ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:16 Uhr

Jungweinprobe
Der junge Weinkommt auf den Tisch

Mario Hornauer (38) etikettiert den Weissburgunder für die Jungweinprobe am Samstag. Der Spremberger wurde an der Saar zum Winzer ausgebildet, wohnt jetzt in Guben und übernimmt in Grano auch die Aufgaben eines Kellermeisters. Auch Reste des Rosés 2016 werden noch mit Etiketten versehen. Da beim Weißburgunder Trauben aus beiden Standorten verarbeitet werden, fehlt der Hinweis zum Anbauort. Außerdem werden die neuen Jahrgänge künftig in Dreiviertelliterflaschen mit Schraubverschluss abgefüllt.
Mario Hornauer (38) etikettiert den Weissburgunder für die Jungweinprobe am Samstag. Der Spremberger wurde an der Saar zum Winzer ausgebildet, wohnt jetzt in Guben und übernimmt in Grano auch die Aufgaben eines Kellermeisters. Auch Reste des Rosés 2016 werden noch mit Etiketten versehen. Da beim Weißburgunder Trauben aus beiden Standorten verarbeitet werden, fehlt der Hinweis zum Anbauort. Außerdem werden die neuen Jahrgänge künftig in Dreiviertelliterflaschen mit Schraubverschluss abgefüllt. FOTO: Jürgen Scholz / LR
Grano. Tausende Flaschen Wein sind noch am Donnerstag in der  Weinscheune in Grano bei Guben mit Etiketten versehen worden. Am Samstag wird dort der junge Wein des Jahrgangs 2017 vorgestellt. Von Jürgen Scholz

 Schon am Vormittag wird den Gastonomen und Händler aus der Region der junge Wein kredenzt. Bis zu ein Viertel des Weins wird von der Gastronomie abgenommen, erklärt Matthias Jahnke. Der Rest wird über Direktverkauf auch in Berlin und vor allem im östlichen Brandenburg an den Kunden gebracht, unter anderem in der Touristinformation und dem Rewe-Markt  Guben sowie Fachgetränkemärkten. Bei den großen Marktketten wäre der Preisdruck zu groß, räumt Matthias Jahnke ein.

Der Bauunternehmer ist Seiteneinsteiger in Weinanbau, hat zusammen mit seinem Bruder und einem befreundeten Brüderpaar die Weingut Patke GbR gegründet. Patke, so hieß die Goßmutter der Jahnke-Brüder. Als die Frage im Raum stand, was aus der alten Hofstelle wird, fiel 2014 die Entscheidung, aus einem ehemaligen Getreideacker den Weinberg „Pilgrim“ zu machen. Als Anfang 2017 der Weinberg in Grano vom Förderverein Niederlauistzer Weinbau übernommen wurde, wurde das Hobby zum Unternehmen.

Nun warten 9000 Liter verkaufsfertiger Wein auf ihre Abnehmer.  14 Rebsorten werden in Grano bei Guben und Jacobsdorf bei Frankfurt (Oder) angebaut. Ein fachmännisches Auge auf alles hat der aus Spremberg stammende Mario Hornauer. Der 38-Jährige machte an der Saar seine Ausbildung zum Winzer – aber irgendwann zog es ihn wegen der Familie doch wieder zurück in die Lausitz.  Er kümmert sich um den Weinberg und um die Verarbeitung, erledigt also auch die Aufgaben eines Kellermeisters. Dazu gehört am Donnerstag auch das Etikettieren der Flaschen. Hatte der Weinbauverein noch Halbliterflaschen abgefüllt, setzt das Unternehmen auf 0,75-Literflaschen mit Schraubverschluss und neu gestalteten Etiketten. Mehrere Tausend müssen bis zum Jungweinprobe am Samstag fertig sein; denn ebenfalls am Samstag nimmt das Weingut, das zumindest in Ostbrandenburg ein Alleinstellungsmerkmal hat, auch am Weinfrühling in Köpenick teil. Regionale Produkte ziehen – ob in der Großstadt oder bei Gastronomen wie dem Restaurant „Prinz Albrecht“ in Neuzelle, das zu den Abnehmern der Patke-Weine zählt. Eben diese Vermarktungsschiene soll gestärkt werden, wenn am Vormittag zunächst die professionellen Anwender den neuen Wein kosten können. Alle anderen können am Nachmittag ab 14 Uhr vorbeischauen, wenn zur Eröffnung auch der Granoer Chor singt.

Der Kontakt ist gut zu den Granoern, sagt Mathias Patke, und hebt vor allem das Engagement von Ortsvorsteherin Susanne Kunze hervor. Es wird auch Schoppenwein geben und Flamkuchen – und viel Informatives zum Weinbau, den der Förderverein in Grano wiederbelebt hat, bis die Mitglieder zu alt wurden und Jüngere ausblieben.

Weinanbau und -verarbeitung werden professioneller und  mehr mechanisiert, sodass die Bewirtschaftung einfacher fällt. Eine Kühlgärung soll beispielsweise helfen, den Vorgang besser steuern zu können, eine neue, größere  Weinpresse soll kürzere Standzeiten und eine bessere Ausbeute ermöglichen. Auf die Vorfiltration verzichtet man in Grano inzwischen. Es wird nur noch einmal gefiltert. Das sei zwar etwas kostspieliger und dauere etwas länger, so Matthias Jahnke, aber das mache sich auch bei der Qualität bemerkbar – und auf die setze man.

Rund 25 000 Euro sollen investiert und  auch die Rebfläche erweitert werden von 1,6 auf drei Hektar. Wobei die größere Erweiterung um 1,1 Hektar den Pilgrim betriftt, wo eigene Flächen zur Verfügung stehen. In Grano sollen vorerst 2000 Quadrameter hinzukommen. Dazu wird die bisherige Versuchsfläche gerodet und bekommt einen neuen, 3000 Quadratmeter großen Standort. Zehn Traubensorten sollen dort wachsen, pilzresistente Sorten, aber auch Tafeltrauben zum Naschen für Besucher und bei Führungen.

Im kommenden Jahr, so Mathias Jahnke, hoffe man, die Gewinnzone zu erreichen. Ein ausgeglichenes Ergebnis habe man schon erreicht. Das schaffe man aber nur, weil auch viele Freunde und Familienangehörige mithelfen – vom Anbau bis hin zur Direktvermarktung. In Pilgrim, wo auch eine kleine Mutterkuhherde zur Rinderzucht gehalten wird, soll eine Straußenwirtschaft dazu kommen. Nahe am Wohnort sei das einfacher zu organisieren.

Auch der Gubener Apfelwein der Schüler GmbH des Pestalozzigymnasiums wird in Grano gekeltert und Halbliterflaschen abgefüllt.
Auch der Gubener Apfelwein der Schüler GmbH des Pestalozzigymnasiums wird in Grano gekeltert und Halbliterflaschen abgefüllt. FOTO: Jürgen Scholz / LR