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| 14:02 Uhr

Ehrenamt
Im Einsatz für die Senioren

Wolfgang Nieschan setzt sich in der Gemeinde Schenkendöbern für die Senioren ein. Er sucht für einige Ortsteile noch Seniorenbetreuer.
Wolfgang Nieschan setzt sich in der Gemeinde Schenkendöbern für die Senioren ein. Er sucht für einige Ortsteile noch Seniorenbetreuer. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Lauschütz. Wolfgang Nieschan kämpft in der Gemeinde Schenkendöbern gegen Vereinsamung im Alter. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Knapp die Hälfte der 3618 Einwohner in Schenkendöbern sind über 60 Jahre alt. Um dieser breiten Bevölkerungsgruppe eine Stimme in der Gemeindeverwaltung zu verleihen, ist Wolfgang Nieschan seit 2017 der offizielle Seniorenbeauftragte der Gemeinde Schenkendöbern. „Nach der Wende sind die Gruppen der Volkssolidarität zurückgegangen. Dadurch hat die Seniorenarbeit heute keinen so guten Stand mehr wie früher“, erklärt der Ehrenamtler das Problem.  Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben seien viele Senioren nicht mehr in das soziale Leben integriert.  „Auch sind in den Dörfern die Zentren des Zusammentreffens wie Gaststätten und Einkaufsläden weggebrochen“, weiß der Seniorenbeauftragte. Daher sei es wichtig, Räumlichkeiten und Möglichkeiten für den Austausch zu schaffen. „Nur so kann der Vereinsamung entgegengewirkt werden“, betont Wolfgang Nieschan.

Als Seniorenbeauftragter ist er Ansprechpartner für ältere Menschen sowie deren Angehörige. Er hilft in Krisensituationen und vermittelt an geeignete Ämter und Institutionen. Gleichzeitig nimmt der Lauschützer Anregungen und Beschwerden aus der Bevölkerung entgegen. „Mir ist es wichtig, dass die Senioren nicht abgehängt werden“, sagt Wolfgang Nieschan zu seinen Beweggründen. Ungerechtigkeit kann der Rentner nicht mit ansehen: „Ich bin nicht glücklich, wenn es mir gut geht, aber mein Nachbar nicht weiß, wie er Essen auf den Tisch bekommen soll.“

In die Position als Seniorenbeauftragter ist Wolfgang Nieschan dennoch eher „hineingerutscht“. Er war schon immer ein aktives Gemeindemitglied und interessiert an den Belangen seiner Mitbürger. „Im Jahr 2000 bin ich nach Lauschütz gezogen und durch die Größe des Ortes habe ich schnell viele Kontakte geknüpft“, sagt Wolfgang Nieschan. In jedem zweiten Haus in Lauschütz wohnen Senioren, daher fielen ihm schnell deren Probleme auf. Durch seine mehrjährige Tätigkeit als Stadtverordneter in Forst kennt der 74-Jährige außerdem die Abläufe in der Verwaltung gut.

„Als ich vor fünf Jahren für die Organisation einer Veranstaltung in der Gemeindeverwaltung war, sprach mich der Bürgermeister an“, erinnert sich Wolfgang Nieschan. Peter Jeschke war sein Einsatz für die Senioren aufgefallen: „Er fragte mich, ob ich nicht die Gemeinde im Kreisseniorenbeirat in Forst vertreten will.“ 2017 wurde Wolfgang Nieschan schließlich von der Gemeindeversammlung zum Seniorenbeauftragten ernannt, seit Mai 2018 bekommt er dafür auch eine feste Pauschale von 100 Euro.

Seitdem der ehemalige Tischler als Seniorenbeauftragter arbeitet, baut er sich ein Netzwerk von Seniorenbetreuern in den einzelnen Ortsteilen aus. In Lübbinchen, Bärenklau, Groß Gastrose, Sembten, Groß Drewitz, Atterwasch, Pinnow und Lauschütz habe er bereits Ansprechpartner gefunden. Für die anderen Ortsteile sucht der Seniorenbeauftragte noch Unterstützer. Interessenten können sich melden (Telefon 03569360144).

„In den Dörfern mit Seniorenbetreuer haben sich Gruppen von 15 bis 30 Senioren gegründet, die sich regelmäßig treffen“, erklärt der Senior. Seine Aufgabe sei es, diese Treffen inhaltlich zu bereichern. So gab es im vergangenen Jahr beispielsweise einen Vortrag zur Steuererklärung für Senioren und eine Information von der Betreuungsbehörde über die richtige Vorsorge an Dokumenten.

Generell sieht Wolfgang Nieschan ein großes Problem in der Seniorenarbeit: „Es gibt mittlerweile viele Programme, aber bei Menschen vor Ort kommt nichts an.“ Das will er gerne ändern. Außerdem macht er sich dafür stark, dass die medizinische Versorgung in Schenkendöbern besser wird. „Wir sind die einzige Gemeinde im Landkreis ohne Hausarzt“, weiß Nieschan. Seine Hoffnung sind medizinische Fachkräfte, die zwei bis dreimal im Monat in die Gemeinde kommen: „Das wäre eine große Erleichterung für die Menschen“, sagt Wolfgang Nieschan.