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| 16:12 Uhr

Guben
Im E-Bus über die Grenze

Mit der neuen Verbindung zwischen Gubener Bahnhof und Gubiner Busbahnhof können auch regionale Linien verknüpft werden.
Mit der neuen Verbindung zwischen Gubener Bahnhof und Gubiner Busbahnhof können auch regionale Linien verknüpft werden. FOTO: Elisabeth Wrobel / lr
Guben. Guben holt mit einzigartigem Projekt rund eine halbe Million Fördermittel an die Neiße. Von Silke Halpick

Mit einem völlig neuen Ansatz für den grenzüberschreitenden Nahverkehr hat die Stadt Guben jetzt mehr als eine halbe Million Euro an EU-Fördermitteln an die Neiße geholt. Als „Sahnehäubchen“ des Projektes gelten Elektrobusse, die möglicherweise schon in den nächsten Jahren durch die Doppelstadt Guben-Gubin rollen könnten.

Vorbild hierfür ist ausgerechnet eine polnische Stadt.  „In Zielona Gora soll jetzt die Hälfte der Busflotte auf Elektro-Antrieb umgestellt werden“, sagt Krzysztof Zdobylak. Der studierte Jurist ist im Gubener Rathaus zuständig für deutsch-polnische Kontakte und auch Verantwortlicher für das Interreg-Projekt mit dem sperrigen Namen „GUB-E-BUS – gemeinsame grenzüberschreitende Mobilität in der Eurostadt Guben-Gubin“. In seiner jüngsten Sitzung hat der Interreg-Begleitausschuss die Fördermittel jetzt bewilligt. 640 000 Euro gibt es insgesamt. Den Eigenanteil von rund 100 000 Euro teilen sich die beiden Städte Guben und Gubin.

Wann mit Elektrobussen in Guben zu rechnen ist, kann der amtierende Bürgermeister Fred Mahro allerdings noch nicht sagen. Gekauft werden müssen diese Fahrzeuge ohnehin vom Unternehmen DB Regio Bus Ost, dem aktuellen Betreiber des Öffentlichen Personennahverkehrs in Spree-Neiße. Die Stadt will mit ihrem Konzept aber „die Theorie mit einem großen Schuss Realität verbinden“, wie Mahro sagt, und Umsetzungsmöglichkeiten aufzeigen.

Der E-Bus ist für den amtierenden Bürgermeister auch nur das „Sahnehäubchen“ des Interreg-Projektes. Hauptsächlich geht es darum, die bereits vorhandenen Verkehrsstrukturen auf deutscher und polnischer Seite miteinander zu verknüpfen. „Wenn ein Gubiner nach Zielona Gora will, braucht er mit dem Bus mindestens sechs Stunden“, erzählt Zdobylak. Deshalb nutzen schon heute viele seiner Landsleute den Zug, fahren vom Gubener Bahnhof aus nach Frankfurt (Oder) und weiter in Richtung Warschau. Das spart bis Zielona Gora zwei Stunden Fahrtzeit.

Aber auch die Gubener können von der neuen, grenzüberschreitenden Verbindung profitieren. So soll der Überlandbus aus Forst (858) durch die geänderte Linienführung künftig auch das Neißecenter in der Karl-Marx-Straße ansteuern. Anschließend geht es weiter zum Bahnhof und über die Grenze zum Busbahnhof in Gubin. Auch der Gubiner Bus, der aus Zielona Gora kommt, soll künftig über die große Neißebrücke fahren und den Gubener Bahnhof ansteuern.

Dass sowohl der deutsche Busbetreiber in Polen als auch das polnische Verkehrsunternehmen in Deutschland unterwegs ist, ist bisland einmalig. „Das gibt es im ganzen deutsch-polnischen Grenzraum nicht“, bestätigt Carsten Jacob, Geschäftsführer der Euroregion Spree-Neiße-Bober in Guben. Bei allen anderen grenzüberschreitenden Nahverkehrs-Systemen wie von Frankfurt (Oder) nach Slubice oder von Görlitz nach Zgorzelec werden die Linien nur einseitig von deutschen Verkehrsunternehmen betrieben.

„Es werden keine Doppelstrukturen geschaffen und der Bus gebundene Verkehr optimal miteinander verknüpft“, lobt Jacob. Bereits ab dem 8. Juli soll die neue Linie in Betrieb gehen, kündigt Fred Mahro an. Gut für die Fahrgäste: Die Fahrscheine behalten ihre Gültigkeit bis zum neuen Endpunkt der Buslinien.