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| 16:20 Uhr

Zusammenarbeit
Im Team durch die Grenzstadt

Bernd Wichmann und Julita Cholewínska sind seit April 2017 im Team auf Streife in Guben und Gubin.
Bernd Wichmann und Julita Cholewínska sind seit April 2017 im Team auf Streife in Guben und Gubin. FOTO: Daniel Schauff
Guben/Gubin. Zwei Polizisten, zwei Sprachen, eine Mission: mehr Verständigung und Zusammenarbeit. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Bernd Wichmann und Julita Cholewínska sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Seit April vergangenen Jahres gehen die zwei Polizisten auf gemeinsame Streife durch die Doppelstadt an der Neiße. „Wir haben zwar am 1. April angefangen, sind aber kein April-Scherz“, schmunzelt Bernd Wichmann. Alle zwei Wochen holt er seine polnische Kollegin in Gubin ab und dann geht es im Tandem mit dem Auto oder auch zu Fuß zum gemeinsamen Dienst. „Auf der Gubiner Seite führt sie die Einsätze und in Guben ich“, erklärt Bernd Wichmann die Verantwortlichkeiten. Beide halten dabei mit ihren Leitstellen Kontakt über Funk.

„Wir machen ganz normale Revierarbeit“, so Bernd Wichmann. „Wir gehen Haftbefehlen nach, ermitteln Aufenthalte und stehen im Kontakt mit den Bürgern.“ Außerdem unterstützen die zwei Beamten ihre Kollegen in der Doppelstadt bei Einsätzen mit Bürgern aus der jeweils anderen Stadthälfte. „Anfang des Jahres ist beispielsweise ein polnischer Lkw-Fahrer am Grenzübergang bei Schlagsdorf in den Graben gerutscht“, erzählt Bernd Wichmann. Zur Absicherung der Unfallstelle wurde die deutsch-polnische Streife gerufen. „Der Fahrer war ziemlich verunsichert“, erinnert sich Bernd Wichmann. „Durch die Anwesenheit und die Erklärungen meiner polnischen Kollegen hat er sich dann aber schnell entspannt.“  Zwar hätte auch Bernd Wichmann dem Fahrer auf Polnisch die Vorgehensweise erklären können, aber oftmals beruhige die Uniform der eigenen Polizei.

„Ich sage immer, dass ich zu 90 Prozent polnisch spreche“, erzählt Bernd Wichmann. Der Polizist wohnt nämlich bereits seit elf Jahren in Gubin und er ist seit 25 Jahren mit einer Polin verheiratet: „Im Einsatz gab es noch keine Situation, in der ich nicht weiter kam. Fehlt mir eine Vokabel, dann benutze ich einfach eine andere Formulierung.“

Obwohl die Straßenverkehrsordnungen in Deutschland und Polen identisch sind, kommt es trotzdem immer wieder zu Missverständnissen. „Sie werden in beiden Ländern unterschiedlich ausgelegt und einige Verstöße werden in Polen toleriert“, erklärt Matthias Rammholdt, Revierleiter in Guben. Daher leisten die zwei sprachbegabten Beamten Aufklärungsarbeit. „In der Frankfurter Straße lässt sich das gut beobachten“, verrät Bernd Wichmann. So sei es in Polen beispielsweise üblich, mit 20 Kilometern pro Stunde im verkehrsberuhigten Bereich zu fahren. „Eigentlich sind hier aber nur sieben Kilometer pro Stunde, also Schrittgeschwindigkeit erlaubt“, erklärt Bernd Wichmann. Auch mit dem Rechtsfahrgebot nehme man es jenseits der Neiße nicht so streng. „Deswegen wird oftmals auf der linken Straßenseite entlang der Fahrtrichtung geparkt“, weiß der Polizist.

Durch die regelmäßige deutsch-polnische Streife wird auch die Verwaltung entlastet. „Fundsachen und Dokumente können unkompliziert übergeben werden und müssen nicht mehr zum gemeinsamen Zentrum der Deutsch-Polnischen Polizeizusammenarbeit nach Swieck geschickt werden“, nennt der Revierleiter einen weiteren Vorteil. „Auch das Feedback aus der Bevölkerung ist durchweg positiv.“

Seit 2012 werden in Brandenburg, gefördert durch die Europäische Union, deutsche und polnische Polizisten im Tandem gegen Grenzkriminalität ausgebildet. „Eine ordentliche Zusammenarbeit der Polizisten in der Grenzregion ist unabdingbar und zwingend erforderlich“, betont Rammholdt. „Wir können nicht nur nebeneinander arbeiten.“ Ein weiterer Ausbau der deutsch-polnischen Streife sei daher wünschenswert: „Aber da sind andere Entscheidungsträger zuständig.“