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In Neuzelle wird wieder gesponnen

Theresia Karge erklärt das Spinn-Abc.
Theresia Karge erklärt das Spinn-Abc. FOTO: Jana Pozar/zar1
Neuzelle. Nach einer Pause von mehr als zehn Jahren können Interessenten im Strohhaus Neuzelle wieder spinnen und stricken oder sich einfach nur treffen und über das Neueste in der Region reden. So war es zumindest in der Vergangenheit der Brauch in den Lausitzer Dörfern, wenn sich die Frauen regelmäßig zur Spinte trafen. Jana Pozar/zar1

Sabine Reichardt vom Strohhaus-Verein war überwältigt vom Interesse an der Wiederbelebung der Spinnstube. "Ich habe mit so einem erstaunlichen Echo nicht gerechnet", gab sie zu. Dabei war das erste Treffen lediglich als Information und Schnuppertag geplant. 15 Frauen wollten sich unbedingt am Spinnrad ausprobieren. "Ich habe zu Hause ein Spinnrad aus einem Nachlass zu stehen. Jeder, der es sieht, fragt, ob ich jetzt auch noch spinnen würde", sagte Gabriela Gärtner aus Müllrose lachend. "Ich bin wild entschlossen, es jetzt zu lernen. Von zum Aussterben verurteilten handwerklichen Fähigkeiten bin ich total fasziniert", versicherte die 61-Jährige. Schließlich sei es die Aufgabe der Omas, das an die Enkel weiterzugeben. "Man findet nicht so schnell jemanden, der einem das Spinnen beibringt. Deshalb bin ich extra nach Neuzelle gekommen", erklärte sie.

Theresia Karge hat sich vor etwa 15 Jahren das Spinnen selbst beigebracht. Sie arbeitet seit einigen Monaten im Strohhaus Neuzelle. Gemeinsam mit Sabine Reichardt hatte sie auch die Idee, zur Spinnstube ins Museum einzuladen. Das Spinnrad surrte leise, als sie mit flinkem Fuß und noch flinkeren Fingern ein gekämmtes und gereinigtes Fellbüschel von Merino-Schafen zu einem feinen Faden spann. Theresia Karge erklärte: "Ein Spinnrad ist wie ein Auto, jedes hat seine Eigenheiten." Deshalb sei es wichtig, dass jeder, der dieses alte Handwerk erlernen möchte, auch ein eigenes Arbeitsgerät hat. Allerdings würden im Strohhaus auch zwei Spinnräder zum Üben bereitstehen. Jeder der will, kann deshalb zu den Öffnungszeiten des Museums seine Fertigkeiten festigen. Am Donnerstag, 30. April, können dann Interessenten zur Spinnstube ins Strohhaus kommen, spinnen lernen, sich Anregungen holen und Erfahrungen austauschen. Los geht es um 16 Uhr.