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"Herz"-licher Besuch aus Kanada

Jacqueline Miller und Mark Engstrom begutachten das noch nicht ganz fertige Blauwalherz in Guben.
Jacqueline Miller und Mark Engstrom begutachten das noch nicht ganz fertige Blauwalherz in Guben. FOTO: Schauff
Guben. Ab dem Sommer wird ein plastiniertes Blauwal-Herz das Royal Ontario Museum in Toronto zieren. Plastiniert wird die "Riesenpumpe" derzeit in Guben. Die Auftraggeber konnten sich gestern einen ersten Eindruck verschaffen. Daniel Schauff

Was kostet wohl ein Herz? Ziemlich genau 200 000 Euro - zumindest dann, wenn das Herz vom Blauwal stammt, in Guben plastiniert wird und ab dem Sommer die Ausstellung im Royal Ontario Museum im kanadischen Toronto zieren soll. Rund 2000 Arbeitsstunden werden in der Wal-Pumpe stecken, gut die Hälfte der Plastination ist mittlerweile geschafft. Ende Mai, sagt Mark Engstrom vom kanadischen Museum, wird das Herz fertig für den Transport über den Ozean sein, im Juni wird es in der Ausstellung im Herzen von Toronto zu sehen sein.

"Flat as a bag" - "Flach wie ein leerer Sack" - sei das Walherz gewesen, als Mark Engstrom und sein Team das Organ einem verendeten Blauwal entnommen hatten. Neun der seltenen Wale waren 2014 an der Küste von Neufundland (Kanada) gestorben, nachdem sie sich im Eis verfangen hatten. Das entspreche rund vier Prozent des gesamten Blauwal-Bestands im Nordwest-Atlantik. Zwei von ihnen wurden an der Küste angeschwemmt. "Eine Tragödie", sagt Engstrom - gleichzeitig aber auch eine Möglichkeit, den Besuchern im Museum die unglaubliche Größe dieser Tiere zu demonstrieren. Knapp 25 Meter sei der Blauwal groß gewesen, sagt Engstrom, das Gewicht lag bei rund 90 Tonnen. Allein das Herz wiegt 200 Kilogramm und ist rund 1,80 Meter hoch. Am Donnerstag waren Engstrom, Kollegin Jacqueline Miller, die Tierärzte und Plastinatoren Paul Nader und Robert Henry sowie Labormanager Stan Iliff von der Lincoln Memorial University in Tennessee (USA) in Guben, um sich mit den Profis in der Neißestadt über die Positionierung des Walherzens für die Ausstellung zu verständigen. Vielleicht bekommt das Herz noch Sichtfenster, damit die Museumsbesucher auch ins Innere blicken können, erklärt Engstrom. Der erste Blick aufs fast fertige Walherz lässt seine Ungeduld wachsen. Einerseits sei es toll, die Produktionsschritte mitzuerleben, andererseits würde er es gern sofort mit nach Kanada nehmen, sagt er.

Eigentlich hatte er die Plastinatoren aus Tennessee gefragt, ob sie das Monsterherz plastinieren könnten. Dafür aber hätten die Kapazitäten an der Universität nicht ausgereicht. So etwas sei eben nur bei den Gubener Plastinaten möglich, sagt der Auftraggeber aus Toronto.

Die Zusammenarbeit mit den Kanadiern, sagt Plastinate-Geschäftsführer Rurik von Hagens, sei unkompliziert, obwohl es schon eine neue Erfahrung für ihn und seine Mitarbeiter sei, ein Plastinat nach den Wünschen eines Auftraggebers zu gestalten.