. Was planen Sie hier?

Mahro Es ist zunächst wichtig, den Bestand zu pflegen. Aber wir brauchen auch Fachärzte und Nachwuchs. Um Ärzte nach Guben zu locken, werden wir im Oktober erstmals angehenden Ärzten unsere Stadt zeigen. Das ist nur der Beginn. Ich könnte mir auch vorstellen, angehenden Ärzten Stipendien anzubieten, wenn sie im Gegenzug eine Zeit lang bei uns praktizieren.

Auf dem ersten Unternehmertreffen hatten Sie für einen Beirat geworben. Wie könnte dieser aussehen?

Mahro Der Unternehmerbeirat wäre keine Konkurrenz zum Wirtschaftsausschuss. Vielmehr würde ich mir vorab die Sicht aus der Wirtschaft zu Vorhaben der Stadt einholen. Der Wirtschaftsausschuss muss abwägen, ein Unternehmer denkt zuerst an sein Geschäft.  Ideal wäre ein Beirat mit drei Senior- und drei Junior-Unternehmern, dafür habe ich positive Signale bekommen. 

Ist Guben noch immer eine gespaltene Stadt?

Mahro Wir sind geteilt durch einen Fluss, aber ansonsten habe ich mit der letzten Wahl den Eindruck, dass Tatsachen geschaffen wurden. Dinge aus der Vergangenheit gilt es, hinter sich zu lassen.

Welches Ziel wollen Sie in einem Jahr erreicht haben?

Mahro Die Kombination Stadtplanung und Wirtschaftsförderung soll in einem Jahr auf Messen geht. Bis zum Jahresende sollte die Ansiedlung der Hygienepapierfabrik feststehen, ansonsten müssen wir uns von dieser Idee verabschieden. In einem Jahr müssen wir Klarheit darüber haben, wie das Industriegebiet zukünftig gestaltet wird. Für eine größere Ansiedlung bekommen wir weitere Flächen.

Wie blicken Sie den Kommunalwahlen im nächsten Jahr entgegen?

Mahro Ich hoffe auf einen fairen Wahlkampf und eine rege Bürgerbeteilung. Außerdem hoffe ich, dass ein guter Mix zwischen Parteien und Wählerinitiativen entsteht. „GUB-SPN“ oder „Wir Gubener Bürger“  im Stadtrat zu haben, war in der Vergangenheit nicht verkehrt.

Mit Fred Mahro sprach
Michèle-Cathrin Zeidler