| 02:44 Uhr

Im Gespräch mit dem Stadtchef

Der amtierende Bürgermeister hatte zur themenoffenen Gesprächsrunde eingeladen, nur zehn Gubener kamen.
Der amtierende Bürgermeister hatte zur themenoffenen Gesprächsrunde eingeladen, nur zehn Gubener kamen. FOTO: S. Halpick
Guben. Waren es die Unwetterwarnung, die falsche Terminankündigung in der RUNDSCHAU oder Desinteresse? Nur knapp zehn Gubener haben sich an der ersten öffentlichen Bürgermeistersprechstunde mit dem amtierenden Verwaltungschef Fred Mahro am Mittwochabend beteiligt. Diskutiert wurde über den Zustand der Straßen, EU-Fördermillionen und Schandflecken. Silke Halpick

"Schade", sagt auch Mahro. Die Idee für die themenoffene Gesprächsrunde stammt von ihm. Gubener hatten sich beschwert, dass bei den Einwohnerfragestunden im Rahmen der Stadtverordnetenversammlungen oft zu wenig Zeit sei, um die Themen ausführlich zu diskutieren. Nun steht der Verwaltungschef Rede und Antwort - ganz ohne Tagesordnung und ohne Begrenzung der Redezeit.

Woher das Geld für den Wiederaufbau der Villa Wolf in Gubin stammen soll und ob EU-Fördermittel dafür fließen, will ein Einwohner wissen. Mahro sagt, dass das Mies-van-der-Rohe-Projekt ausschließlich aus Spendengeldern finanziert werde. Gleichzeitig betont er, dass auch Guben immer noch von der EU-Fördermittelquote von 80 Prozent profitiere. "50Prozent des Gesamtbudgets für Infrastruktur haben wir jetzt nach Guben geholt", sagt er. Für 2,3 Millionen Euro sollen die Berliner und die Bahnhofsstraße ausgebaut werden.

Warum die Cottbuser Straße keine Rolle spiele, fragt ein anderer Zuhörer. Die ehemalige B 320 wird von vielen Gubenern genutzt, der Zustand der Fahrbahn und des Radweges sei schlecht. "In den nächsten vier Jahren ist der grundhafte Ausbau nicht vorgesehen", stellt Mahro klar. Der Stadt stehen pro Jahr vier Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Ziel sei es, möglichst viel mit Fördermitteln zu realisieren. Für die Cottbuser Straße müsste Guben hingegen "100 Prozent eigenes Geld in die Hand nehmen", wie Mahro betont.

Auch über Schandflecken im Stadtgebiet wurde gesprochen:

Das Hochhaus in der Schillerstraße steht schon seit 2006 leer, wird vermutlich aber auch in den nächsten 15 Jahren nicht abgerissen werden, wie Mahro erklärt. Der Grund ist der Funkmast auf dem Dach. Eigentlich sollte dieser an einen neuen Standort wechseln, was aber am Protest der betroffenen Anwohner scheiterte.

Die ehemalige Otto-Grotewohl-Schule ist vom Landkreis Spree-Neiße an einen privaten Investor verkauft worden, der Eigenheime auf dem Gelände bauen wollte. Doch dafür gab es zu wenig Interessenten. Der nächste Käufer plante ein Asylbewerberheim, was von der Stadt aber abgelehnt wurde.

Für die frühere Wilhelm-Pieck-Schule werden aktuell Möglichkeiten des altersgerechten Wohnens "entwickelt", wie der amtierende Bürgermeister informiert. "Die Idee ist nicht neu", sagt er. Mahro rechnet damit, dass bis September Ergebnisse vorliegen. Betreiber könnten die Gubener Sozialwerke oder ein Dritter werden, betont er.

Die Ex-Fischfabrik wird nochmals zum Verkauf ausgeschrieben, erklärt der amtierende Bürgermeister. Das hatten die Stadtverordneten vor Kurzem so entschieden. Auf die letzte Ausschreibung hin hatte sich zwar ein Interessent gemeldet, der aber offenbar nicht restlos überzeugen konnte.

Der neue Besitzer des Volkshauses hält an seinen Plänen, ein Fahrradhotel zu etablieren, fest, sagt Mahro. Der Bauantrag sei genehmigt und zwei Jahre lang gültig. Bislang werde allerdings noch ein Betreiber gesucht, heißt es. Seit Kurzem hat der Biergarten wieder geöffnet.

Zum Thema:
Gubens amtierender Bürgermeister Fred Mahro führt seit der Suspendierung von Klaus-Dieter Hübner (FDP) die Geschäfte in der Stadt. Viel Kritik vor allem von Hübner-Befürwortern muss er seit der letzten Bürgermeisterwahl einstecken. Trotz der geringen Beteiligung bei der Premiere will Mahro an weiteren öffentlichen Bürgermeistersprechstunden festhalten, wie er ankündigt. Der nächste Termin ist Ende Juli/Anfang August geplant.