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| 19:29 Uhr

Guben
Händlerfest-Premiere ist ein Erfolg

Die Frankfurter Straße wird zum Laufsteg: Antonia Lieske (l.), vielen noch als ehemalige Apfelkönigin bekannt, präsentiert Modetrends.
Die Frankfurter Straße wird zum Laufsteg: Antonia Lieske (l.), vielen noch als ehemalige Apfelkönigin bekannt, präsentiert Modetrends. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Kunden bummeln durch die Gubener Altstadt und nutzen Aktionen. Von Silke Halpick

Das erste Händlerfest in der Gubener Altstadt ist ein Erfolg. Profitieren können die Gewerbetreibenden auch vom Stadtfest im benachbarten Gubin und vielen pendelnden Besuchern.

Wie viele Orchideen Veronica Hammel in ihrem Blumenladen heute umgetopft hat, kann sie nicht genau beziffern „Aber zwanzig waren es bestimmt“, sagt sie. Häufig werde die Königin der Blumen zu viel gegossen. Staunässe verursache jedoch Wurzelfäule, erklärt die Expertin. Die befallenen Stellen schneidet Hammel ab. Anschließend setzt sie die Pflanze in neue Orchideenerde ein.

Nur ein paar Meter weiter steht Roger Hentzschel mit einem Mikro in der Hand, begrüßt die Besucher zum Händlerfest und weist auf besondere Attraktionen wie das Umtopfen, Hüpfburg, Feuerwehr, Tanzdarbietungen sowie die Modenschau hin. Vor seinem Fotofachgeschäft steht eine Selfibox, bei der man sich mit dem Eifelturm oder der Golden Gate Brigde im Hintergrund fotografieren lassen kann. Das kommt bei den Passanten gut an.

Eine Menschentraube hat sich schon vor der Modeboutique  Jannett-Textilien gebildet. Hier präsentieren Gubener Hobbymodels die neuesten Trends. Auch die ehemalige Apfelkönigin Antonia Lieske wandelt gekonnt über den Laufsteg, der in diesem Fall die Frankfurter Straße ist. „Streifen und Rüschen sind wieder ganz in“, kommentiert Janette Weber. Neben der Garderobe werden auch Brillen gezeigt.

Das Händlerfest ist das erste in Eigenregie der Gewerbetreibenden organisierte Spektakel. Nachdem das Bundesförderprogramm „Aktives Stadtzentrum“ Ende 2017 ausgelaufen ist, haben sich 14 Händler der Altstadt zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Einen Gewerbeverein wie beispielsweise in Forst soll es zumindest vorerst nicht geben.

„Es ist gut, dass sich die Händler zusammenraufen und nicht jeder nur für sich kämpft“, sagt Günther Lohse. Der Gubener  ist in die Altstadt gekommen, um der Premiere beizuwohnen. Was er sieht, gefällt ihm gut. Jetzt komme es auf Kontinuität und Angebot an, glaubt er.

Gubens Altstadthändler haben es nicht einfach. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft der Neißestädter liegt nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) bei 5596 Euro pro Person (Stand: 2017). Zum Vergleich: In Spremberg sind es 5950 Euro, im Speckgürtel von Berlin sogar mehr als 7000 Euro. Demgegenüber steht ein hoher Anteil an Verkaufsflächen. Das heißt: viel Konkurrenz um jeden Euro.

Und jetzt baut direkt hinter der Grenzbrücke auch noch der polnische Investor Hosso eine Einkaufsgalerie für rund 40 Geschäfte auf 11 000 Quadratmetern Fläche. Mit der Eröffnung wird im  dritten Quartal 2017 gerechnet. Der Investor hat auch deutsche Kundschaft im Visier. Als mögliches Einzugsgebiet gilt ein Radius von 30 Minuten Autofahrt. Dazu gehören beispielsweise auch Peitz, Forst und Neuzelle.

„Als Chance“ statt Bedrohung sieht Roger Hentzschel die neue Konkurrenz direkt vor der Haustür. Wenn die Einkaufsgalerie tatsächlich so viele Menschen aus der Umgebung anlocken kann, bummeln diese möglicherweise auch durch die deutschen Geschäfte, so sein Kalkül. Beim ersten Händlerfest hat das zumindest funktioniert. Von polnischer Seite, auf der am Wochenende Stadtfest gefeiert wird, kommen Besucher. Und auch deutsche Gäste nutzen die Chance, dies- und jenseits der Neiße die Angebote zu prüfen.

Julia Kleemann (l.) und Lea Justine Brill von der Gubener Apfelwein Schüler GmbH bringen ihre Produkte an die Kunden.
Julia Kleemann (l.) und Lea Justine Brill von der Gubener Apfelwein Schüler GmbH bringen ihre Produkte an die Kunden. FOTO: LR / SIlke Halpick