Wozu braucht man heutzutage eigentlich noch eine Innung? Wenn einer die Antwort auf diese Frage weiß, dann ist es Matthias Jordan. Der Chef der Holzbau Guben GmbH wurde jüngst zum zweiten Mal zum Obermeister der Tischlerinnung Cottbus gewählt. „Eine Innung kümmert sich um die gemeinsame Facharbeit, fördert den Zusammenhalt der Betriebe und vertritt die Interessen der jeweiligen Handwerker. Und das wird immer wichtiger“, sagt Jordan und tritt damit Meinungen entgegen, Innungen wären nicht mehr zeitgemäß.

Fachliche Ausbildung ist Sache der Innung

„Wir als Innung kümmern uns zum Beispiel um die fachliche Ausbildung des Nachwuchses und um die Prüfung der Lehrlinge, während die Handwerkskammer unsere Arbeit entsprechend der Handwerksordnung kontrolliert, also ob wir die Prüfungszyklen einhalten oder die Prüfungskommission ordnungsgemäß besetzt ist.“

Ehemaliges Landambulatorium Lieberose Neuer Glanz, neue Mieter

Lieberose

Ganz wichtig ist Jordan die Interessenvertretung: „Wir versuchen, einmal im Jahr Brandenburgs Wirtschaftsminister zu treffen und mit ihm über unsere Probleme zu reden.“ Immer wieder müssten sich die Betriebe mit Neuigkeiten herumschlagen. So gebe es in puncto Abfallentsorgungsgesetz viele Regelungen zu beachten. Schwierig sei auch die Vorgabe, dass die Unternehmen nur bis zu einer Streckenlänge von 100 Kilometern ohne Fahrtenschreiber unterwegs sein dürfen. „Wer aber längere Wege absolvieren muss, für den entstehen immense Zusatzkosten.“

Innung setzt sich für Erhalt des Meistertitels ein

Ein weiterer wichtiger Aspekt: „Natürlich kämpfen wir um den Erhalt des Meistertitels.“ In dem Zusammenhang macht sich Matthias Jordan auch für eine noch stärkere finanzielle Unterstützung der Meisterausbildung stark. Denn wie in vielen Bereichen ist auch auf diesem Gebiet ein Mangel an Nachwuchs zu verzeichnen. So gab es in diesem Jahr im Bereich der Handwerkskammer Cottbus keine Ausbildung neuer Tischler-Meister. Der Grund: Es gab einfach zu wenige Interessenten für den Lehrgang.

Gleichzeitig macht sich Matthias Jordan dafür stark, dass die Anforderungen an eine Ausbildung im Handwerk nicht heruntergeschraubt werden sollten. Und das, obwohl nicht jeder, der sich in seinem Betrieb bewirbt, die Voraussetzungen mitbringt, die man von ihm erwarten sollte.

Innungsmitglieder genießen auch ein paar Vorteile

„Ein Obermeister gibt einer Innung ein Gesicht. Er vertritt sie in anderen Gremien, führt sie, lädt zu Versammlungen ein“, erklärt Matthias Jordan. Und warum lohnt es sich für Unternehmen, Mitglied der Innung zu werden? „Über die Innung kommen die Betriebe an viele Informationen, zum Beispiel zum Thema Arbeitsschutz. Wir organisieren aber auch gemeinsame Ausflüge.“ Und es gibt auch den einen oder anderen finanziellen Vorteil. So müssen Innungsmitglieder weniger Prüfungsgebühren für ihre Lehrlinge zahlen.

So sind Brandenburgs Tischler organisiert


Die Tischler in Brandenburg sind in insgesamt 14 Innungen organisiert. Die von Matthias Jordan geleitete Tischlerinnung Cottbus ist für die Lausitz-Metropole und den Spree-Neiße-Kreis, aber auch Teile des Landkreises Oberspreewald-Lausitz bis beispielsweise Lauchhammer zuständig. Zu ihrem Vorstand gehören des Weiteren Ronald Erdmann aus Kahsel, Thomas Kochan aus Forst sowie Rodo Domann aus Schwarze Pumpe. Diesen Innungen übergeordnet ist die Landesinnung unter der Leitung von Landesinnungsmeister Frank Adam und Geschäftsführerin Anke Maske. Neben Adam wird die Landesinnung von sechs Vorstandsmitgliedern geführt. Eines von ihnen ist Matthias Jordan. Er sagt: „Die Interessen in den einzelnen Teilen Brandenburgs sind sehr unterschiedlich, speziell zwischen den Vertretern des Speckgürtels und denen der weiter von Berlin entfernten Gebiete.“ Der Cottbuser Tischlerinnung gehören aktuell mehr als 30 Unternehmen an.