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| 18:15 Uhr

Drogen
Immer früherer Einstieg in die Sucht

Dorren Rothe und Marion Swietza vom Immanuel Suchthilfeverbund Guben betreuen aktuell 48 Alkohol- und Drogenabhängige in der Beratungsstelle.
Dorren Rothe und Marion Swietza vom Immanuel Suchthilfeverbund Guben betreuen aktuell 48 Alkohol- und Drogenabhängige in der Beratungsstelle. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Die Immanuel Suchthilfeverbund Guben will Präventivarbeit an Schulen weiter ausbauen. Von Michéle-Cathrin Zeidler

„In Guben ist Alkohol nach wie vor die Droge Nummer eins“, betont Marion Swietza, Leiterin des Immanuel Suchthilfeverbundes Guben, der Träger des Hauses Agape ist. In der Wohnstätte werden aktuell 24 trockene Alkoholiker betreut. „Anders als in Südbrandenburg haben wir noch keine großen Probleme mit Crystal Meth“, ergänzt Doreen Rothe. Die Suchtberaterin berät in der Suchtberatungsstelle derzeit 48 Alkohol- und Drogenabhängige. Insgesamt bewegt sich der Drogenkonsum nach Einschätzung der zwei Beraterinnen auf einem konstanten Niveau. Trotzdem stellen sie zwei gefährliche Entwicklungen fest. „Zum einen sind immer mehr Süchtige von mehreren Substanzen abhängig“, erklärt Doreen Rothe. „Und die Süchtigen werden immer jünger“, fügt Leiterin Marion Swietza hinzu. „Viele Kinder und Jugendliche kommen bereits in jungen Jahren in Berührung mit Zigaretten, Alkohol und anderen Drogen.“ Diese Entwicklung sei besorgniserregend, weil der frühe Konsum eher in eine spätere Abhängigkeit führt.

Auch der Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragen der Bundesregierung bestätigt den frühen Kontakt mit Suchtmitteln. Demnach haben von den zwölf- bis 17-jährigen Jugendlichen 68 Prozent schon einmal Alkohol getrunken. Etwa jeder zehnte Jugendliche und jeder dritte junge Erwachsene konsumiert regelmäßig Alkohol. Der Anteil der zwölf- bis 17-jährigen Jugendlichen, die in den vergangenen zwölf Monaten vor der Befragung Cannabis konsumiert haben, ist ferner auf 7,3 Prozent angestiegen.

„Aus diesem Grund haben wir unsere Präventionsarbeit an Schulen im vergangenen Jahr ausgebaut“, erzählt Marion Swietza. „Wir fangen bereits in der achten Klasse an, denn da halten viele Schüler zum ersten Mal eine Zigarette in der Hand.“ Erst am Montag hat der Immanuel Suchthilfeverbund einen Suchtpräventionskurs mit Schulverweigerern durchgeführt. „Seit das Thema Crystal Meth medial präsent ist, ist die Nachfrage vonseiten der Schulen und Eltern deutlich größer“, beobachtet Marion Swietza. Dabei sei ihrer Erfahrung nach die beste Prävention ein ehrliches Interesse am Kind. Der Suchthilfeverbund berät Eltern kostenfrei und individuell. Die Gespräche erfolgen anonym.

Doch die Suchtpräventionskurse sind nicht die einzige neue Entwicklung im Immanuel Suchthilfeverbund Guben. Seit einem dreiviertel Jahr wird in der Wohneinrichtung eine tiergestützte Therapie durchgeführt. „Tiere sind oft ein sehr einfacher Weg, sich die Welt von demenzkranken und depressiven Heimbewohnern zu erschließen“, weiß Marion Swietza. Die fünf Hunde seien speziell abgerichtet: „Dieses alternative Angebot kommt sehr gut an.“

Außerdem neu: die Nada-Akupunktur, die ambulante Suchtnachsorge und das Selbstkontrolltraining (Skoll). „Für das Selbstkontrolltraining suchen wir noch weitere Teilnehmer“, sagt Doreen Rothe. Bei diesen Programm steht der verantwortungsbewusste Umgang mit Suchtstoffen und anderen Suchtphänomenen im Fokus. Weiterhin konnten sich im vergangenen Jahr zwei Selbsthilfegruppe etablieren. „Hier können sich Menschen mit Suchtproblemen den Frust von der Seele reden und treffen auf Verständnis und Akzeptanz“, sagt Marion Swietza. Für das Treffen am Dienstag um 15 Uhr sind noch Plätze frei. „Bis März wollen wir außerdem die Räumlichkeiten umbauen. Es soll ein Werkraum für die kreativen Arbeiten der Selbsthilfegruppen entstehen“, so die Leiterin.