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| 17:05 Uhr

Musik
Jazz-Nachwuchs probt in Guben

Jiggs Whigham (r.) leitet seit zehn Jahren das Landesjugendjazzorchester. Marc Secara ist für den Jazz- und Pop-Chor zuständig. Beide Ensembles proben derzeit in der Alten Färberei in Guben.
Jiggs Whigham (r.) leitet seit zehn Jahren das Landesjugendjazzorchester. Marc Secara ist für den Jazz- und Pop-Chor zuständig. Beide Ensembles proben derzeit in der Alten Färberei in Guben. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Lajjazzo und „Young Voice“-Chor üben gemeinsam für Konzerte in Senftenberg und Neuzelle. Von Silke Halpick

Temperamentvolle Trompetentöne erschallen aus der Alten Färberei, begleitet von Saxophon- und Schlagzeugklängen. Alles steigert sich zum Finale, hört abrupt auf, um erneut zu beginnen. Guben ist im Ausnahmezustand: Drei Tage lang proben hier Brandenburgs beste Nachwuchsmusiker vom Landesjugendjazzorchester (kurz: Lajjazzo) sowie dem Jazz und Pop-Chor „Young Voices“ (Junge Stimmen). Geboten wird Musik auf hohem Niveau.

„Wir haben keinen Platz, um uns noch über falsche Töne zu unterhalten“, sagt Marc Secara, künstlerischer Leiter des Chores. Bei den Proben gehe es vielmehr darum, die „Musik mit Seele“ zu füllen. Auf dem Programm steht Duke Ellingtons „Second Sacred Concert“. Ellington war einer der einflussreichsten amerikanischen Jazzmusiker. Das Stück vereint Kirchen- und weltliche Musik und gilt als anspruchsvoll. Aufgeführt wird es im Amphitheater Senftenberg sowie im Kloster Neuzelle.

„Es gibt es wirklich Stellen, die sehr schwierig sind“, räumt Nadja Noack ein. Die Cottbuserin gehört erst seit Kurzem zum Jugend-Jazz- und Popchor und ist vor den Auftritten noch „aufgeregt“. Das Ensemble wird alle zwei Jahre komplett neu besetzt. Die Auswahl erfolgt über ein Casting. „Ich war total überrascht, dass ich es geschafft habe“, sagt sie.

Ein „alter Hase“ ist dagegen Victor Gelling aus Kleinmachnow (Potsdam Mittelmark). Er spielt schon seit fast zwei Jahren den Kontrabass im Lajjazzo. Das habe ihn musikalisch und menschlich weitergebracht, wie er erzählt. „Ein Orchester ist mehr als nur die Summe der einzelnen Spieler“, sagt er heute.  Die Probenatmosphäre in Guben empfindet er als „außergewöhnlich gut“.

Nicht zum ersten Mal ist das Lajjazzo an der Neiße zu Gast. Der persönliche Kontakt zu Musikschulleiter Andreas Zach, die hervorragenden Probenbedingungen in der Alten Färberei sowie die jungen Talente vor Ort sprechen für Guben, betont Projektleiter Philipp Schoof. Ein „Paradebeispiel“ ist für ihn die gute Zusammenarbeit zwischen Landesmusikverband und ortsansässiger Musikschule.

Das Kompliment gibt Zach zurück. „Die Anwesenheit der besten Musikschüler des Landes ist für unsere Schüler immer ein Ansporn“, betont er. Die Gubener können bei den Proben „schnuppern“. Vier von ihnen sind schon Mitglieder im Lajjazzo junior: Markus Heinze (Saxophon), Noel Zach (Trompete) sowie David Marschall und Tony Zschörneck (beide Posaune). Im Junior-Ensemble spielen Schüler ab 13 Jahren. Zwei der Gubener sollen im Herbst im Lajjazzo hospitieren.

Über talentierte Nachwuchsmusiker freut sich immer auch Jiggs Whigham. Der Amerikaner ist seit zehn Jahren Leiter des Lajjazzo und hat nach wie vor Spaß dabei. „Wir picken uns die Rosinen raus“, sagt er schmunzelnd.  Whigham gilt als Pionier in Sachen Jazz-Ausbildung an deutschen Hochschulen. Er war Rektor der ersten deutschen Jazz-Musikschule in Köln. Seine ehemaligen Studenten unterrichten mittlerweile selbst schon wieder Schüler in der gesamten Republik.

„Früher wurde Jazz an den Musikschulen lediglich geduldet“, erzählt Whigham. Das habe sich aber geändert.  Mittlerweile gehören Pop und Jazz zu den beliebtesten Sparten. „Ganz Deutschland singt“, bestätigt Marc Secara. Zu verdanken sei das Interesse aber auch dem Casting-Show-Boom.