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| 02:40 Uhr

Hoffen auf polnischen Einkaufstempel

Mehr Zulauf in der Gubener Innenstadt erhoffen Stadtplaner von der "Galeria Luzycka" auf polnischer Seite.
Mehr Zulauf in der Gubener Innenstadt erhoffen Stadtplaner von der "Galeria Luzycka" auf polnischer Seite. FOTO: S. Halpick
Guben. Die Gubener Innenstadt kann vom geplanten Einkaufszentrum auf polnischer Seite profitieren. Ein weiterer Lebensmittelmarkt in der Karl-Marx-Straße bringt hingegen die bestehenden Händler in Bedrängnis. So sehen es Stadtplaner, die im Auftrag Gubens das Einzelhandelskonzept aus dem Jahr 2009 aktualisiert haben. Silke Halpick

Jedem Gubener Bürger stehen momentan 2,9 Quadratmeter Verkaufsfläche im Stadtgebiet zur Verfügung. Diesen Wert präsentiert Steffen Böttger von "Stadt und Handel" aus Leipzig den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses. Das ist viel. Die Forster müssen sich mit 1,9 Quadratmetern begnügen. Selbst die Cottbuser kommen nur auf zwei Quadratmeter Fläche pro Kopf.

Die vorgelegten Zahlen offenbaren aber auch: Die Verkaufsflächen im Innenstadtzentrum sind zurückgegangen, die auf der Grünen Wiese gestiegen. "Insbesondere das Neißecenter hat an Masse und Bedeutung gewonnen", sagt Böttger. Auch aus Sicht der Experten, die schon für zahlreiche Kommunen Einzelhandelskonzepte erstellt haben, ist der Standort "attraktiv". "Die Flächen sind relativ günstig, es müssen keine architektonischen Lösungen gefunden werden, Parkplätze sind vorhanden", so Böttger. Allerdings gibt es in der Karl-Marx-Straße bereits eine Konzentration an Lebensmittelmärkten, wogegen die Innenstadt unterversorgt ist.

Im Klartext heißt das: Noch ein Nahrungsmittelhändler in diesem Bereich ist zu viel. Sollte hier der Handelsriese Rewe einziehen - eine entsprechende Anfrage gibt es laut Stadtverwaltung bereits - könnte das beispielsweise das Aus für den Kaufland-Markt in der Kaltenborner Straße bedeuten. "Das ist ein Schreckensszenario", betont Böttger. Sollte dieser Fall aber eintreten, gibt es weder in der Innenstadt noch im Süden Gubens Lebensmittelgeschäfte, die zu Fuß erreichbar sind.

Dieser Fakt ist hochbrisant: Die Gubener Stadtverordneten sollen noch im Herbst einer Nutzungsänderung von Bau- in Fachmarkt in der Karl-Marx-Straße zustimmen. Dabei geht es um den Bereich, in dem die insolvente Baumarktkette Praktiker ansässig ist.

Statt der Außenbezirke sollten die Gubener das Innenstadtzentrum als Gesamtpaket attraktiver machen, so die Planer. "Das ist auch durch grenzüberschreitende Kooperationen möglich", sagt Böttger. Hier denkt er insbesondere an den geplanten Bau der "Galeria Luzycka" (Lausitzer Galerie) auf Gubiner Seite. Auf einer Fläche von 8000 Quadratmetern sollen Lebensmittel-Discounter, Modegeschäfte, Kino, Kegelbahn, Hotels und Gastronomie unterkommen. "Realistisch betrachtet, ist das Einkaufszentrum nicht zu verhindern", betont der Experte. Die gute Nachricht aus seiner Sicht: So ein gigantischer Kosumtempel zieht auch Kunden aus dem Umland an, die sonst nicht in die Doppelstadt kämen.

Mit Umsatzeinbußen müssen allerdings deutsche Einzelhändler rechnen, die Schuhe, Lederwaren und Bekleidung im Sortiment haben. Nach Prognosen der Stadtplaner könnte hier der Umsatz um neun bis 25 Prozent einbrechen. Im Bereich Nahrungs- und Genussmitteln werden allerdings nur zwei bis vier Prozent erwartet.

"Mit der IHK arbeiten wir bereits an einem Konzept, wie polnische Kunden auch auf die deutsche Seite gelockt werden können", erklärt Fred Mahro. Der amtierende Bürgermeister der Stadt Guben hat noch eine weitere Neuigkeit parat: Der ehemalige Aldi-Markt in der Innenstadt soll wiederbelebt werden. "Allerdings nicht mit einem Lebensmittelhändler", schränkt Mahro ein. Mehr Details verrät er wegen der noch laufenden Vertragsverhandlungen nicht.

Das aktualisierte Einzelhandelskonzept soll auch den Gubener Einzelhändlern bei der nächsten gemeinsamen Beratung vorgestellt werden.

Zum Thema:
Aus dem Einzelhandelskonzept, das von "Stadt und Handel", einem Dienstleister für Regional- und Standortplanung erstellt wurde, geht hervor:Die Zahl der Betriebe in Guben ist von 176 im Jahr 2009 auf aktuell 167 zurückgegangen. Die Verkaufsfläche in der Innenstadt sank von 3220 auf 2645 Quadratmeter. Auf der Grünen Wiese stieg sie hingegen von 15 920 auf 20 578 Quadratmeter.Sinnvoll sind neue Verkaufsflächen nur in den Bereichen Bekleidung, Spielwaren, Basteln sowie Unterhaltungselektronik. Bei allen anderen Warengruppen sei der Markt "gesättigt".