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| 15:12 Uhr

Biberschäden
Nagendes Problem in Krayne

Veit Völzke, Mathias Huschga und Ortsvorsteher Jürgen Bursch begutachten die neusten Schäden durch den Biber. In diesem Zustand könnte der Baum beim nächsten kräftigen Windstoß umfallen - das bereitet dem Ortsvorsteher Sorge.
Veit Völzke, Mathias Huschga und Ortsvorsteher Jürgen Bursch begutachten die neusten Schäden durch den Biber. In diesem Zustand könnte der Baum beim nächsten kräftigen Windstoß umfallen - das bereitet dem Ortsvorsteher Sorge. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Krayne. Immer mehr Biber: Ortsvorsteher Jürgen Bursch macht sich Sorgen um die Sicherheit. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Gefällte Bäume, geschälte Äste und Stämme, aufgestaute Gräben und unterhöhlte Uferwege - auf jedem Spaziergang durch Krayne und um die Badeteiche entdeckt Ortsvorsteher Jürgen Bursch neue Spuren vom Biber. „Es ist erschreckend, welchen Schaden die Nager anrichten“, sagt er. „Gut 50 alte Bäume haben wir rund um die Seen bereits verloren.“ Viele kleinere Bäume seien außerdem schon komplett geschält, auch ihr Ende sei absehbar. „Ohne die Borke haben die Bäume keine Chance, sie gehen ein“, weiß der Ortsvorsteher.  Er macht sich mittlerweile Sorgen um die Bewohner in Krayne. „Viele Kinder spielen rund um den Badesee“, weiß Jürgen Bursch. „Bei manchen Bäumen fehlt nur noch ein kräftiger Windstoß und sie fallen um. Das ist gefährlich.“

Schäden durch den Biber gehören für die Bewohner von Krayne zum Alltag.  „Der Biber ist nach dem Oder-Hochwasser 2010 zugewandert“, weiß Veit Völzke. „Seitdem vermehren sie sich wie die Fliegen.“ Mehr als 3000 Biber gibt es mittlerweile wieder in Brandenburg. Der Bauernbund schätzt die Zahl sogar auf mindestens 10 000. Zahlen für den Spree-Neiße Kreis gibt es nicht.

Gefällter und geschälter Baum am Krayner Badeteich.
Gefällter und geschälter Baum am Krayner Badeteich. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler

„Der Biber fühlt sich wohl in der Region um Krayne“, bestätigt Mathias Huschga, der stellvertretende Ortsvorsteher von Krayne.  „Sie finden bei uns optimale Bedingungen.“ Der Bauingenieur hat schon öfters Bekanntschaft mit den geschützten Tieren gemacht. „Erst neulich stand wieder ein Biber beim abendlichen Spaziergang mit dem Hund vor mir“, erzählt Mathias Huschga. „Außerdem höre ich sie regelmäßig mit ihrer Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche klatschen, wenn ich am Dorfteich vorbeigehe.“  

Die Krayner haben wenig Verständnis für den im Land Brandenburg praktizierten Biberschutz. „Es werden immer mehr Tiere und sie kommen immer dichter an die Häuser ran“, weiß Jürgen Bursch. Anfangs gab es nur eine Burg in Krayne, mittlerweile zählen die Bewohner fünf. „Der Bestand ist deutlich zu hoch, er muss auf ein überschaubares Maß reduziert werden - egal wie“, findet der Ortsvorsteher.

Auch am Zufluss zwischen den beiden Teichen ist der Biber aktiv. 2012 haben sich die Nager durch den Damm gegraben, der brach überschwemmte die Straße zwischen Krayne und Lübbinchen.
Auch am Zufluss zwischen den beiden Teichen ist der Biber aktiv. 2012 haben sich die Nager durch den Damm gegraben, der brach überschwemmte die Straße zwischen Krayne und Lübbinchen. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler

Veit Völzke bestätigt die rasche Entwicklung der Population. „Im Frühjahr habe ich einmal fünf Jungtiere bei einem Biberpärchen gesehen“, erzählt der Krayner. Sein Grundstück grenzt an den Dorfteich an.  Um seine Bäume vor den Biberzähnen zu schützen, hat er die Stämme mit einem Wildzaun umwickelt. „Aber das hat nicht gereicht. Da hat ihr Kopf durchgepasst“, sagt Veit Völzke. „Also habe ich mir feinmaschigen Kaninchendraht geholt und seitdem lassen sie meine Bäume in Ruhe.“ Die Bewohner fühlen sich mit ihrem Biberproblem alleine gelassen: „Der Gewässerverband kommt zwar jedes Jahr und guckt sich die Gräben ab, aber dann passiert doch wieder nichts.“

Diesem Vorwurf widerspricht der Gewässerverband Spree-Neiße. „Das Problem des Bibers am Buderoser Mühlenfließ, welches von Krayne über Grano nach Bresinchen fließt, verfolgt uns schon seit einigen Jahren“, sagt Geschäftsführer Silvio Alich.  Der Biber habe derzeit alle Reviere am Buderoser Mühlenfließ belegt. „Wie man zum Biber auch steht, Tatsache ist, dass der Biber eine geschützte Art ist und auch wir als Gewässerunterhaltender Biberstaue nicht ohne Genehmigung entfernen dürfen“, betont Silvio Alich. „Gerade in dieser Frage sind wir auf die Zuarbeit der Anwohner angewiesen.“ Der Verband unterhält mit 26 Mitarbeitern rund 1000 Kilometer Gewässer:„Es ist leicht nachzuvollziehen, dass wir daher keine Kontrollfahrten an allen Gewässern durchführen können.“

In Krayne sei der Verband  regelmäßig und besonders oft am Grundstück „An den Teichen 12“ zu Gange, um Biberstaue in Handarbeit zu beseitigen. „Im Jahr 2017 waren wir in Krayne 15 mal im Einsatz“, sagt Silvio Alich. Auf das Problem aufmerksam gemacht, hat sich der Gewässerverband Spree-Neiße in der vergangenen Woche ein Bild von der Lage gemacht. „Wir haben einen Biberstau ausgemacht, den wir zeitnah beseitigen werden“, versichert Silvio Alich. „Man darf jedoch nicht verkennen, dass dies nur temporäre Lösungen sind. Der Biber wird innerhalb kurzer Zeit den Stau wieder neu errichten.“ Zu den Krayner Teichen kann der Geschäftsführer keine Aussage machen, da sie nicht in seiner Unterhaltungspflicht liegen. „Auch wenn ich für den Leidensdruck der Gewässeranlieger volles Verständnis habe, darf nicht vergessen werden, dass es erklärter Wille der Bundes- und Landesregierung ist, dass sich der Biber an unseren Gewässern wieder ansiedelt“, stellt Silvio Alich klar. „Und auch uns bereitet er reichlich Probleme.“