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| 02:47 Uhr

Heute nur noch ein Park mit historischen Industriebauten

Museumsmitarbeiterin Carolin Tilch zeigt zwei Deckel, die in Guben produzierte Fischgläser verschlossen.
Museumsmitarbeiterin Carolin Tilch zeigt zwei Deckel, die in Guben produzierte Fischgläser verschlossen. FOTO: Jana Pozar
Guben. "Fragmente – Fischverarbeitung in Guben" heißt eine neue Sonderausstellung im Gubener Stadt- und Industriemuseum. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Fotografen Lars Wiedemann haben die Museumsmitarbeiter Fotografien, Dokumente, Originalverpackungsmaterialien und Dokumente von Zeitzeugen zusammengetragen. Jana Pozar

"Die Geschichte der einstigen Gubener Fischfabrik ist total interessant", versichert Museumsleiterin Heike Rochlitz. Zu dieser Erkenntnis sei sie jedoch erst gekommen, nachdem sie mit Zeitzeugen gesprochen hatte. Dabei gab es diese Fabrik 36 Jahre. Im Gebäude des ehemaligen Schlachthofes wurden von 1957 bis 1993 Fische verarbeitet.

Heute gleicht das Gelände einem Park, die Maschinen in der großen Halle sind längst verschwunden, die Fenster zerstört. Doch die Geschichte bleibt - vor allem in den Fotos und in den Zeitzeugenberichten, die in der Ausstellung zu sehen sein werden.

Simone Eichner, die seit zehn Jahren in Cottbus lebt, hat von 1990 bis 1991 in der Fischfabrik gearbeitet. "Ich war erst in der Produktion. Dort haben wir Rollmöpse, Brathering und marinierten Fisch bereitet", erzählt sie. Die Arbeit sei hart gewesen, denn "wir mussten nach Leistung arbeiten", erinnert sich die 50-Jährige. Später war sie dort als Pförtnerin im Schichtsystem tätig.

Als "Sicherheitsnadel" - so wurden die Sicherheitsinspektoren in der Fischfabrik genannt - war Gisela Wolter von 1986 bis 1990 beschäftigt. Sie erinnert sich daran, dass es damals schwer war, beispielsweise Zement zum Ausbessern von Unebenheiten in Fußböden oder Wänden zu bekommen. "Aber es war generell schwer, Ersatz und Baumaterial zu beschaffen", sagt die 58-Jährige. Und sie gibt auch zu, dass der Geruch im Betrieb tatsächlich gewöhnungsbedürftig war. Vor allem der Bunker, in dem die Fischabfälle gelagert waren, "stank bestialisch".

Doch auch schon zu DDR-Zeiten musste Sondermüll, zu dem diese Abfälle gehörten, fachgerecht entsorgt werden. "Und das war sehr teuer", so Gisela Wolter. Heike Rochlitz weiß, dass die Fischfabrik einer von 16 Betriebsteilen in der DDR war. "Hier wurden die typisch mild säuerlichen Marinaden hergestellt. Die schmeckten anders als in anderen Regionen", weiß sie aus ihrer Recherche.

Lars Wiedemann hat während seiner Fotoreise erkannt: "Wo einst Fische vom Band liefen, haben heute Katzen die Kontrolle über das Gelände übernommen. In den Hallen ist alles Verwertbare abhanden gekommen, jedoch ist die Struktur der einstigen Vorzeigeanlage zur Fischverarbeitung aus den 1970er-Jahren noch deutlich zu erkennen."

Die Ausstellung will erinnern und zum Nachdenken anregen, denn die Frage nach dem "Was bleibt?" ist auch heute nicht abschließend zu beantworten. "Was bleibt ist aber eine eigene Naturlandschaft, ein Park mit historischen Industriebauten", so Lars Wiedemann. Die Ausstellung "Fragmente - Fischverarbeitung in Guben" ist vom 29. Januar bis zum 21. Februar im Stadt- und Industriemuseum (Gasstraße 5) zu sehen.