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Literatur
Guben als Turner-Hochburg

Egon Franz beim Schwebestütz an den Ringen im Jahr 1962.
Egon Franz beim Schwebestütz an den Ringen im Jahr 1962. FOTO: privat
Guben. Über die erfolgreichen Jahre des Turnsportes in Guben und dessen Niedergang in den 1970er-Jahren hat der Cottbuser Regionalhistoriker Hartmut Schatte jetzt ein Buch geschrieben. Der ehemalige Gubener war einst selbst aktiver Sportler. Von Silke Halpick

Sein Lieblingsgerät waren die Ringe. „Daran habe ich gern geturnt“, erzählt der heute 72-Jährige. Schatte war von 1955 bis 1965 Mitglied der ersten Männermannschaft des Sportvereins „Fortschritt Guben“ und mehrfacher Kreismeister. „Wenn wir geturnt haben, war die Wilhelm-Pieck-Turnhalle voll“, berichtet er.

Mehr als 500 bisher weitgehend unveröffentlichte Bilder und Dokumente aus zwei Jahrhunderten sind in seinem neuen Buch „Alles im Griff - zur Geschichte des Gubener Turnsportes“ zu finden. Erstmals der Öffentlichkeit präsentieren will der Autor das 182 Seiten starke Werk am 21. November in der Gubener Stadtbibliothek. Zur Premiere werden auch zahlreiche sportliche Weggefährten erwartet, wie Schatte ankündigt.

Mit dem ersten Deutschen Turnfest, das 1860 in Coburg stattfand, fing auch in Guben alles an. Der sportliche Enthusiasmus „schwappte in alle deutschen Lande“, erzählt Schatte. Der von Friedrich Ludwig Jahn initiierten Turnbewegung, deren Ziel die Vorbereitung der Jugend auf den Kampf gegen die napoleonische Besatzung war, ist auch das erste Kapitel des Buches gewidmet.

Schon im Jahr darauf wurde in Guben der erste Männerturnverein der Niederlausitz gegründet. „Damit war Guben ein Vorreiter“, betont der Historiker. Erst später folgten andere Städte wie Cottbus, Forst und Spremberg. „Der Turnsport ist die Wiege des Sportes“, stellt Schatte klar. Zu Jahns Zeiten war Turnen eine Sammelbezeichnung für alle Sportarten, selbst Wandern, Fechten oder Schwimmen gehörten dazu. Die Aufteilung in Bereiche wie Fuß- oder Handball kam erst später.

Für sein neues Buch hat Hartmut Schatte in den Archiven des Gubener Heimatbundes, der Stadt Guben, der ortsansässigen Bibliothek und des Museums recherchiert sowie mehr als 70 Zeitzeugen befragt. Bis an die Ostsee, nach Bayern und Nordrhein-Westfalen ist er dafür gereist. Fünf Jahre lang hat er Material gesammelt.

Seine große Blütezeit erlebte der Gubener Turnsport von 1890 bis zum Ersten Weltkrieg. Aber auch während der Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR wurde erfolgreich in der Neißestadt geturnt. Sogar bis zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin schaffte es eine Gubenerin. Wer das war, will Schatte allerdings erst im Rahmen der Buchpremiere verraten.

„Guben war eine Hochburg des Turnens“, betont der Autor. Die Turn- und Sportfeste waren gesellschaftliche Höhepunkte mit Tausenden von Zuschauern. „Ganz Guben war auf den Beinen“, sagt Schatte. Erst ab den 1960er-Jahren begann der Niedergang. Zunächst wurde der Wettkampf- und später auch des Turnbetriebes eingestellt. Heute gibt es in der Neißestadt nur noch eine Eltern-Kind-Gruppe beim SV Chemie.

Mehr als 40 Bücher hat Hartmut Schatte bisher geschrieben. Als sein umfangreichstes Werk gilt das 2015 erschienene Buch über die Gubener Theatergeschichte. Vielen ist er durch seine Dorfchroniken von Groß Drewitz, Grano oder Kerkwitz bekannt. Hartmut Schatte lebte von 1946 bis 1973 in Guben, lernte den Beruf eines Elektromaschinenbauers, studierte später in Leipzig und leitete die Fachschule für Sozialwesen in Cottbus. Sein neues Buch „Alles im Griff - zur Geschichte des Gubener Turnsportes“ zum Preis von 20 Euro erscheint im Regia-Verlag und ist ab dem 22. November im Handel erhältlich.