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| 16:57 Uhr

Friedhofssatzung
Kämpfen der Ortsteile zahlt sich aus

Im Vordergrund sind die Urnengräber auf der Wiese zu sehen, die von der Stadt gepflegt werden.
Im Vordergrund sind die Urnengräber auf der Wiese zu sehen, die von der Stadt gepflegt werden. FOTO: stadt guben
Guben. Hauptausschuss für halbanonyme Beisetzungen auch außerhalb der Stadt Guben. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Bisher sind halbanonyme Bestattungen in den Ortsteilen von Guben nicht möglich. Nur im Gubener Waldfriedhof und im Westfriedhof gibt es neben konservativen Urnen- und Reihengräbern auch anonyme und halbanonyme Bestattungen. Doch das könnte sich bald ändern. Der Hauptausschuss hat sich am Montagabend mehrheitlich dafür ausgesprochen, auch in den Ortsteilen Urnengemeinschaftsgrabstätten mit namentlicher Kennzeichnung anzubieten.

„Es besteht die dringende Notwendigkeit, in den Ortsteilen von Guben diese Bestattungsform einzuführen, ebenso wie in den Ortsteilen der Gemeinde Schenkendöbern“, plädiert Klaus Schneider für die Beschlussvorlage. Die Bürger von Schlagsdorf und  Kaltenborn würden sich seit Jahren für dieses Thema stark machen. Günter Quiel kennt diesen Wunsch aus der Bürgerschaft ebenfalls. „Die Menschen wollen auch im Tod nicht die Bindung zu ihrem Heimatort verlieren“, so Quiel.

Erst auf einer Einwohnersammlung im Oktober hatte Werner Soyke, Vereinsvorsitzender vom Bürgerverein Kaltenborn, gegenüber Bürgermeister Fred Mahro nachhaltig auf die Notwendigkeit von halbanonymen Bestattungen hingewiesen. „Die jungen Leute ziehen weg und dann ist einfach keiner mehr für die Grabpflege da“, so Soyke. „Gleichzeitig wollen die Kaltenborner in Kaltenborn und nicht in Guben ihre letzte Ruhe finden.“

In der Vergangenheit sah die Stadt keine Notwendigkeit zur Errichtung von Gemeinschaftsgrabanlagen auf den Ortsteilfriedhöfen. Dabei sind die anonymen Bestattungsformen in Guben gefragt. Von den 288 Beisetzungen in der Gemeinde wählten 51 Verstorbene die halbanonyme Beisetzung in einer Urnengemeinschaft mit Stele und  weitere 73 entschieden sich für die anonyme Bestattung.  

In der Gemeinde Schenkendöbern gibt bereits seit November 2013 auch in den Ortsteilen halbanonyme und anonyme Bestattungen. „Von 16 Ortsteilen gibt es diese Möglichkeit in 13“, erklärt der Leiter des Ordnungsamtes von Schenkendöbern, Holger Häckert. „Der Wunsch kam damals ebenfalls aus der Bevölkerung.“

Doch obwohl mit der Änderung einem Begehren der Bevölkerung nachgegeben wurde, gab es zunächst keine Nachfrage für die neuen Bestattungsformen. Im Jahr 2013 wurde keine halbanonmye Bestattung durchgeführt und im Folgejahr lediglich eine. „Doch dann ist es gut angelaufen und wir verzeichnen eine  positive Tendenz“, verrät der Leiter des Ordnungsamtes. Seit der Einführung haben sich insgesamt 18 Verstorbene aus zehn verschiedenen Ortsteilen für diese Bestattungsform entschieden. Mit vier Eintragungen verzeichnet die Stele für die halbanoyme Bestattung in Sembten die meisten Namen.

Obwohl die anonyme Bestattung bisher gar nicht in Anspruch genommen wurde, ist die Gemeinde zufrieden. „Wir haben die Änderung nicht bereut. Es war richtig, allen Menschen in Schenkendöbern diese Möglichkeit zu geben“, findet Holger Häckert. Er rechnet damit, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren weiter steigen wird: „Einen Boom erwarte ich allerdings nicht.“ Allerdings gehe der Trend bundesweit ebenfalls zur Urnenbestattung. „Und auch in Schenkendöbern werden mittlerweile mehr Urnen- als Erdbesetzungen durchgeführt“, so der Ordnungsamtleiter weiter.

Im Falle einer Änderung der Friedhofssatzung in Guben hatte Bürgermeister Fred Mahro bereits auf der Bürgerversammlung in Kaltenborn angekündigt, auch die Friedhofgebührensatzung anpassen zu müssen. „Eine halbanonyme Bestattung darf nicht zu Lasten der Erdbestattungen gehen“, so Mahro. „Sonst gibt es eine Ungerechtigkeit in der Gebührenverordnung.“