Gibt es Reichenbach eigentlich? Mit einer solchen Frage hatte jüngst hat die Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen einen medienwirksamen PR-Coup gelandet: Sie bot demjenigen, der beweisen kann, dass es die Stadt gar nicht gibt, die stolze Summe von einer Million Euro an. Seit den frühen 90er-Jahren kursiert das Gerücht, die Stadt gäbe es gar nicht.

Bis 1950 eigenständige Gemeinde

Und was hat nun die Bielefeld-Verschwörung mit Reichenbach zu tun? Seit 1950 gehört die ehemalige Gemeinde Reichenbach zu Guben. Gleichzeitig sind Groß Breesen und Kaltenborn eingemeindet worden. Einige Jahrzehnte später, 1993, kommen Bresinchen, Deulowitz und Schlagsdorf dazu. Guben war flächentechnisch gewachsen, die ehemaligen Gemeinden waren zu Guben gestoßen, keine von ihnen allerdings hatte den Status eines Ortsteils.

Befragung der Bürger zur Bildung von Ortsteilen

Das änderte sich am Ende des vorigen Jahrtausends. 1999 stellte die PDS-Fraktion einen Antrag zur Bildung von Ortsteilen in der Stadt Guben. Das sollte nicht von oben herab erfolgen, wie die Stadtverwaltung in einer Antwort auf eine Anfrage des Stadtverordneten Thomas Laugks (CDU/FDP) ausführt. Der damalige Bürgermeister Gottfried Hain und der Großteil der Stadtverordneten wollten demnach die Bürger in den Siedlungsgebieten zur Ortsteilbildung befragen. Es folgten laut Stadtverwaltung Einwohnerversammlungen in Bresinchen, Deulowitz, Kaltenborn, Reichenbach und Schlagsdorf. Auf der Tagesordnung stand unter anderem das Thema Ortsteilbildung.

Nur geringe Beteiligung an der Befragung

Im März 2000 veröffentlichte die Stadt im Neiße-Echo eine Befragung der Einwohner. Wie die Stadt jetzt in ihrer Antwort an Laugks mitteilt, war die Beteiligung „sehr gering“. Nur Groß Breesen habe im Anschluss an die Umfrage eine Einwohnerversammlung durchgeführt, in der der Wunsch nach einem Ortsbeirat geäußert worden sei.

Damit wurde Groß Breesen zum ersten neuen Ortsteil der Stadt Guben mit eigenem Ortsbeirat. Der besteht aus drei Mitgliedern und setzt sich heute aus der Vorsitzenden Marlen Thiele sowie Cathleen Kroeker und Klaus Schneider zusammen. Auch Bresinchen bekam einen Ortsbeirat, heute besetzt durch Nico Hammel und Rene Schultze. Auch Schlagsdorf und Deulowitz wurden Ortsteile, blieben aber laut Stadtverwaltung ohne Ortsteilvertretung.

Ortsbeiräte und Ortsvorsteher vertreten Interessen der Bürger

Ein Jahr später habe auch Kaltenborn den Wunsch geäußert, Ortsteil von Guben zu werden. Werner Soyke, Thomas Laugks und Manuela Wessel bilden heute den Kaltenborner Ortsbeirat.

2005 wurde die Hauptsatzung noch einmal angefasst, unter anderem mit dem Ziel, dass alle Ortsteile der Stadt Guben – Bresinchen, Groß Breesen, Kaltenborn, Schlagsdorf und Deulowitz – eine Ortsteilsvertretung erhalten sollten. Schlagsdorf und Deulowitz haben allerdings statt eines Ortsbeirates einen Ortsvorsteher, in Schlagsdorf ist das Ralph Sitzbarth, in Deulowitz ist es Gert Richter.

Reichenbach hat einen engagierten Bürgerverein

Reichenbach habe 2000 während der Einwohnerversammlung keinen eindeutigen Wunsch zur Bildung eines Ortsteils geäußert, sagt die Stadtverwaltung. Auch aus der Bürgerbefragung habe sich kein Votum dafür ergeben. Heißt: Reichenbach ist zwar ein Siedlungsgebiet, existiert genauso wie Bielefeld und hat in Guben einen Stand wie die Altsprucke, Am Weinberg, Grunewald und die Sprucke – ohne Ortsbeirat oder Ortsvorsteher.

Dafür allerdings hat Reichenbach einen engagierten Bürgerverein, der erst jüngst dafür gesorgt hat, dass die Stadt ihr Spielplatzkonzept fortschreibt und einen neuen Spielplatz in dem Siedlungsgebiet zumindest möglich macht. Die Stadtverordneten haben dem neuen, überarbeiteten Spielplatzkonzept am Mittwoch einstimmig zugestimmt.

Die Siedlung verschafft sich auch Gehör

Bisher, sagt Thomas Laugks, habe ihm noch niemand erklären können, warum Reichenbach nicht zu einem Ortsteil von Guben geworden ist. Immerhin haben die laut Hauptsatzung das Recht, bei vielen Entscheidungen, die den jeweiligen Ortsteil angehen, von den Stadtverordneten vor einer Beschlussfassung gehört zu werden. Gehört allerdings wird auch Reichenbach – das zeigt unter anderem das neue Spielplatzkonzept.