Von Daniel Schauff

Das Vorbild steht in Hamburg. Und es funktioniert. Guben will jetzt endlich nachziehen. Der Eisspeicher soll kommen.

Und er soll in Zukunft das Klimaquartier Hegelstraße mit Wärme versorgen. Die Technik ist ausgefeilt: Der Wasserspeicher wird in der warmen Jahreszeit über Absorptionskollektoren (Solarmodule), Sonneneinstrahlung und Wärmeaufnahme aufgeladen. In der kalten Jahreszeit wird dem Speicher dann die Wärme entzogen. Durch die Vereisung des Wassers entsteht zusätzliche Energie, die dem Wärmeerzeugungssystem zugeführt wird. Die Theorie: Ein Zehn-Kubikmeter-Eisspeicher liefert die gleiche Energiemenge wie 110 Liter Heizöl. In Hamburg funktioniert es.

Für fast 500 Mieter haben sich in der Stadt an der Elbe die Heizkosten halbiert. Das allerdings ist nur ein positiver Nebeneffekt. Anlass und auch Fördergrund für den Eisspeicher ist die Einsparung von Kohlenstoffdioxid (CO2). Wenn in Guben alle möglichen Gebäude im Quartier durch den Eisspeicher mit Wärme versorgt würden, könnte es zu einer jährlichen Einsparung von 1000 Tonnen CO2 kommen, so die Berechnung, die auch dem Förderantrag zugrunde liegt, der im Oktober ans brandenburgische Landesamt für Bauen und Verkehr gegangen ist. Was jetzt noch fehlt, ist die Aufnahme der Maßnahme in den Umsetzungsplan 2018 bis 2020. Eine reine Formalie.

Ohne Fördermittel, so viel ist sicher, wird der Eisspeicher in Guben nicht kommen. Allein der Speicher wird rund 1,5 Millionen Euro kosten, das nötige Nahwärmenetz noch einmal mit fast 4,3 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Für die benötigten Fördermittel liegen zum Teil schon Bescheide vor“, heißt es in der Beschlussvorlage zur Aufnahme der Maßnahme in den aktuellen Umsetzungsplan. Für den Rest setzt die Stadt nun auf die Städtebauförderung. Für Mittel aus dem sogenannten RENplus-Programm, mit dem das Land Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen fördert, gab es eine Absage. Ebenso für Mittel aus weiteren Fördertöpfen.

Im Juni 2018 hatte Bürgermeister Fred Mahro (CDU) berichtet, dass das Land für das Quartier ein Blockheizkraftwerk favorisiere. „Im Ergebnis eines Abwägungsprozesses energetischer und wirtschaftlicher Aspekte wurde die Umsetzung einer Wärmepumpe mit kaltem Saisonalspeicher (Eisspeicher) und solarer Unterstützung favorisiert“, heißt es in der Beschlussvorlage. Heißt: Die Stadt Guben setzt weiterhin auf die moderne Eisspeicher-Technologie im geplanten Vorzeigequartier in der Gubener Altstadt.

Denkbar sei es auch, dass das Gubener Gymnasium künftig von der Technologie profitiere, sagte Mahro im jüngsten Haushaltsausschuss. Zwar liege die Schule in der Friedrich-Engels-Straße und damit außerhalb des eigentlichen Klimaquartiers, die Pestalozzistraße sei aber für das Wärmenetz keine unüberwindbare Grenze.

In gleich zweierlei Aspekten würde die schon lange geplante Maßnahme ein Rüstwerk Gubens für die Zukunft bedeuten: Die gesetzten energetischen Ziele könnten erreicht werden, und die Altstadt West könnte zu einem besonders attraktiven Wohngebiet werden. Das wiederum würde der Strategie der Stadt entgegenkommen, die Altstadt zu stärken, während am Stadtrand Wohnungsbestand verschwindet. In der Beschlussvorlage heißt das: „(Das energetische Quartierskonzept verfolgt) einen integrierten Ansatz, der auch demografische, städtebauliche und infrastrukturelle Aspekte sowie wohnungswirtschaftliche Belange berücksichtigt.“ Gleich mehrere Fliegen also, die mit einer Sechs-Millionen-Euro-Klappe geschlagen werden sollen.