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| 02:39 Uhr

Hundsgemein und teuer

Hunde-Hinterlassenschaften sind ein Ärgernis für viele. In Schenkendöbern will die Verwaltung nun die Bürger noch einmal aufrütteln.
Hunde-Hinterlassenschaften sind ein Ärgernis für viele. In Schenkendöbern will die Verwaltung nun die Bürger noch einmal aufrütteln. FOTO: dpa/Oliver Berg
Spree-Neiße/Cottbus. Hinterlassenschaften von Hunden sind bares Geld für die Kommunen, denn wer hinter dem Vierbeiner nicht aufräumt, muss zahlen – theoretisch. Daniel Schauff

Mindestens fünf Mal 35 Euro finden sich auf dem kurzen Wegstück zwischen Frankfurter Straße und Rathaus in Forst, rund sechs Mal 20 Euro auf der Schillerstraße zwischen Möbelmarkt und Hochhaus in Guben und ganze Reichtümer finden sich am Rand des Schleichweges hinter der Paul-Werner-Oberschule in Cottbus. Nicht weniger lukrativ wäre der Spremberger Stadtpark.

Auch in ländlicheren und weniger anonymen Gemeinden herrscht offenbar "Tretminen-Gefahr", wie der Schenkendöberner Gemeindevertreter Wilfried Buder (Heimat und Zukunft - Hier) in der jüngsten Gemeindevertretersitzung aus Grabko zu berichten wusste. Für Passanten seien manche öffentlichen Wege eine regelrechte Zumutung.

Rein theoretisch bedeutet eine liegen gelassene Hunde-Hinterlassenschaft für Städte und Gemeinden einerseits zwar Ärger, andererseits aber auch Geld.

Verwarngelder von zehn bis fast 60 Euro sehen die Bußgeldkataloge in den Spree-Neiße-Zentren und in Cottbus vor. Das Problem jedoch: Die Liegenlasser müssten auf frischer Tat ertappt werden. Denn sonst gibt es keinen Nachweis darüber, dass genau der Hund genau dieses Wegstück verschmutzt hat.

Dass ein Hundehalter tatsächlich irgendwann einmal zur Kasse gebeten wird, ist selten. Die vielerorts aufgestellten Hundetoiletten mit Beutel und Eimer haben nur wenig geholfen - meist sind die Tüten innerhalb weniger Stunden futsch, weil Unbekannte gleich ganze Rollen aus den Spendern nehmen, wie es in Cottbus wiederholt geschehen ist. Viele Hundehalter ignorieren das Angebot der Kommunen gänzlich.

In Golßen (Dahme-Spreewald) hatte der Bürgermeister bei einer ähnlichen Diskussion über Verschmutzungen durch Hunde mehr Zivilcourage von den Bürgern gefordert - es helfe hin und wieder, wenn sie Hundehalter ansprächen, sobald sie nicht ordnungsgemäß hinter ihrem Vierbeiner aufräumen.

Dass eine derartige Zivilcourage allerdings auch nach hinten losgehen kann, berichtet eine junge Frau aus Cottbus, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Jüngst habe sie einen Hundehalter gebeten, die Hinterlassenschaft auf dem Gehweg zu entsorgen. Ihr wurde daraufhin Gewalt angedroht.

Den Hinweis an die Bürger übernimmt in Schenkendöbern nun die Gemeindeverwaltung. Im nächsten Amtsblatt sollen die Hundehalter in der Gemeinde noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass das unverzügliche Entfernen von Hunde-Hinterlassenschaften Pflicht sei und dass Zuwiderhandlungen mit einem Verwarngeld geahndet werden können. Dauer-Liegenlasser müssen sogar mit einem Bußgeld rechnen - und das hat es in sich. In Forst und Guben etwa werden bis zu 500 Euro fällig, in Cottbus sogar bis zu 1000 Euro.

Dass die Hundesteuer, die Hundehalter überall in Deutschland an die Kommune zahlen müssen, auch die Kosten für die Straßenreinigung abdeckt, ist ein Fehlglaube. Die Steuer ist eine sogenannte Gemeindesteuer und dient keiner festen Aufgabe der Kommune. Sie kann mit den Einnahmen aus der Hundesteuer beliebige kommunale Aufgaben erfüllen.

Zum Thema:
Dass viele Hundehalter argumentieren, fürs Reinigen von Straßen und öffentlichen Plätzen zahlten sie doch Hundesteuer, kommt nicht von ungefähr. Als einziges Haustier wird der Hund besteuert, was viele Halter als Ungerechtigkeit ansehen. Auch deshalb hat sich in den vergangenen Wochen eine Diskussion um die Katzensteuer entwickelt, die jedoch von den Verwaltungen skeptisch gesehen wird. Ein Argument ist der Aufwand, da viele Katzen streunten und nicht einem Besitzer zugeordnet werden könnten.