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Jugendstil-Haus vor dem Verfall gerettet

Der Berliner Restaurator Thomas Heinemann verfüllt die Stuckelemente zur Sicherung mit Injektionsmörtel.
Der Berliner Restaurator Thomas Heinemann verfüllt die Stuckelemente zur Sicherung mit Injektionsmörtel. FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben. Lange stand das Jugendstil-Haus an der Gubener Wilkestraße 1 leer. Fast wäre das denkmalgeschützte Haus, das im Jahr 1904 erbaut wurde, dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Doch der Gubener Andreas Eckert liebäugelte schon lange mit dem Dreigeschosser: Jetzt sind die Sanierungsarbeiten am Gebäude in vollem Gange. Jana Pozar / zar1

Obwohl das Jugendstilhaus wohl keinen Winter mehr ohne Sanierung überstanden hätte, ist es in relativ gutem Zustand. "Im Innenbereich ist es top. Ohne Sanierung aber wären die Grotesken und Verzierungen an der Außenwand wohl bald abgefallen", erklärt Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung. Sie schwärmt vom alten Haus. "Es hat eine wunderbare Bausubstanz. Die Jugendstil-Fenster mit Rollläden und die Eingangstür sind noch im Original erhalten. So etwas gibt es nicht so oft", so die Restauratorin. Der Blumenfries über den Fenstern ist ebenfalls noch gut in Schuss. Lediglich die Stuckelemente im oberen Außenbereich des Hauses mussten mit Injektionsmörtel gesichert und damit wieder befestigt werden.

An der Fassade des Jugendstil-Hauses hat sich in mehr als 110 Jahren wenig geändert. Schon im Original waren Struktur- und Glattputz in hellerem Ocker bearbeitet. Die Fensterrahmen, Rollläden und Türen erstrahlen noch heute in saftigem Grün.

Der Innenbereich des Hauses lebte einst durch kräftige Farben, wie es im Jugendstil üblich war. Grünblau, Rot, Schwarz und Ornamente aus Bronze boten ein wahres Farbenspiel. Hinzu kam die Verarbeitung von Holzimitaten. Das alles aber wurde im Laufe der Jahre überstrichen.

Hausbesitzer Andreas Eckert muss sich an manche Vorgaben des Denkmalschutzes halten. "Allerdings werden nur Empfehlungen gegeben, gerade für den Innenbereich. Alle sind froh, dass er das Haus rettet", erklärt Dorothee Schmidt-Breitung. Eckert müsse lediglich die Außenansicht wieder im Original herstellen. Im Innenbereich könne er seine eigenen Ideen einbringen. "Es wäre schön, wenn der Eingangsbereich bis zur ersten Etage sein einstiges Aussehen bekommt, aber das ist keine Bedingung", sagt die Restauratorin.

Der Gubener weiß genau, was er will: "Ich habe mich in dieses Haus verliebt. Ich wusste, worauf ich mich einlasse", versichert Andreas Eckert. Die Auflagen des Denkmalschutzes seien für ihn selbstverständlich und kein Problem. "Ich will das Haus, so wie es ist. Ein altes Mädel will ich nicht liften", sagt er.

Er hofft, dass seine drei Kinder mit ihren Familien zukünftig an der Wilkestraße wohnen werden. Deshalb will er auch im Garten für die Enkelkinder ein kleines Paradies schaffen. Zunächst aber heißt es für Andreas Eckert, das Haus behutsam lebendig zu machen.

Das Haus soll zudem teilweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Andreas Eckert plant, im Treppenhaus eine Galerie einzurichten. "Ich möchte eine Sammlung von Gubener Meistern präsentieren. Jeder, der in der Neißestadt einen Pinsel in die Hand nahm, soll dort ein Zuhause für seine Bilder bekommen", sagt er. Der Maler Josef Witt suche Eckerts Meinung nach längst einen Platz zum Zeigen seiner röhrenden Hirsche. Im Treppenhaus sollen unter anderem seine Malereien zu sehen sein. Andreas Eckert möchte aber auch sein eigenes Hobby präsentieren: die Fotografie. Bis es so weit ist, werden allerdings noch mehrere Monate vergehen. Andreas Eckert kann es kaum erwarten und legt so oft es geht selbst Hand an. "Ich liebe dieses Haus. Es hat Charme und kann jede Menge Geschichten erzählen."

Zum Thema:
Das Haus an der Wilkestraße 1 wurde im Jahr 1904 erbaut. Es diente als Wohnhaus für Mitarbeiter der Eisenbahn-Verwaltung. Baugeschichtliche Bedeutung kommt dem Wohnhaus zu, weil es ein in Guben seltener Vertreter des Jugendstils ist. Florale und vegetabile Ornamente und Friese zieren die Eingangsfront des Hauses.

Die Rüstung wird noch mehrere Monate am alten Jugendstil-Haus in der Wilkestraße stehen bleiben.
Die Rüstung wird noch mehrere Monate am alten Jugendstil-Haus in der Wilkestraße stehen bleiben. FOTO: bes