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| 12:21 Uhr

Ehrenamt
Integration braucht beide Seiten

Guben. Das Netzwerk Flucht und Migration sucht weitere Flüchtlingspaten in Guben. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Wenn Ingrid* und Ursula* von ihrer Arbeit als Flüchtlingspaten sprechen, leuchten ihre Augen. Seit mehreren Jahren engagieren sich die zwei Gubenerinnen ehrenamtlich als Ansprechpartner für Flüchtlinge in der Neißestadt. Sie haben hautnah die Fortschritte ihrer Schützlinge bei der Integration in Deutschland mitverfolgt und dabei geholfen. „Ich habe ein völlig neues Lebensgefühl durch diese Arbeit bekommen“, sagt Ursula. „Es sind Freundschaften entstanden und ich habe so viel Gutes erlebt“, fügt Ingrid hinzu. „Man bekommt das Gefühl, gebraucht zu werden und Anerkennung für seine Hilfe.“ Beide wollen diesen Teil ihres Lebens nicht mehr missen. 

Die zwei Rentnerinnen wollten zu Beginn der Flüchtlingsbewegung nicht den Stab über eine ganze Nation brechen. „Früher waren es pauschal ‚Die Polen’ die angefeindet wurden, heute sind es ‚Die Araber’“, sagt Ursula, die sich schon immer für andere Kulturen interessiert hat und daher eher neugierig auf die Geflüchteten war. „Es sind aber nicht ‚Die Araber’, es sind immer einzelne Menschen“, betont die Gubenerin. Nicht die Religion entscheide ihrer Meinung nach, sondern der Mensch dahinter. „Und man kann andere Menschen nur verstehen, wenn man sie kennenlernt“, so ihre Überzeugung. Aus diesem Grund fing Ursula an, Deutschkurs für Flüchtlinge anzubieten. Zuerst unterrichtete sie nur Kinder, doch schnell kamen Anfragen von Erwachsenen und ganzen Familien hinzu und sie half ihnen auch bei anderen Fragen weiter. „Das Interesse ist groß und ich könnte den ganzen Tag Deutschkurse durchführen“, macht Ursula auf ein Problem aufmerksam. „Uns gehen da die Kräfte aus.“ Dabei sei die deutsche Sprache die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration. „Damit Integration gelingt, braucht es das Engagement von beiden Seiten“, weiß Regina Bellack, die Integrationsbeauftragte der Stadt. „Wir würden uns noch mehr Hilfe von den Gubenern wünschen.“ Das Netzwerk Flucht und Migration suche ständig neue Paten - sei es einfach für Gespräche mit Flüchtlingen im Allerwelts-Sprechcafé, für Deutschkurs oder als Ansprechpartner für Probleme und Fragen jeder Art. „Wie sich die Paten einbringen, können sie selber festlegen“, betont Regina Bellack. Insgesamt engagieren sich in Guben rund 20 Flüchtlingspaten. „Aber wir wissen auch, dass einige Gubener im Hausaufgang als Ansprechpartner für Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft fungieren ohne im Netzwerk aktiv zu seien.“ 

Ingrid hat zu Beginn der Flüchtlingsbewegung in der Spendenkammer gearbeitet. „Schnell wurde ich zum Anlaufpunkt für Fragen von den Flüchtlingen im Wohnheim“, erinnert sie sich. „Ich mache Betreuung auf Zuruf.“ Wer Rat oder Hilfe braucht, kann immer zu ihr kommen. „Ich will aber niemanden bevormunden. Manchmal muss der Mensch auch seine eigenen Erfahrungen machen“, erzählt Ingrid.

Besonders beeindruckend finden die zwei Paten den Respekt und die Achtung vor dem Alter. „Man wird in der Familie aufgenommen und umsorgt“, sagt Ursula. Durch ihre Arbeit mit den Flüchtlingen habe sie einen neuen Blick auf die Welt bekommen.  „Mir wurde klar, welches Glück ich doch habe in Deutschland zu leben“, so Ursula. „Wir leben in Frieden, haben eine Demokratie und ich habe ein Dach über dem Kopf und bin immer satt.“

*Die beiden Flüchtlingspatinnen wollen ihren Nachnamen in der Zeitung nicht nennen, da sie Anfeindungen befürchten.