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| 02:42 Uhr

Jugendliche auf der Suche nach ihrer Zukunft

Jörg Schröder zeigte Louis Kalinke, wie mit einem Tachymeter Strecken und Winkel bestimmt werden können.
Jörg Schröder zeigte Louis Kalinke, wie mit einem Tachymeter Strecken und Winkel bestimmt werden können. FOTO: zar1
Guben. Die Bänke der Klosterkirche am Samstag während des Benefizkonzerts zugunsten des Wiederaufbaus der einstigen Stadt- und Hauptkirche Guben als "Fara Gubinska" waren gut besetzt. Zum achten Mal hatte der Stadtchor Guben gemeinsam mit dem Gubiner Chor Gloria Domine und viele Gastakteuren zu diesem besonderen Musikereignis eingeladen. Jana Pozar / zar1

Dabei war das Interesse am diesjährigen Zukunftstag eher verhalten, sowohl bei den Jugendlichen als auch vonseiten der Unternehmen. Das bestätigte bereits in der vergangenen Woche Viktoriya Scheuer, Koordinatorin des Netzwerkes Schule und Wirtschaft in der Gubener Stadtverwaltung.

"Die Schüler waren sehr ruhig, eher verhalten. Sie stellten kaum Fragen", sagte Jens Messerschmidt, Polizeitrainer der Inspektion Forst. Er erklärte etwa 20 Jugendlichen, welche Aufgaben ein Beamter der Bundespolizei hat. Die Jugendlichen waren sogar zurückhaltend, als sie Ausbildungswaffen anfassen oder die zwölf Kilogramm schwere Körperschutzausstattung selbst einmal probieren durften. Pauline Meier aus Peitz war etwas neugieriger. Beinahe stolz ließ sie sich vom Polizeitrainer die kugelsichere Weste umlegen. "Ich habe gedacht, die ist schwerer", gab das zwölfjährige Mädchen zu. Eine Laufbahn bei der Bundespolizei könne sie sich auf jeden Fall gut vorstellen. "Mein Onkel erzählt manchmal von seinen Diensten und Einsätzen. Das klingt alles sehr spannend und macht neugierig", sagte sie. "Man muss mit Leib und Seele dabei sein und darf keine Angst haben. Der Dienst bei der Polizei ist nicht gefährlicher als andere Jobs", verriet Jens Messerschmidt. Schon immer Polizist werden wollte Tim Drobbe. Der 12-jährige Europaschüler findet es "spannend, auf Streife gehen zu können, Menschen helfen und sie retten zu können".

Sarah-Michelle Klose, die das Pestalozzi-Gymnasium besucht, kann sich gut vorstellen, einen Pflegeberuf zu erlernen. Sie beobachtete am gestrigen Donnerstag im Rosa-Thälmann-Heim die Pflegerinnen bei ihrer Arbeit. "Ich war als Kind schon oft hier und habe zugeschaut, weil meine Mutter hier arbeitet. Menschen zu helfen und sie zu pflegen, ist eine gute Sache. So ein Beruf wäre genau mein Ding", versicherte die 14-Jährige. Auch Laurina Blasche schnupperte in die Arbeit der Tagespflege im Heim. Die 14-jährige Europaschülerin schien allerdings noch etwas zurückhaltend. "Ich will einfach mal schauen, was es hier alles zu tun gibt", gab sie zu. Die beiden jungen Mädchen schienen dann aber in der gemeinsamen Sportstunde im betreuten Wohnen richtig Spaß zu haben. "Es ist wichtig, dass die Jugendlichen die Möglichkeit bekommen, sich in Unternehmen und Einrichtungen über die Arbeit zu informieren und sich auszuprobieren", sagte Sylke Krüger, Pflegedienstleiterin im Rosa-Thälmann-Heim. So könne Fehlentscheidungen bei der Berufswahl vorgebeugt werden. Beim Zukunftstag sind die Jugendlichen eher Beobachter und können Fragen stellen. In Praktika können sie sich dann richtig ausprobieren. "Das ist wirklich eine tolle Sache", so Sylke Krüger. Das Haus arbeitet wohl auch deshalb im Zuge der Berufsvorbereitung eng mit der Europaschule zusammen.

Im Vermessungsbüro von Jörg Schröder in Guben durfte Louis Kalinke bereits allein nach einer kurzen Einweisung ein Grundstück vermessen. Jörg Schröder erklärte dem 13-Jährigen, wie er mit einem Tachymeter Strecken und Winkel bestimmen kann. Aufmerksam hörte der Gymnasiast zu. Der öffentlich bestellte Vermessungsingenieur schwärmte von seiner Tätigkeit. "Ich habe damals noch mit ganz normalen Hilfsmitteln draußen in der Natur Grundstücke vermessen. Heute gibt es ja unter anderem GPS, das die Arbeit um einiges leichter macht", sagt der Fachmann. Trotzdem: Liegenschaftskataster müssen immer noch mit dem Lineal vermessen und maßstabsgetreu umgerechnet werden. Auch das probierte Louis Kalinke. "Er ist interessiert, wissbegierig und aufgeschlossen", lobte der Fachmann seinen Lehrling für einen Tag. Dabei hatte sich Louis erst sehr spät dazu entschieden, den Zukunftstag im Vermessungsbüro zu verbringen. "Die Arbeit klingt spannend, ist sehr abwechslungsreich. Es ist schon interessant, zu wissen, wie sich ein Grundstück aufbaut, welche Winkel und Wände es in welcher Größe hat" versicherte der 13-Jährige. Er möchte sich spätestens beim nächsten Zukunftstag nochmals in einem Unternehmen umschauen, um so viele Informationen wie möglich für seine spätere Berufswahl zu bekommen.