ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:34 Uhr

Hitzeschlacht um die Braunkohle

Klimaschützer aus Polen, Tschechien und Deutschland protestierten mit Teilnehmern aus der Lausitz gegen Klimazerstörung und drohende Gesundheitsschäden durch Verbrennung von Braunkohle. Die Aktivisten formen einen Schriftzug: "Coal kills" (Kohle tötet) und einen 60 mal 55 Meter großen Totenschädel.
Klimaschützer aus Polen, Tschechien und Deutschland protestierten mit Teilnehmern aus der Lausitz gegen Klimazerstörung und drohende Gesundheitsschäden durch Verbrennung von Braunkohle. Die Aktivisten formen einen Schriftzug: "Coal kills" (Kohle tötet) und einen 60 mal 55 Meter großen Totenschädel. FOTO: Greenpeace
Jänschwalde. Das Kraftwerk und der Tagebau Jänschwalde sind nicht die klassischen Besuchermagnete im Süden Brandenburgs wie beispielsweise der Spreewald oder das Seenland. Am Wochenende war das anders. Jan Siegel

Es war kein Wetter zum Protestieren. Die Sonne brannte unerbittlich auf die Köpfe der rund 400 Teilnehmer einer Anti-Braunkohle-Demonstration vor den Werkstoren des Kraftwerks Jänschwalde. Angereist waren trotz 40-Grad-Wüstenhitze viele der Protestierenden aus dem Klima- und Energiecamp im nahen Groß Gastrose sowie von der Tour der Natur, die seit zwei Wochen per Fahrrad quer durch Deutschland führt. Eingereiht in den von Greenpeace organisierten Protest hatten sich aber auch viele Bewohner aus der Gubener und Cottbuser Region sowie von der kohlekritischen Klinger Runde. Und sogar aus Polen und Tschechien waren Braunkohlegegner angereist.

Begrüßt wurden sie alle auf ihrem Weg zum Kraftwerk von Großplakaten der Kohlekumpel: "Wir leben von der Kohle und nicht von grünen Märchen" oder "Wir machen Strom und was macht ihr?", mussten die Kohlekritiker dort lesen. Sie konterten mit Plakaten wie: "Zukunft statt Braunkohle" oder "Energiekonzerne zerschlagen und die Scherben ans Volk. Bildet Energie-Genossenschaften!".

PS-starke Unterstützung

Mit dabei war auch der Ortsvorsteher des vom Tagebau bedrohten Ortes Kerkwitz, Roland Lehmann. Er freute sich über die internationalen Teilnehmer. "Die Zeit läuft für uns", ist Lehmann überzeugt. "Die verantwortlichen Politiker in der Lausitz müssen den Mut haben, die Realitäten zur Kenntnis zu nehmen." Und die Brandenburger Landtagsabgeordnete der Grünen, Heide Schinowsky, forderte zu einer offenen Debatte über einen wirtschaftlichen Strukturwandel im Süden Brandenburgs auf.

Nach einem Protestmarsch bis vors Kraftwerkstor formierten sich die Demonstrationsteilnehmer zu einem lebendigen Banner. Unter dem Motto "Coal kills" (Kohle tötet) formten sie das Bild eines Totenkopfes, der die Gesundheitsgefahren und Klimaschädlichkeit der Braunkohle symbolisieren sollte.

Derweil rollten nur ein paar Kilometer entfernt von den Braunkohlegegnern mehr als 300 Biker mit ihren Maschinen in der sommerlichen Gluthitze an den Rand des Tagebaus Jänschwalde. Eingeladen hatte die Teilnehmer des Limberger Bikertreffens die Gewerkschaft IGBCE. Mit ihrer Tour zum Tagebau wollten die mehr als 350 Motorradfans ein Zeichen setzen für den Erhalt der Industriearbeitsplätze in der Lausitz.

Entscheidung der Kinder

Vor den Bikern mit Blick in den imposanten Abbaugraben des Tagebaus sprach der Spremberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese über eine stabile und bezahlbare Energieversorgung in Deutschland und darüber, dass es jetzt darauf ankomme, Speichertechnologien zu entwickeln, um Wind- und Sonnenenergie für eine berechenbare Versorgung nutzen zu können. "Das braucht Zeit, und so lange brauchen wir die Lausitzer Braunkohle", sagte Freese. "Unsere Kinder werden entscheiden müssen, ob sie dann die Kohle noch brauchen."