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| 15:53 Uhr

Katastrophenübung
Land unter an der Neiße

Hochwasser: Katastrophenübung an der Neiße FOTO: LR / Jan Siegel
Gubinek. Bei der Übung „Flood 2018“ wurde in dieser Woche der Katastrophenfall geübt. Von Jan Siegel

Die Neiße plätschert friedlich in ihrem Bett, nichts deutet auf eine Katastrophe hin. Trotzdem haben sich starke Kräfte von Bundeswehr, polnischer Armee, Polizei, Technischem Hilfswerk sowie Feuerwehrleute aus Polen, Cottbus und dem Spree-Neiße-Kreis auf dem Gelände des früheren Grenzübergangs Gubinek, südlich von Guben, gesammelt. Sie üben sie den Ernstfall.

„Flood 2018“ heißt die Übung, bei der in dieser Woche eine Hochwasserkatastrophe an der Neiße durchgespielt wurde. Es ist die erste grenzüberschreitende Großübung dieser Art. Vorrangig ging es darum, die gegenseitigen Absprachen und Informationswege zu testen, die trotz geringer Entfernungen immer wiedermal an Deutschlands Außengrenze oder der Sprachbarriere stocken. In Polen und in Deutschen Seite gibt es funktionierende Rettungs- und Hilfsstrukturen, ihre Verzahnung ist aber in der Vergangenheit immer wieder an Landes- oder Sprachgrenzen gestoßen.

Dramatisch war die Situation an der Neiße im Jahr 2010, als der Fluss gleich zweimal zur Gefahr für die Stadt und das Umland wurde. Auch 2013 stapelten die Bewohner noch einmal verbissen Sandsäcke.

Bei der Übung am Mittwoch wurden die Alarmierungswege und praktische Tätigkeiten wie Sandsack-Fülling und das Verbauen am Deich geübt. Simuliert wurde aber auch die Evakuierung des Naemi-Wilke-Stifts in Guben. Echte Patienten übrigens blieben unbehelligt. Die „Evakuierung“ fand im leerstehenden Grenzkontroll-Komplex in Gubinek statt.

„Es ist extrem wichtig, dass sich die handelnden Personen kennenlernen und wissen wie sie ticken, wenn es ernst wird“, sagt Bartłomiej Bartczak, der Bürgermeister von Gubin. Er weiß, dass es für seine Stadt ganz schnell Ernst werden kann, wenn die Pegel in der Neiße steigen. Während am westlichen Ufer, in Guben, der innerstädtische Deich schon großflächig saniert und aufgestockt worden ist, liegt das Ostufer der Neiße in Gubin schutzlos da. Deshalb fordert er von den polnischen Behörden der Woiwodschaft Lubuskie dringendes Handeln. Bartczak, weiß, das für Planung und Umsetzung Jahre ins Land gehen werden.

Als Beobachter aus Guben dabei waren bei der Übung auch Ordnungsamtsleiter Uwe Schulz und die für den Katastrophenschutz zuständige Sachgebietsleiterin Heike Ley aus dem Rathaus in Guben. Entspannt zurück lehnen können auch sie sich nicht, wenn das Wasser steigt. Noch gibt es einige „Löcher“ im Neißedeich in Guben: „Rund ums Plastinarium bis zur Nordbrücke wird’s gefährlich“, sagte Uwe Schulz. Konkrete Pläne und Ausschreibungen des Landes für die Lückenschließung aber gibt es bereits. In den nächsten fünf Jahren, sollen die neuralgischen Punkte geschlossen sein.

Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) hat das Sagen, wenn es zur Hochwasserkatastrophe im Landkreis kommt. Er ist froh, dass es mit Stefan Giebler, inzwischen den Leiter des Verbindungsstabes zur Bundeswehr gibt. Giebler, der normalerweise im Bauamt des Kreises arbeitet, ist Oberstleutnant der Reserve und im Katastrophenfall das Bindeglied zu den Katastrophenhelfern des Militärs. Das hat sich bei den Brandkatastrophen in diesem Jahr, in der Lieberoser Heide ausgezahlt, wo ohne Löschpanzer und Hubschrauber der Bundeswehr nicht viel auszurichten gewesen wäre.

Hochwasser: Katastrophenübung an der Neiße FOTO: LR / Jan Siegel