Freitagnachmittag, kurz nach 14 Uhr: An der Friedrich-Schiller-Straße geht das Leben seinen gewohnten Gang, kurz vor dem Wochenende herrscht reges Treiben. Und das nicht nur im Kaufland, sondern auch in den umliegenden Geschäften. Nichts deutet mehr darauf hin, dass im Haus mit der Nummer zwei bis vor Kurzem ein Polizeieinsatz lief. Weder auf der Schillerstraße selbst, noch in den angrenzenden Straßen sind blau-weiße Einsatzwagen der Polizei zu entdecken.

Das war wenige Stunden zuvor noch anders. Und auch am Donnerstag, ja selbst am Mittwoch waren bereits Einsatzkräfte vor Ort, um das Geschehen zu rekonstruieren, das sich hier offenbar in der Nacht zum 1. Januar ereignet hat. Dieses Rekonstruieren scheint sich schwierig zu gestalten. So schwierig, dass sich die Polizei anfangs gar nicht zu dem Geschehen äußert. Und auch im weiteren Verlauf lief die Informationen nur behäbig. Das lässt reichlich Raum für Spekulationen. Und so ist in den Gesprächen in der benachbarten Apotheke, beim Friseur oder im Geschenkeladen unter anderem von einer Silversterfeier die Rede und von einem Streit. Von einem Toten, der möglicherweise erstochen wurde. Von einem Täter, der abgeführt worden sein soll. Von bis zu 80 Polizeifahrzeugen und von Kontrollen auf umliegenden Straßen. „Was richtig passiert ist, weiß keiner, es sind alles nur Erzählungen. Aber es ist hier das Gesprächsthema Nummer eins“, sagt die Bewohnerin eines Blockes in unmittelbarer Nähe.

Im Verlauf des Freitags geben Polizei und Staatsanwaltschaft doch einen ersten Überblick. Demnach wurde am Neujahrstag in der Wohnung tatsächlich ein Toter entdeckt. Der Mann sei, so die Staatsanwaltschaft Cottbus, eines unnatürlichen Todes gestorben und habe in der Küche gelegen, eingewickelt in eine Decke. Gefunden hatte ihn ein Bekannter des Mieters. Wie der Mann, der mit zehn bis 15 Personen vor dem Haus ins neue Jahr gefeiert haben soll, in die Wohnung und zu Tode kam, konnte aber noch nicht geklärt werden. Gegen den Mieter wurde jedenfalls Haftbefehl erlassen. Gegen ihn liegt laut Staatsanwaltschaft der Verdacht der Köperverletzung mit Todesfolge vor. Die weiteren Ermittlungen laufen.