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Horno säuberlich seziert

Erste Ergebnisse ihrer akribischen Arbeit haben die Wissenschaftler in einem Buch über Horno zusammengefasst, weitere sollen folgen. Archäologe Dr. Eberhard Bönisch zeigt einen Übersichtsplan des alten Horno. Die Bauforscherin Andrea Sonnleitner hörte gestern bei der Buchpräsentation den Worten des Kollegen zu.Das Horno-Buch ist ab sofort für 14 Euro im Buchhandel und im Forster Textilmuseum erhältlich.
Erste Ergebnisse ihrer akribischen Arbeit haben die Wissenschaftler in einem Buch über Horno zusammengefasst, weitere sollen folgen. Archäologe Dr. Eberhard Bönisch zeigt einen Übersichtsplan des alten Horno. Die Bauforscherin Andrea Sonnleitner hörte gestern bei der Buchpräsentation den Worten des Kollegen zu.Das Horno-Buch ist ab sofort für 14 Euro im Buchhandel und im Forster Textilmuseum erhältlich. FOTO: Bernd-Volker BrahmsRepro: LR
Forst.. Als sich abzeichnete, dass Horno dem Braunkohletagebau weichen muss, da machten sich 22 Wissenschaftler an die Arbeit, um das Wissen um den Ort zu bewahren. „Das Projekt sucht in ganz Europa seinesgleichen“ , sagte der Landesarchäologe Dr. Franz Schopper gestern bei einer Buchpräsentation im „Hornoer Krug“ . Noch nie zuvor sei ein Dorf derart akribisch seziert worden. Am Rande der Veranstaltung schloss ein Vattenfall-Vertreter aber grundsätzlich aus, dass sich der Konzern an den laufenden Kosten für das Dokumentationszentrum beteiligen werde. Von Bernd-Volker Brahms

Bei dem Buch handele sich zunächst einmal um eine Zwischenbilanz, sagte Archäologe Dr. Franz Schopper gestern. Auf 235 Seiten mit dem Titel „Was bewahren die Forscher von Horno?“ seien zunächst einmal erste Ergebnisse zusammengetragen worden. Umfangreiche wissenschaftliche Publikationen würden folgen. Horno sei der bestdokumentierte Ort in Europa, „den es jetzt leider nicht mehr gibt“ , wie Franz Schopper formulierte.
In sehr anschaulicher Weise und mit rund 350 Bildern bestückt, bietet das Buch einen Überblick über die historische Entwicklung des Ortes. Archäologen fanden beispielsweise einen Brunnen, dessen Bau später auf das Jahr 1229 datiert werden konnte. Der Fund gebe Hinweise auf die früheste Besiedlung. Die Großteil der Arbeit bezog sich allerdings auf die Untersuchung der Gebäude. Als Baudenkmäler habe es in Horno die Kirche und das 1933 errichtete Sägewerk gegeben, erläuterte Andrea Sonnleitner von der Baudenkmalpflege. Obwohl die meisten Häuser keine hundert Jahre alt gewesen waren, hätten sie sich durch ihre „vielen Bauphasen“ ausgezeichnet.
„Bei der Kirche wurde jede Schippe Sand gesiebt“ , erläuterte Dr. Eberhard Bönisch, ein Experte für Braunkohlearchäologie. In Fußbodenritzen seien beispielsweise Nadeln gefunden worden. Diese hatten Frauen sich in die Haare gesteckt und sie dann beim Kirchgang verloren.
„Daran konnten wir feststellen, wo die Frauen vor Jahrhunderten in der Kirche gesessen haben“ , sagte Eberhard Bönisch und illustrierte damit beispielhaft die mühselige Forschungsarbeit.
Interessante Kapitel des Buches sind aber auch „Die Blütenpracht der Hornoer Gärten“ , „Hornoer Bräuche“ und „Sprachliche Zeugnisse der Ortsgeschichte.“ Letzteres Kapitel widmet sich der Analyse von Namen der Flurstücke, Straßen, Höfen und Familien. Hieraus ist die sorbische Tradition des Ortes ersichtlich.
Die Finanzierung des gesamten Projektes und auch des jetzt vorgestellten Buches lag in den Händen des Energiekonzerns Vattenfall. „Wir waren zwar gesetzlich dazu verpflichtet“ , sagte Detlev Dähnert, der Leiter des Bereiches Liegenschaften und Rekultivierung bei Vattenfall. Jedoch stelle die Arbeit durch ihre Einzigartigkeit auch etwas Besonderes für sein Unternehmen da, so Detlev Dähnert.
Auf die Frage, ob die Ergebnisse der Wissenschaftler in das im nächsten Jahr öffnende Dokumentationszentrum in Horno einfließen werde, blieb der Vattenfall-Vertreter jedoch unkonkret. Dies werde einen „entsprechenden Eingang“ finden, sagte Detlev Dähnert.
Allerdings werde sich Vattenfall ohnehin, wie vertraglich abgesichert, mit der Eröffnung des Doku-Zentrums zurückziehen. „Für den laufenden Betrieb muss dann eine andere Finanzierung gefunden werden“ , so Detlev Dähnert.
Zwar sei die Stadt Forst als Träger des Projektes wegen einer Finanzierung an den Konzern herangetreten, jedoch werde es bei einem definitiven Nein bleiben. Die jährlichen Kosten werden voraussichtlich im sechsstelligen Euro-Bereich liegen.