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Im Tagebau ruht die Arbeit länger

Einer der beiden Vorschnittbagger im Tagebau Welzow-Süd.
Einer der beiden Vorschnittbagger im Tagebau Welzow-Süd. FOTO: trt1
Die Welzower können nachts jetzt ruhiger schlafen. Denn seit einiger Zeit gibt es im nahen Tagebau keine nächtlichen Durchsagen im mehr. Die Ruhepause wurde sogar um eine Stunde verlängert. Doch ganz geräuschlos ist die Grube dennoch nicht. Torsten Richter / trt1

Welzow. Neun Stunden Ruhe: Denn zwischen 21 und 6 Uhr dringt kein Wort mehr aus dem Tagebau Welzow-Süd nach außen. Beziehungsweise aus den Lautsprechern an den Großgeräten. Diese Durchsagen hatten zahlreiche Einwohnern einen unruhigen Schlaf beschert. Insbesondere bei Ostwind, wenn sämtliche Geräusche in die Stadt am Westrand der Grube getragen wurden. "Wir haben die Stummschaltephase im Tagebau um eine Stunde verlängert", erklärt Vattenfall-Tagebau-Referent Henrik Ansorge. "Und zwar von 5 auf 6 Uhr. Er wisse natürlich auch von einzelnen Beschwerden von Welzowern, die behaupten, dennoch entsprechende Durchsagen zu hören. "Wenn es tatsächlich so sein sollte, bitte ich um zeitnahe und sachliche Hinweise", so Ansorge. Denn eigentlich laufe die nächtliche Kommunikation jetzt optisch statt akustisch.

Bergbau-Betreiber Vattenfall hält Ansorge zufolge stets die vom Landesbergamt vorgegebenen Lärm-Richtwerte ein. Zweimal im Jahr messe ein unabhängiger Gutachter die Geräusche. "Wir wissen nicht, wann die Messungen erfolgen", erklärt Ansorge. Allerdings gibt der Fachmann zu bedenken, dass der Tagebaubetrieb nicht völlig lautlos verlaufen könne. "Aber wir behaupten ja auch nichts anderes."

Ein zweites Ärgernis in Welzow ist die bisweilen wieder verstärkt auftretende Staubbelastung in manchen Teilen der Stadt. Doch Sandstürme bräuchten die Einwohner indes keineswegs zu befürchten. Denn die Bergleute haben bereits vorgesorgt. Und zwar durch rund 40 imposante Lanzen am Tagebaurand, die bei entsprechender Wetterlage Wasser auf das trockene lose Material verteilen. Die Sprühgalerie funktioniere vollautomatisch. Sie decke eine Strecke von einem Kilometer ab und wandere mit dem laufenden Tagebaubetrieb mit.

Für die ehemalige Ortslage Haidemühl wird indes noch um eine Lösung gerungen. Die frühere Gemeinde wurde bereits vor knapp einem Jahrzehnt an den neuen Standort bei Spremberg umgesiedelt. Dennoch konnten noch längst nicht alle alten Gebäude abgerissen werden. "Diese Flächen werden von Insolvenzverwaltern betreut. Es gibt ein entsprechendes Gerichtsverfahren", erklärt Henrik Ansorge. Sein Unternehmen wolle die Areale erwerben. Die Ortslage werde nach jetzigem Stand in der Endphase des Teilfeldes I des Tagebaus Welzow-Süd um das Jahr 2026 überbaggert.

Im März sollen die Umsiedlungsverhandlungen für den Wohnbezirk V und den Liesker Weg beginnen. Beide Wohngebiete sollen laut Vattenfall-Planungen für das vorgesehene Tagebau-Teilfeld II überbaggert werden. "Sobald der Umsiedlungsvertrag unterschrieben ist, kann es losgehen", sagt Ansorge. Allerdings will das Land Brandenburg erst in diesem Jahr über den entsprechenden Braunkohlenplan für das Teilfeld II entscheiden. Der Tagebaureferent weist daraufhin, dass aus technologischer Sicht spätestens im Jahr 2022 die Umsiedlung erfolgen müsse. Proschim wäre 2024 an der Reihe. Allerdings wolle der dortige Ortsbeirat darüber nicht verhandeln.

Zum Thema:
Der gesamte Tagebau Welzow-Süd einschließlich der bereits rekultivierten Bergbaufolgelandschaft umfasst eine Fläche von rund 88 Quadratkilometern. Würde das Teilfeld II aufgeschlossen, kämen nochmals 1900 Hektar hinzu. Pro Jahr werden aus der Grube inzwischen über 20 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Damit ist Welzow-Süd der leistungsstärkste Tagebau im Lausitzer Revier.